In Industrie und kritischen Infrastrukturen (KRITIS) genügt ein einzelner ungesicherter OT-Zugriff, um Produktion oder Versorgung lahmzulegen. Nicht die Technik ist das Problem, sondern Struktur und Zuständigkeit. Während OT Security auf Führungsebene beginnt, liefert ISA/IEC 62443 den auditierbaren Rahmen für Cyberresilienz. Eine klar fokussierte Roadmap zeigt, wie Unternehmen OT-Risiken priorisieren und wirksam absichern, von der Netzwerkarchitektur über Fernzugriffe bis zu klaren Cyber-Sicherheitsregeln für Personal und Partner.
Cyberrisiken in OT-Umgebungen zeigen sich selten als Grossereignis, häufig werden sie erst in kritischen Momenten sichtbar. Ein Beinahe-Vorfall aus der industriellen Praxis verdeutlicht, wie schnell aus stabilen Betriebsabläufen ein ernstzunehmendes Risiko werden kann.
Wenn ein ungesicherter OT-Zugriff die Produktion in Gefahr bringt
«Es lief doch alles.» So hätte man die Lage bei der Firma OT-Maschinenbau [Name von der Redaktion geändert] wohl eingeschätzt. Das Traditionsunternehmen produziert auf modernen Fertigungsstrassen im Dreischichtbetrieb, der Auftragseingang sind gut gefüllt, die Abläufe eingespielt. Nach aussen wirkt der Betrieb stabil, kontrolliert, resilient.
Doch dann passiert es (beinahe)! Ein Angreifer greift über einen unsicheren Remote-Zugang für externe Servicetechniker auf eine Steuerung zu. Glücklicherweise schlägt das Security Monitoring rechtzeitig Alarm, noch bevor ein möglicher Produktionsausfall Schäden in Millionenhöhe verursacht.
«Wir haben gemerkt: IT-Security allein reicht nicht. Unsere Maschinen brauchen ihren eigenen Schutz.»
Für kritische Infrastrukturen und Energieversorger (EVU) wiegt ein missbräuchlicher Zugriff besonders schwer. Hier gefährdet ein Ausfall nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Versorgungssicherheit.
OT Security, die Managementaufgabe
Resilienz in Industrie und kritischen Infrastrukturen ist keine rein technische Frage, sondern eine Führungsaufgabe. Immer mehr Geschäftsführungen entscheiden sich bewusst dafür, OT Security nicht dem Zufall zu überlassen, sondern strukturiert zu steuern. Ausgangspunkt ist eine nüchterne Bestandsaufnahme gemeinsam mit Fachexpert:innen.
So sollte ein Status Quo folgende Fragen beantworten:
Welche Systeme hängen im Netzwerk?
Wo gibt es ungesicherte Schnittstellen?
Welche Risiken bedrohen Produktion und Versorgungssicherheit?
Darauf aufbauend entsteht ein OT-Security-Programm, das auf Security-Hygiene, klaren Verantwortlichkeiten und etablierten Prozessen beruht, anstatt nur punktuelle Schwachstellen zu schliessen.
Roadmap für industrielle Cyber Security nach ISA/IEC 62443
Statt Einzelmassnahmen setzt die OT-Maschinenbau auf eine klare Roadmap, basierend auf ISA/IEC 62443, dem führenden Standard für industrielle Cybersicherheit.
Im Zentrum der Umsetzung stehen drei klar priorisierte Massnahmen:
Segmentierung der Produktionsnetzwerke in klar definierte Sicherheitszonen.
Sichere Fernzugriffe nur über kontrollierte Gateways.
Schulung des OT-Personals und Verpflichtung aller Servicepartner auf klare Sicherheitsregeln.
Der systematische Ansatz nach ISA/IEC 62443 schafft ein dauerhaft tragfähiges Sicherheitsniveau, Resilienz durch Struktur statt Flickwerk.
Wie sich dieser Ansatz in der Praxis umsetzen lässt, zeigt die folgende, entlang des Standards aufgebaute Roadmap: von der ersten Standortbestimmung bis zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der OT-Sicherheit.
So schafft OT-Sicherheit Vertrauen
Heute verfügt die OT-Maschinenbau über ein robustes Sicherheitsniveau, das Risiken nicht nur reduziert, sondern kontrollierbar macht. Sicherheitsvorfälle werden frühzeitig erkannt, eingegrenzt und nachvollziehbar behandelt.
Ein solches Sicherheitsniveau basiert auf drei zentralen Wirkprinzipien:
Mehr Resilienz:Â Angriffe lassen sich abwehren oder rasch isolieren.
Mehr Sicherheit: Audits und Third Party Risk Assessments verlaufen strukturiert, regulatorische Anforderungen werden zuverlässig erfüllt.
Höhere Verlässlichkeit: Kunden, Partner und Behörden sehen, dass das Unternehmen nach klar definierten und hohen Standards arbeitet.
OT-Sicherheit erweist sich damit nicht als Bremse für Geschäft und Produktion, sondern als Voraussetzung für schnellere Abläufe und verlässliche Entscheidungen.Â
Wirtschaftsfaktor OT Security: Handeln, bevor es der Markt erzwingt
In Industrie und kritischen Infrastrukturen entscheidet Resilienz zunehmend über Lieferfähigkeit, Vertrauen und Wettbewerbsposition. ISA/IEC 62443 bietet dafür einen erprobten Rahmen, um OT-Security als kontinuierliches Programm zu etablieren – nicht als einmaliges Projekt.
Wer frühzeitig handelt,
erfüllt regulatorische Anforderungen,
reduziert das Risiko von Betriebsunterbrüchen und Ausfällen,
stärkt das Vertrauen von Kunden, Partnern und Aufsichtsbehörden.
Frühes Handeln erhöht den Reifegrad der OT-Sicherheit. Unternehmen, die industrielle Cyber Security systematisch aufbauen, gewinnen entscheidenden Handlungsspielraum, im Betrieb, gegenüber Aufsichtsbehörden und im Markt, und im Ernstfall auch gegenüber Angreifern.
OT-Sicherheit als Grundlage verlässlicher Betriebsführung
Die InfoGuard OT Security Journey unterstützt Unternehmen dabei, OT-Sicherheit sorgfältig zu planen und wirksam umzusetzen. Im Fokus stehen nicht einzelne Massnahmen, sondern ein belastbares Sicherheitsniveau für Produktions- und Versorgungssysteme, das sich dauerhaft im Betrieb bewährt.
Gerade weil Cyberangriffe auf industrielle Umgebungen zunehmen, zeigt die Praxis: Viele erfolgreiche Vorfälle lassen sich weniger auf fehlende Technologie zurückführen als auf inaktive Sicherheitsfunktionen, unzureichend geschützte Schlüsselkomponenten und eine mangelnde operative Verankerung von Sicherheitsprozessen.
Ein systematisches OT-Sicherheitsprogramm ISA/IEC 62443 adressiert genau diese Schwachstellen und schützt damit nicht nur Maschinen und Anlagen, sondern sichert auch die Handlungsfähigkeit des gesamten Unternehmens; im Tagesbetrieb ebenso wie im Ernstfall. Sprechen Sie mit unseren Fachexpert:innen über Ihre nächsten Schritte.
