Cybersecurity-Trends 2026: von Schwachstellenlisten zu echten Risikobewertungen

Kommentar von Thomas Sonne, Channel Sales Director, Outpost24

IT-Sicherheitsverantwortliche stehen auch in diesem Jahr vor einer wachsenden Herausforderung: Die Zahl neu entdeckter Schwachstellen nimmt kontinuierlich zu, während Zeit, Budgets und qualifizierte Fachkräfte begrenzt bleiben. Cloud-Services, hybride Infrastrukturen und komplexe Lieferketten haben die digitale Angriffsfläche deutlich vergrößert und damit auch den Handlungsdruck auf Unternehmen erhöht.

Genau hier tauchen häufig diese Fragen auf: Welche Risiken erfordern sofortiges Handeln, weil sie den Geschäftsbetrieb konkret gefährden, und welche Maßnahmen lassen sich strukturiert und zeitnah einplanen? Diese Fragestellungen zeigen, dass sich Cybersecurity zu einem strategischen Risikomanagement-Thema entwickelt hat. So lassen sich klare Prioritäten setzen, Verantwortlichkeiten definieren und sicherstellen, dass kritische Bedrohungen konsequent adressiert werden.

Priorisierung statt reiner Schwachstellenerfassung

Einzelne Schwachstellenscans können dabei helfen, technische Lücken sichtbar zu machen, liefern jedoch selten eine wirkliche Entscheidungsgrundlage. Immer mehr Unternehmen stellen fest, dass nicht jede Schwachstelle gleich relevant ist. Entscheidend ist, ob eine Lücke erreichbar, ausnutzbar und Teil aktiver Angriffskampagnen ist. Moderne Exposure-Management-Ansätze kombinieren Attack Surface Management, Vulnerability Data und Threat Intelligence zu einem realistischen Gesamtbild – statt zu einer langen Liste theoretischer Risiken.

Identität wird zum Kern moderner Sicherheitsstrategien

Ein zentraler Wandel für 2026 ist die Erkenntnis, dass Identitätssicherheit das Fundament moderner Cybersicherheit bildet. Identity Security wird nicht mehr als isoliertes IT-Thema betrachtet, sondern als strategischer Steuerungsmechanismus für Vertrauen, Zugriff und Risiko im gesamten Unternehmen. Identitäten, sowohl menschliche als auch nicht-menschliche, definieren zunehmend, wer oder was Zugriff erhält und wie Sicherheitsentscheidungen getroffen werden.

Zugangsdaten als bevorzugtes Angriffsziel

Cyberkriminelle verlagern ihren Fokus zunehmend auf kompromittierte Zugangsdaten. Diese können oftmals am schnellsten abgegriffen werden und einen unauffälligen Einstieg in Unternehmensnetzwerke ermöglichen. Besonders in komplexen IT-Landschaften mit Cloud-, Remote- und Drittanbieterzugängen lassen sich legitime Anmeldungen deutlich schwerer erkennen als klassische Exploits. Einfache Passwortregeln und statische Richtlinien reichen hier längst nicht mehr aus. Eine kontinuierliche Überprüfung von Credentials, verbesserte Passwortsicherheit und die Einbindung von Threat Intelligence sind entscheidend. Ergänzt um Multifaktor-Authentifizierung und klar definierte Berechtigungsstrukturen wird Identitätssicherheit zum tragenden Element moderner Cyberabwehr.

Hybride Authentifizierungsmodelle setzen sich durch

Trotz Fortschritten bei Passkeys, biometrischen Verfahren und passwortlosen Konzepten ist klar: Passwörter verschwinden 2026 nicht vollständig. Hybride Modelle setzen sich jedoch immer weiter durch. Hier werden – sofern es technisch möglich ist – moderne Authentifizierungsverfahren eingesetzt, während bestehende Systeme weiterhin auf klassische Zugangsdaten angewiesen bleiben.

Threat Intelligence wird operativ und identitätsbezogen

In diesem Jahr wird Threat Intelligence nicht mehr nur in Reports betrachtet, sondern direkt in operative Sicherheitsentscheidungen eingebunden. Echtzeitinformationen zu kompromittierten Zugangsdaten, aktiven Angriffskampagnen oder neuen Angriffsmustern fließen unmittelbar in Priorisierung, Prävention und Incident Response ein.

Automatisierung und KI: Entlastung mit klaren Grenzen

Künstliche Intelligenz wird sowohl auf Angriffs- als auch auf Verteidigungsseite zum Standard. KI-gestützte Analysen helfen dabei, Muster zu erkennen, Fehlalarme zu reduzieren und Security-Teams zu entlasten. Allerdings kann diese Automatisierung keine menschliche Expertise ersetzen. Auch hier geht der Trend ganz klar zu hybriden Modellen, in denen KI vorfiltert und priorisiert, aber sicherheitskritische Entscheidungen weiterhin von Menschen getroffen werden.

Sicherheit muss skalierbar und flexibel sein

Gefragt sind heute keine isolierten Einzellösungen mehr, sondern skalierbare Sicherheitskonzepte, die sich flexibel an wechselnde Angriffsmuster und wachsende regulatorische Anforderungen anpassen lassen. Gerade starre Lizenzmodelle verlieren dabei zunehmend an Bedeutung, da sie dynamischen IT-Umgebungen nicht gerecht werden. Zukunftsfähige Cybersicherheit zeichnet sich vielmehr dadurch aus, dass Maßnahmen bedarfsgerecht gesteuert, priorisiert und kontinuierlich weiterentwickelt werden können.