Tilidin ist ein opioides Schmerzmittel, dessen Missbrauchspotenzial schon kurz nach der Markteinführung in den 1970-Jahren erkannt wurde. Es wird in Form von Tropfen, Kapseln und Tabletten hergestellt. Durch den raschen Wirkungseintritt gilt es in Fällen, wo eine zuverlässige, prompt eintretende Schmerzlinderung angestrebt wird, als unverzichtbares Arzneimittel. Das schnelle Anfluten des Wirkstoffs im zentralen Nervensystem macht Tilidinpräparate für Drogenabhängige interessant. Der Kick wird ähnlich empfunden wie der von Heroin, speziell bei intravenöser Verabreichung. Moderne Zubereitungen enthalten meist den Opioid-Antagonisten Naloxon. Er hemmt die Wirkung Molekülen, die an Opioidrezeptoren andocken. Als Antidot wird Naloxon unter anderem bei Heroinüberdosierungen eingesetzt. Ein normaler Patient bemerkt davon nichts. Erst bei hohen Mengen, wie sie in der Drogenszene üblich sind, entfaltet der Hemmstoff seine Kraft. Der Effekt kommt auch Schmerzpatienten zugute, da er die Gefahr einer versehentlichen Überdosierung vermindert.
Dadurch, dass Tilidin im Normalfall nur noch in Kombination mit Naloxon erhältlich ist, hat es den Reiz für Opioid(-hochdosis-)abhängige verloren. Auf Gelegenheitskonsumenten trifft das allerdings nicht unbedingt zu. Tilidin macht auch mit Naloxon schmerzunempfindlich, euphorisch und kampfbereit. Als illegale Gewaltdroge Nr. 1 ist es ein fixer Bestandteil zahlreicher Polizeiberichte. Gewaltbereite Täter fühlen sich unter dem Einfluss des Medikaments unbesiegbar. Selbstmordattentäter nutzen es, um die für ihre Anschläge erforderliche Kaltblütigkeit zu tanken.
Wie eingangs beschrieben, nimmt die Zahl unregistrierter Onlineapotheken stetig zu. Auf Risiken und Nebenwirkungen wird dort nur selten hingewiesen, das Abhängigkeitspotenzial oft nur am Rande erwähnt. Wer in eine Suchmaschine „Tilidin kaufen“ eingibt, findet tausende Ergebnisse. Der überwiegende Teil besteht aus Kaufangeboten. Zwar ist reines Tilidin sogar auf diesen Seiten selten erhältlich, ein gängiges Markenprodukt wie die bekannten Tilidintropfen von Ratiopharm, findet man jedoch allerorts. Dass die Preise empfindlich höher sind als bei legalen Anbietern, nehmen die Konsumenten angesichts der unbürokratischen Abwicklung in Kauf.
Ärzte und Drogenexperten sehen die freie Verfügbarkeit starker Schmerzmittel mit Besorgnis. Der Umstand, dass man Tilidin so einfach kaufen kann, lässt die Zahl der Abhängigen stetig steigen. Der Beratung abhängiger Klienten wird daher in Zukunft eine noch höhere Bedeutung zukommen als bisher. Als Ausgangspunkt für die Recherche sind im unten verlinkten Original-Artikel die gängigsten Tilidin-Shops aufgelistet (Liste aktualisiert am 27. Juli 2017): https://tilidinkaufenblog.wordpress.com/.