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Vergessen Sie bei der Industrie 4.0 den Mensch 1.0 nicht

Dies ist eine gekürzte Version des Artikels des Event- und Kommunikationsexperten Günter Dull. Den Link zum vollständigen Artikel finden Sie am Ende des Textes.

Vergessen Sie bei der Industrie 4.0 den Mensch 1.0 nicht

Mit geht eine Frage durch den Kopf: Wird Kommunikation durch Digitalisierung gestört oder sogar zerstört? Was macht das Konzept der Industrie 4.0 mit dem Menschen?

Das offensichtlichste Beispiel, dass Kommunikation durch digitale Technik gestört oder zerstört wird, finden wir im privaten Bereich. Ich möchte dabei gar nicht weiter auf den Umgang mit Smartphones und sozialen Netzwerken eingehen. Direkte menschliche Kommunikation „face to face“ wird durch die Nutzung mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets, aber auch durch Notebooks, Laptops und Desktop-Computer gestört, vor allem, wenn die Technik unbewusst genutzt und nicht über die Folgen nachgedacht wird.

Industrie 4.0 ist nichts Neues. Die Bestrebungen und Vernetzungen von Systemen und Maschinen gab es in den 1980 Jahren schon im Rahmen der CIM-Projekte. Ich war in dieser Zeit als an Projekten des Computer-Integrated-Manufacturing beteiligt, bei denen CAD und PPS-Systeme miteinander vernetzt, Abläufe, Transferstraßen, Montageanlagen oder Roboter in 3D-simuliert, Zeichnungsansichten automatisch aus den 3D-Objekten erzeugt, Stücklisten automatisch erzeugt und die Fertigungsdaten direkt an die DNC-Maschinen verschickt wurden. Es gab zwar noch keine WLAN- und RFID-Komponenten, aber die Idee der Integration alle Komponenten war damals schon vorhanden.

Die Grenzen zwischen privat und geschäftlich, bzw. industriell sind fließend. Es gibt keine Abgrenzungen mehr, weder zeitlich, noch räumlich. Die Variabilität der Arbeitsplätze, der Arbeitszeiten, ja sogar der Länder, in denen eine Leistung erbracht wird, ist global. Digitalisierung, und die damit verbundenen Datenströme, kennen keine Grenzen, keine Zeitzonen, keine Zeit. Aufträge werden heute schon im Internet ausgeschrieben und die digitalen Nomaden erledigen diese irgendwo auf der Welt. Meistens der preislich günstigste und/oder der schnellste. Diese digitalen Nomaden schließen sich wieder zu Gruppen zusammen, sogenannten Crowds und bevorzugen es, sich ständig mit neuen Herausforderungen unterschiedlichster Unternehmen und Branchen zu beschäftigen. Crowdworking wird oft schon als „Arbeitsmodell 4.0“ bezeichnet. Mit der Digitalisierung erscheint eine neue, grenzenlose Art der Konkurrenz. Die Linearität und Planungssicherheit geht verloren. Dies scheint alles noch überschaubar, weil wir glauben, wir hätten die Kontrolle. Und wir denken oft nicht an die Konsequenzen, was mit unseren Daten passiert. Im Rahmen von Digitalisierungsvorhaben und Industrie 4.0 gibt es immer wieder viele Fragen bezüglich Datenmissbrauch und Datensicherheit. Diese Angst ist widersprüchlich zum Verhalten im privaten Bereich. Über 90% aller privaten Daten werden nicht durch die großen Datensammler wie Google, Amazon, Facebook und Co. gesammelt, sondern von den Benutzern freiwillig preisgegeben.

Digitalisierung, Industrie 4.0 und IoT beinhalten für den Nutzer unsichtbare Komponenten, die miteinander und über das Internet kommunizieren können. Es findet ein Austausch von Daten statt, ohne dass wir dies merken. Sensoren, Laser, RFID-Chips und Schalter werden Aktionen und Daten sammeln und auswerten. Das Beispiel vom Kühlschrank, der mit dem Internet verbunden ist und selbstständig Lebensmittel bestellt wird gerne zitiert. Das ist jedoch ein recht einfaches Beispiel. Wir tragen Sensoren an den Handgelenken und zeichnen damit unsere Körperfunktionen auf, wir haben Smartwatches die ebenfalls Puls, Temperatur oder Blutdruck messen, es gibt Kleidung, die unsere Körperwärme misst und weiterleitet und Schuhe, die unseren Laufstil analysieren. Es gibt Millionen von Geräten und Datenerfassungskomponenten, die bereits heute weltweit pro Sekunde rund 40 Terabyte an Daten erzeugen, auswerten und weiterleiten. Dies sind pro Tag 3.456.000 Terabyte oder umgerechnet 3456 Petabyte, bzw. rund 3,5 Exabyte. Petabyte und Exabyte sind noch recht ungewohnt. Aber an diese Dezimal-Präfixe werden wir uns gewöhnen, wie auch an die folgenden, die dann Zetta und Yotta heißen.

Einige Teile der digitalen Technik sind sicher und kontrollierbar. Einige Teile sind es nicht. Vor allem ist es die Kommunikation der digitalen Komponenten untereinander, die so umfangreich ist, dass niemand den Überblick hat. Wir haben gerade mal einen einheitlichen Standard für Handy-Ladegeräte geschafft. Milliarden weltweit miteinander vernetzter Komponenten zu koordinieren und zu kontrollieren ist jedoch eine völlig andere Herausforderung. Kommunikation, also der Austausch von Informationen findet auf der digitalen Ebene. Der Mensch nimmt an der Kommunikation 4.0 nicht mehr teil.

Wir müssen Kommunikation neu definieren müssen, da es nicht mehr nur um Mensch-Mensch- oder Mensch-Maschine-Kommunikation gehen wird, sondern auch um Maschine-Maschine-Kommunikation. Im Rahmen der Digitalisierung werden es nicht nur die kleinen Komponenten sein, sondern die Vernetzung mit der dahinterstehenden künstlichen Intelligenz. Um KI-Systeme, um Roboter und die Kombination daraus. Kommunikation muss bei der Schaffung dieser Systeme global betrachtet werden. Für die Japaner zum Beispiel haben auch Geräte und Maschinen eine Seele. Sie verlieben sich in Maschinen, hegen und pflegen sie und glauben auch, dass ein Teil ihrer Seele auf die Maschine übergeht. Ein Smartphone „weiß“ ja einiges von seinem Besitzer. Manchmal mehr, als sein Partner. Es gibt sogar Beerdigungszeremonien für Roboter, obwohl diese eigentlich den Menschen vorbehalten sind. Wir betrachten als Menschen die Maschinen. Wie aber betrachten die Maschinen die Menschen, wenn die KI weit genug fortgeschritten ist? Werden sie die Menschlichkeit verstehen?

Die Entwicklung von digitalen Komponenten und Geräten, die Programmierung, der Einsatz, die Vernetzung und die Kommunikation sind kreative Prozesse. Bis jetzt gibt es keine Maschine mit kreativen Fähigkeiten. Selbst die mächtigsten KI-Systeme arbeiten mit Algorithmen, also definierten Abläufen. Es ist jedoch eine große Stärke des Menschen, vorausschauend zu handeln. Und dies mit einer großen Anzahl sich dauernd veränderter Variablen. Das Wissen und die Erfahrung eines Menschen ist Bestandteil der Kreativität.

Es gilt, Verantwortung zu tragen und die wichtigste Komponente für die Akzeptanz der Digitalisierung zu berücksichtigen: den Menschen. Deshalb werden die Schnittstellen wichtig sein. Bei den Konzepten und bei der Bedienung. Es werden nicht nur Tastaturen, pointing devices oder Touchscreens sein, sondern Spracherkennung, eye-tracker, Gestensteuerung, implantierte Chips oder Transponder, neuronale Schnittstellen oder Bionic-Elemente. Um optimal damit umzugehen, müssen wir die digitale von der humanen Geschwindigkeit trennen. Wir brauchen das Gleichgewicht zwischen Digitalisierung und echtem Leben. Der Mensch muss berücksichtigt und mitgenommen werden. Sonst verstärken sich Ängste und Sorgen. Heute gibt es bereits zahlreiche Menschen mit Depressionen und Burnout, obwohl diese noch nicht einmal 30 Jahre alt und vielleicht noch gar nicht im Berufsleben sind.

Was können wir tun? Industrie 4.0 gibt es noch nicht. Kommunikation 4.0 und Arbeitsmodell 4.0 gibt es auch noch nicht. Wir haben also jetzt die Chance, die Digitalisierung zu nutzen, müssen jedoch aufpassen, dass wir uns selbst aufgrund der vielen digitalen Möglichkeiten dabei nicht vergessen. Die reine Existenz und Nutzung der Technik stört die Kommunikation nicht und stellt auch keine Gefahr dar. Es sind nicht die Digitalisierung und die digitalen Komponenten, sondern die Betreiber der Technik, die die Richtlinien für die Menschen erarbeiten und uns über die Konsequenzen der Nutzung aufklären müssen.

Als Inhaber einer Agentur für Events, Meetings, Teamcoaching und Incentives habe ich seit über 30 Jahren mit Menschen zu tun, schaffe Marktplätze der Begegnung und fördere mit den passenden Kommunikationskonzepten echte Begegnungskommunikation: Die Kommunikation von Menschen mit Menschen. Diese Begegnungskommunikation muss gefördert und geplant werden, da sie aufgrund der nicht mehr vorhandenen Arbeitsplatz- und Unternehmenskultur auf der Strecke geblieben ist. Zehn Mitarbeiter teilen sich einen Arbeitsplatz und arbeiten von zu Hause aus, oft in anderen Ländern. Sie kennen sich nicht persönlich. Ein Betriebsklima ist gar nicht mehr vorhanden. Es ist unbestritten, dass eine Zusammenarbeit von Menschen besser und produktiver funktioniert, wenn sich die agierenden Menschen persönlich kennen. Dieser Kommunikation von Mensch zu Mensch wird meiner Ansicht nach zu wenig oder gar keine Beachtung geschenkt. Selbst bei Events, Kongressen oder Tagungen wird immer mehr auf die Digitalisierung gesetzt. Menschen reisen um die Welt, treffen sich persönlich an einem Tagungsort und hätten dort die Möglichkeit, sich kennenzulernen, auszutauschen und zu kommunizieren. Aber was passiert: Mittels Gamification und Eventtools sitzen die Teilnehmern manchmal stundenlang mit mobilen Geräten vor einem big screen und machen etwas „interaktiv“. Was für eine Ironie. Dies wird nur noch dadurch getoppt, dass Webinare als Event bezeichnet werden. Ein Webinar ist eine gute Möglichkeit für Online-Vorträge, aber es ist kein Event.

Event = Erlebnis. Das ist die Definition. Zu echtem Erleben gehören alle Sinne, Einzigartigkeit und Originalität und der ganze Mensch. Der Mensch 1.0. Er sollte nicht vergessen werden. Die Kommunikation muss ermöglicht und aktiv gefördert werden. Diese Verantwortung liegt beim Unternehmer und sollte einen höheren Stellenwert haben, als Industrie 4.0.

Günter Dull

Den vollständigen Artikel können Sie unter Mensch 1.0 abrufen.

Posted by on 29. April 2017. Filed under Allgemein,Information & TK,Weiterbildung. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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