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Ergebnisse von Schwarmforschern nicht banalisieren

Toulouse/Berlin, www.ne-na.de – Die Diskussion von Trendforschern und Managementberatern über Schwarmintelligenz ist zur Zeit sehr populär – es droht nach Einschätzung von Experten allerdings nur eine massentaugliche Banalisierung. Naturwissenschaftler, Logistikdienstleister und Wissensmanager warnen davor, die wissenschaftliche Ernsthaftigkeit durch die üblichen Marketingphrasen zu beschädigen. Seriöse Forscher wie der Biologe Guy Theraulaz arbeiten daran, nach dem Vorbild von Ameisenstaaten und Vogelschwärmen komplexe vernetzte Softwaresysteme zu modellieren. „Die Evolution hat Ameisen darauf getrimmt, noch im grössten Chaos einen sinnvollen Weg zu finden“, so Theraulaz, der am Institut für Kognitionsforschung der Universität Paul Sabatier in Toulouse http://www.colloquebioart.org arbeitet. Für Michael Müller, Geschäftsführer der auf After Sales-Dienstleistungen spezialisierten a & o-Gruppe http://www.ao-services.de, sind die wissenschaftlichen Arbeiten von Forschern wie Theraulaz keine Eintagsfliegen, die man trendigen Sprücheklopfern überlassen sollte. „Der französische Verhaltensforscher hat wichtige Erkenntnisse für die Logistikbranche geliefert. Ob in der Biologie oder in Unternehmen, alle logistischen Aufgaben werden von sehr vielen Faktoren beeinflusst“, so Müller. Es sei dabei unmöglich, alle Variablen zu überblicken. „In unserer Branche kann man von Ameisen eine Menge über selbstorganisierende Systeme lernen“, sagt Müller.

Während das Verhaltensrepertoire einer einzelnen Ameise sehr begrenzt sei, agiere der Staat mit seinen Tausenden von Mitgliedern nach erstaunlich intelligenten Mustern. Übertragen auf den Menschen bedeutet das: Individuen flüchten aus der gesichtslosen Masse und organisieren sich mittels mobilen und interaktiven Medien neu – eben zu intelligenten Schwärmen. „Aus der selbstorganisierenden Dezentralität erwachsen wichtige Erkenntnisse für virtuelle Gemeinschaften innerhalb und ausserhalb von Organisationen. Wir müssen den unterschiedlichen Möglichkeiten der Koordination zwischen den Mitgliedern eine grössere Aufmerksamkeit schenken“, fordert Martin Grothe, Geschäftsführer der Complexium GmbH in Berlin http://www.complexium.de, die sich mit Schwarmintelligenz und Social Network Analysis beschäftigt und Anwendungsszenarien für Unternehmen entwickelt.

Virtuelle Gemeinschaften seien Cluster in der vernetzten Gesellschaft. „Sie erzeugen Strukturen in immer feineren Verästelungen. Mit der Methode der Social Network Analysis lassen sich diese Gebilde untersuchen – Muster werden erkannt. Auf dieser Basis müssen wir verstärkt daran arbeiten, den Mitgliedern virtueller Gemeinschaften Werkzeuge in die Hand zu geben und Einblicke zu erschliessen, um ihre Community und ihre eigene Vernetzung besser erkennen zu können“, erklärt Grothe. Virtuelle Gemeinschaften würden gewichtige Orte der Entstehung von neuen Entwicklungen und Trends markieren. „Für Unternehmen und andere Institutionen wird es immer entscheidender, die Fähigkeit zu entwickeln, solche zunächst noch schwachen Signale zu identifizieren, zu bewerten und zu interpretieren“, so Grothe.

Posted by on 24. März 2006. Filed under Information & TK. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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