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fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft: Ein starker Service public fördert das Vertrauen ins Mediensystem

Wer häufig Nachrichten des öffentlichen Rundfunks
nutzt, hat grösseres Vertrauen ins Mediensystem. Dieser Befund gilt
sowohl im internationalen Vergleich, als auch für die Schweiz. Ein
positives Mediensystemvertrauen erhöht bei den Nutzerinnen und
Nutzern gleichzeitig die Bereitschaft, für News zu bezahlen und auch
Werbung, beispielsweise in Form von Online-Bannern, zu akzeptieren.
Ein starker medialer Service public stärkt also das Mediensystem
insgesamt.

Im internationalen Ländervergleich ist das Vertrauen ins Schweizer
Mediensystem weiterhin hoch. Bei der Zahlungsbereitschaft für News
belegt die Schweiz von 26 untersuchten Ländern einen Platz im
Mittelfeld. Zu diesen Befunden kommt das fög – Forschungsinstitut
Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich in einer
ländervergleichenden Studie, die parallel zur siebten Ausgabe des
Jahrbuchs Qualität der Medien publiziert wird.

Junge Erwachsene äussern grösseres Misstrauen

Einen entscheidenden Einfluss auf das Medienvertrauen hat das
individuelle Newsnutzungsverhalten. Wer regelmässig traditionelle
Informationsmedien nutzt, entwickelt ein grösseres Vertrauen ins
Mediensystem. Umgekehrt geht Vertrauen verloren, wenn die
ritualisierte Nutzung professioneller Informationsmedien an Bedeutung
verliert oder News überwiegend bis ausschliesslich via Social Media
konsumiert werden. Es erstaunt deshalb nicht, dass junge Erwachsene
ein besonders grosses Misstrauen ins Mediensystem äussern. In dieser
Altersgruppe ist der Anteil derjenigen, die dem News-Journalismus den
Rücken kehren, besonders hoch.

Ausgeprägtes Misstrauen bei Sympathisanten politischer
Flügelparteien

Über alle Länder hinweg hat vor allem die Nutzung des öffentlichen
Rundfunks einen besonders positiven Einfluss auf das
Mediensystemvertrauen. Auch die Nutzung der bezahlpflichtigen
Abonnementspresse wirkt sich positiv aus. Ein ausschliesslicher
Konsum von gedruckten Pendlerzeitungen reduziert dagegen das
Medienvertrauen, wie auch ein News-Nutzungsverhalten, das stark auf
Social Media (z.B. Facebook) basiert. Bedeutsam sind zudem die
politischen Einstellungen: Je mehr die Nutzerinnen und Nutzer mit
politischen Flügelparteien sympathisieren, desto grösser ist das
Misstrauen – bei rechts Stehenden gegenwärtig noch stärker als bei
links Stehenden.

«News-Deprivierte» bilden heute die grösste Nutzergruppe überhaupt

Immer weniger Personen nutzen ein breites Bündel an qualitativ
hochwertigen Medien. Bereits ein Drittel der Schweizer Bevölkerung
gehört zur Gruppe der so genannten «News-Deprivierten». Diese
Nutzergruppe interessiert sich weit unterdurchschnittlich für
professionelle Informationsangebote und wenn, dann greift sie auf
qualitätsmindere Informationsangebote zurück oder konsumiert News via
Social Media. Ihr Anteil stieg in den letzten Jahren um
bemerkenswerte 10 Prozentpunkte von 21% (2009) auf 31% (2016). Zu
dieser Gruppe zählen v.a. junge, weibliche Erwachsene im Alter von
unter 30 Jahren. Dieser Medienkonsum hat Auswirkungen auf die
Wahrnehmung der Gesellschaft. «News-Deprivierte» schenken vor allem
auf die Person zielenden oder moralisch-emotional aufgeladenen
Ereignissen wie Katastrophen und Skandalen viel Aufmerksamkeit.

Social Media – Mehr Reichweite, aber auch Schwächung der
Markenbindung

Social Media sind bereits für fast einen Viertel (22%) der jungen
Erwachsenen in der Schweiz die Hauptquelle für News. Der
traditionelle Fernsehkonsum ist dagegen mit einem Wert von 11%
bereits deutlich abgeschlagen. Mit der steigenden Bedeutung von
Social Media für den Newskonsum erhalten die traditionellen
Medienanbieter auf der einen Seite die Chance auf zusätzliche
Reichweite und neue zahlende Abonnenten, geben auf der anderen Seite
aber partiell die Kontrolle über die Weiterverbreitung ihrer Inhalte
aus der Hand. Ebenfalls werden im sozialen Netz die Medienmarken der
traditionellen Newsanbieter geschwächt. Internationale Umfragedaten
belegen, dass von den Befragten, die News via Social Media
konsumieren, durchschnittlich weniger als die Hälfte die originären
Medienmarken überhaupt noch wahrnimmt.

Normatives Qualitätsverständnis wird durch die Bevölkerung
gestützt

Das Qualitätsscoring des fög bescheinigt den Informationsangeboten
des öffentlichen Rundfunks und den überregionalen, gedruckten
Abonnementszeitungen auch im aktuellen Untersuchungsjahr die beste
Berichterstattungsqualität. Diese Qualitätseinstufung wird auch von
den befragten Mediennutzerinnen und -nutzern geteilt. Das den
Analysen des fög zugrunde gelegte demokratietheoretische
Qualitätsverständnis wird also von der Bevölkerung gestützt. Das gilt
für sämtliche Befragtengruppen, auch jene der jungen Erwachsenen, die
gemäss der Untersuchung im Vergleich zu den anderen Altersgruppen
mehr Informationsmedien von minderer Qualität nutzen. Nutzerinnen und
Nutzer, die qualitätsmindere News konsumieren, sind sich also dessen
zumindest bewusst.

Untersuchungsanlage, Methodik und weiterführende Informationen

Die Analysen des Jahrbuchs und der Studien Qualität der Medien
basieren auf folgenden Daten:

Inhaltsanalyse:

Die Bewertung der Berichterstattungsqualität basiert auf einer
Zufallsstichprobe aus dem Jahr 2015. Insgesamt wurden 25–389 Beiträge
aus 64 reichweitenstarken Informationsangeboten aus der
Deutschschweiz, der Suisse romande und der Svizzera italiana
untersucht. Leitend sind dabei die Qualitätsdimensionen Relevanz,
Vielfalt, Einordnungsleistung und Professionalität.

Publikumsbefragungen:

Das fög ist neu Schweizer Partnerorganisation der internationalen
Studie «Reuters Digital News Report». Der jährlich erscheinende
Bericht umfasst Umfragedaten zum Mediennutzungsverhalten des
Publikums in 26 Ländern (über 50–000 Interviews). Zudem liefert eine
seit 2009 vom fög und von GfK Switzerland durchgeführte
repräsentative Befragung Erkenntnisse über die Mediennutzung in der
Schweiz und die Wahrnehmung der Befragten von Themen und Ereignissen.
Schliesslich wurde im Auftrag des Stiftervereins Medienqualität
Schweiz, dem Herausgeber des Berichts «Medienqualitätsrating»
(MQR-16), eine Befragung durchgeführt, die zeigt, wie Mediennutzer
die Qualität von Informationsmedien wahrnehmen. Das fög ist
wissenschaftlicher Partner dieses Projekts.

Kennwerte aus der Medienbranche:

Um die Veränderung der Nutzung, der Finanzierung und der
Besitzverhältnisse von Informationsmedien analysieren zu können,
werden Sekundärdaten wie bspw. Reichweitenmasse und Auflagen
verwendet. Quellen sind WEMF, Net-Metrix, Mediapulse, Media Focus,
die Publikation «Medienbudget» des Verbands Schweizer Medien. Die
Daten zur Viralität auf den Facebook-Seiten der Medienanbieter wurden
mit Hilfe von Netvizz – einer Anwendung zur Datenerfassung und
-gewinnung der University of Amsterdam – erhoben. Weitere Daten zur
Bedeutung des Social-Media-Kanals für Newsmedien (Zuleitungsaspekt)
stammen von similarweb.com.

Weiterführende Angaben zur Methodik, zum Qualitätsverständnis, dem
Qualitätsscoring und zur Finanzierung des Jahrbuchs finden sich auf
www.foeg.uzh.ch/de/jahrbuch.

Jahrbuch 2016 Qualität der Medien – Schweiz Suisse Svizzera

Seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 2010 ist das Ziel des
Jahrbuchs, die Diskussion über die Qualität der Medien zu vertiefen
und zu einer Verbesserung ihrer Qualität beizutragen. Es bildet eine
Quelle für Medienschaffende, Akteure aus Politik und Wirtschaft, für
die Wissenschaft und alle Interessierten, die sich mit der
Entwicklung der Medien und ihren Inhalten auseinandersetzen. Anstoss
für das Jahrbuch ist die Einsicht, dass die Qualität der Demokratie
von der Qualität medienvermittelter Öffentlichkeit abhängt. Durch das
Jahrbuch erhält das Publikum einen Massstab, welchem Journalismus es
sich aussetzen will, die Medienmacher erhalten einen Massstab,
welchen Journalismus sie produzieren und verantworten wollen, und die
Politik erhält Einsicht in die Entwicklung des Medienwesens und in
die Ressourcen, die dem Informationsjournalismus in der Schweiz zur
Verfügung stehen.

Wer zeichnet für dieses Jahrbuch verantwortlich?

Das Jahrbuch wird erarbeitet und herausgegeben durch das fög –
Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität
Zürich (www.foeg.uzh.ch). Neun wissenschaftliche und sieben
studentische Mitarbeitende sind an der Forschung beteiligt und
garantieren die Qualität der Analysen.

Wer finanziert und unterstützt dieses Jahrbuch?

Die Finanzierung des Jahrbuchs wird durch die gemeinnützige Kurt
Imhof Stiftung für Medienqualität (www.kurt-imhof-stiftung.ch) und
die Universität Zürich eingebracht. Der Stiftungsrat setzt sich
zusammen aus: Christine Egerszegi-Obrist, Mark Eisenegger, Barbara
Käch, Yves Kugelmann, Fabio Lo Verso, Dick Marty, Oswald Sigg und
Peter Studer.

Die Stiftung verdankt die Mittel für das Projekt folgenden
Donatoren: Adolf und Mary Mil-Stiftung, BAKOM Bundesamt für
Kommunikation, Die Schweizerische Post AG, Verband Interpharma, Paul
Schiller Stiftung, Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft
AG, Zürcher Kantonalbank und verschiedenen Einzeldonatoren.

Beiträge für die Kurt Imhof Stiftung für Medienqualität können
überwiesen werden auf die Bankverbindung: ZKB Zürich-Oerlikon –
Kontonummer: 1100-1997.531 – Postkonto Bank: 80-151-4, IBAN: CH28
0070 0110 0019 9753 1, Bankenclearing-Nr. 700, SWIFT: ZKBKCHZZ80A.

Wo sind das Jahrbuch, die Studien und weiterführende Informationen
erhältlich?

Das Jahrbuch ist in gedruckter Form (ISBN 978-3-7965-3550-5) und
zusätzlich als E-Book (ISBN 978-3-7965-3551-2) beim Schwabe Verlag
(www.schwabeverlag.ch) erhältlich und erscheint jeweils im Herbst.
Die Studien werden als separate E-Publikationen publiziert und sind
ebenfalls beim Schwabe Verlag erhältlich. Pro Jahr werden ca. 2-3
solcher Studien veröffentlicht.

Pressekontakt:
fög – Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich
Andreasstrasse 15
CH-8050 Zürich
Tel. +41 (0)44 635 21 11
E-Mail kontakt@foeg.uzh.ch
www.foeg.uzh.ch/jahrbuch

Original-Content von: f?g – Forschungsbereich ?ffentlichkeit und Gesellschaft, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 17. November 2016. Filed under Internet. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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