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CeBIT 2006: Kommunikation über das Internet Protokoll sprengt alle Restriktionen

Hannover – Das Zusammenwachsen zwischen Mobil- und Festnetz ist nach Ansicht von Experten der Telekommunikation und Informationstechnik (ITK) zum Greifen nahe. „Ob Festnetz- oder Mobilfunkinfrastruktur – Telefongesellschaften kreieren auf einmal Produkte, bei denen die dahinterliegende Technologie verschwindet. Ohne dass der Kunde es merkt, soll jeweils die beste und preiswerteste Verbindung für Telefon- oder Datenverbindungen zum Einsatz kommen“, schreibt die Wirtschaftswoche. Statt zu Hause, im Büro oder unterwegs mit unterschiedlichen Geräten zu telefonieren, bekomme der Kunden ein Handy, das sich automatisch die beste und günstigste Verbindung aussucht. Das mobile Gerät, mit allen am Markt relevanten Funk- und Festnetz-Techniken bestückt, funktioniere unterwegs wie ein normales Handy, verwandelt sich aber in ein preiswertes Schnurlostelefon, sobald zu Hause, im Büro oder an öffentlichen Hotspots eine Funkverbindung (WLan oder Bluetooth) ins Festnetz zur Verfügung steht, die alle Gespräche direkt ins Internet leitet.

Selbst reine Festnetzgesellschaften könnten dann alle Restriktionen der leitungsgebundenen Telefonie überwinden und den Festnetzanschluss mobil machen: „Das Internet Protocol (IP) als neuer Festnetzstandard ermöglicht Internettelefonate unter einer persönlichen Rufnummer von jedem beliebigen DSL-Anschluss. Und die Funktechnik WLan sorgt dafür, dass dies – etwa zu Hause oder an öffentlichen Hotspots – auch drahtlos funktioniert“, so die Wirtschaftswoche. Die neue Übertragungstechnik sprenge alle Restriktionen: Reine Festnetzgesellschaften treten wie Mobilfunkbetreiber auf. Internetanbieter wie Ebay, Google und AOL können Telefon- wie E-Mail-Dienste künftig auch unterwegs offerieren.

Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte laufen über zwölf Prozent aller internationalen Telefonate aus Deutschland über VoIP, und bereits 14 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen die neue Form der Kommunikation. Tendenz: stark steigend. „Lang galt die Sprachqualität bei (VoIP) als zu schlecht für die Kommunikation von Unternehmen. Die fürchteten, auf Grund schlechter Leitungen haufenweise Kunden zu verlieren oder wochenlang nicht erreichbar zu sein. Bis vor zwei Jahren immer mehr Positivbeispiele die Runde machten. Die Verbindungen waren nicht nur zuverlässig und gut – Firmen, die den Schritt gewagt hatten, sparten dank VoIP auch viel Geld. Zumindest in den Fällen, in denen clever kalkuliert worden war. Zwei Entwicklungen haben in den zurückliegenden Monaten die Verbreitung von VoIP stark vorangetrieben und tun es noch: Erstens sinkt der Preis für schnelle Zugangsleitungen Monat für Monat. DSL-Leitungen, deren hoher Durchsatz ihre Nutzung auch für Telefonie ermöglicht, gibt es zwar schon seit einigen Jahren, aber just in diesen Wochen drückt die wachsende Konkurrenz unter den Anbietern massiv auf die Preise. Zweitens wird die Technik immer nutzerfreundlicher. Vor allem die lange verbreitete Angst, Firmen müssten ihre vorhandene Telefonanlage verschrotten und sich mit komplett neuer Hardware ausstaffieren, ist heute ausgeräumt.

Mit Hilfe so genannter IADs (Integrated Access Devices) lässt sich fast jede handelsübliche ISDN-Telefonanlage für die VoIP-Nutzung aufrüsten. Diese IADs sind nicht teuer, und der damit verbundene Aufwand hält sich in Grenzen. Misstrauische Unternehmenschefs können sich damit beruhigen, dass sich das Ganze wieder rückgängig machen lässt“, führt die Financial Times Deutschland aus. Die Leistungsmerkmale einer klassischen TK-Anlage könnten jetzt viel günstiger realisiert werden. In der Stockholmer Ericsson-Zentrale ist das schon Realität. Statt mit unterschiedlichen Geräten – Festnetztelefon, Handy, Blackberry – am Schreibtisch zu jonglieren, sind die 20 000 Mitarbeiter nur noch über ein Handy erreichbar, das alle Funktionen einer TK-Anlage erfüllt. „Das erhöht die Effizienz“, so Ericsson-Manager Mehdi Schröder gegenüber der Wirtschaftswoche. „Die durchschnittliche Anzahl der Telefone eines Mitarbeiters hat sich von 2,5 auf 1,2 deutlich reduziert.“ Ericsson hatte vorher die Kommunikationsinfrastruktur im eigenen Unternehmen analysiert: 70 Prozent aller Mitarbeiter benutzten bislang neben einem Festnetzanschluss auch ein Mobiltelefon, das bestenfalls per Rufumleitung auch die Anrufe auf das Festnetzgerät empfangen konnte. Dennoch waren Mobilität und Kommunikationsmöglichkeiten des Mitarbeiters beschränkt. Durchwahlnummern oder die Weiterverbindungen zu Kollegen konnte auf diese Art noch nicht genutzt werden, da kein Zugriff auf die Möglichkeiten einer kompletten firmeninternen Telefonanlage möglich war. Hier setzt Ericsson nun an: „Jeder Mitarbeiter ist unter einer einzigen Telefonnummer erreichbar und kann, egal ob er sich im Büro aufhält, bei einem Kundentermin ist oder sich auf Geschäftsreise befindet, jederzeit auf die volle Leistung der firmeninternen Telekommunikationsanlage zugreifen. Neben der Kurzwahl kann der Anwender auch seinen PIM in Echtzeit synchronisieren. Er braucht sich für das Abgleichen seines Kalenders, seiner E-Mails oder Kontakte nicht mehr ins Büro bemühen“, erklärt Schröder.

Die TK-Anlage bleibe dabei das Herzstück der Unternehmenskommunikation. Dabei sei es egal, ob man eine klassische TK-Anlage besitzt oder eine hybride Mischform aus beiden Welt einsetzt, um neue Standorte mit günstigeren IP-Telefonen und Komponenten auszustatten. Investitionen in die bestehende Infrastruktur müssten nicht abgeschrieben werden. „Der bisherige ‚Showstopper’ für diese Entwicklung, zu hohe Mobilfunkgebühren in Deutschland, fällt inzwischen immer weniger ins Gewicht. Die Pauschaltarife in Festnetz und Mobilfunk versprechen mobilen Geschäftsanwendungen endgültig zum Durchbruch. Mobile Arbeitsplätze und Telearbeitsplätze werden nahtlos in die Kommunikation des Unternehmens einbezogen – der Mitarbeiter befindet sich immer und überall ‚virtuell im Firmennetz’ und hat Zugriff auf alle TK-Funktionen“, weiss Schröder.

ITK-Firmen bieten dabei interessante Möglichkeiten, den Technikwechsel vorzunehmen und einen Massanzug für Unternehmen anzubieten. Steht der Voice-over-IP-Rechner beispielsweise beim Netzbetreiber, sprechen die Experten von „Hosted IP-Telefonie“ – also von einem Gastgeber. In der Informationstechnik sind solche Hosting-Modelle längst üblich. „Das Unternehmen bezahlt dabei lediglich die Nutzung der Software. Anschaffung und Installation der Programme entfallen“, berichtet die Rheinische Post. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan steigen die Umsätze für gehostete IP-Telefon-Dienstleistungen in Europa von 436Millionen Euro im Jahr 2003 auf 1,23 Milliarden Euro im Jahr 2008. „Hosted IP-Telefonie bietet Unternehmen kostengünstige Verbindungen über Datennetze, während das Technologie-Risiko vom Dienstleister getragen wird“, so Shomik Banerjee, Analyst bei Frost & Sullivan http://www.frost.com.

Der Stuttgarter IT-Dienstleister Nextiraone http://www.nextiraone.de bestätigt diese Markteinschätzung: Das Port-Preis-Modell erhöhe die Flexibilität gerade für Unternehmen, die sehr schnell wachsen oder sich neuen Geschäftstrends stellen müssen. „Pay-Per-Use“ heisst dabei das Zauberwort: „Bezahlen pro Gebrauch“. Interessant sind sie vor allem für den Mittelstand. „Mehr Flexibilität bei Preisgestaltung, Finanzierung und Service“, so Nextiraone-Geschäftsführer Helmut Reisinger. „Managed Services“ stellen eine weitere Spielart des selektiven Outsourcings dar. Auch hier werden keine kompletten Geschäftsprozesse durch den Anbieter ausgeführt, sondern nur Teilaufgaben. Im Unterschied zum Outtasking sind aber die Systeme nicht im Besitz des Auftraggebers. „Der Kunde mietet die gewünschten Funktionen, zum Beispiel die IT- und TK-Ausstattung des Arbeitsplatzes. Basierend auf Leistungskatalogen und den Service Level Agreements bekommt er die Leistung im definierten Umfang zur Verfügung gestellt. Die Geschäftsprozesse, die er darüber ausführt, liegen weiterhin in seiner eigenen Verantwortung“, spezifiziert Reisinger diesen Dienstleistungstyp. Managed Services gibt es in unterschiedlichen Varianten – für TK-Anlagen, den Betrieb von Netzen, Firewall-Diensten oder Call Center-Anwendungen. Nach Reisingers Erfahrung treffen Managed Services-Verträge genau den aktuellen Trend zum Downsizing von Outsourcing-Projekten: „Kleinere Projekte, flexible Verträge und eine einfache Leistungskontrolle sind dabei die Vorteile. Die Gesamtverantwortung und die Entscheidungskompetenz bleiben beim Kunden. Damit werden die Risiken des umfassenden Outsourcings umgangen und der wirtschaftliche Vorteil der Lösung sichergestellt.“

In zwei Expertenrunden diskutieren Manager der ITK-Branche auf der CeBIT die wichtigsten Trends zur IP-Kommunikation:

Donnerstag, 9. März: Thema: „Massanzug für die Telekommunikation: Bezahlt wird nur, was auch genutzt wird“; Teilnehmer: Omar Khorshed, Vorstandschef der acoreus AG; Helmut Reisinger, Geschäftsführer von NextiraOne Deutschland; Michael-Maria Bommer, Vice President & Managing Director Deutschland, Österreich und Schweiz Genesys Telecommunications Laboratories; Gerhard Otterbach, President Enterprise Services at Siemens Communications; Moderation: Achim Deckert, Chefredakteur des Behörden Spiegels. Halle 9, Stand D28, Uhrzeit: 13 bis 14 Uhr

Freitag, 10. März: Thema: „Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk – Auswirkungen auf den TK-Markt“; Teilnehmer: Mehdi Schröder, Sales Director für das Enterprise-Geschäft bei der Ericsson GmbH Deutschland; Dr. Michael Sander, Geschäftsführer des Beratungshauses Terra Consulting Partner; Johannes Lenz-Hawliczek vom Fachdienst Portel: Bernhard Steimel, Geschäftsführer von Mind Business Consultants. Moderation: Gunnar Sohn, Chefredakteur des Online-Magazins NeueNachricht http://www.ne-na.de/. Halle 9, Stand D28, Uhrzeit: 13 bis 14 Uhr

Eine Meldung vom medienbüro.sohn. Für den Inhalt ist das medienbüro.sohn verantwortlich.

Posted by on 3. März 2006. Filed under Information & TK. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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