Im Zuge des weltweiten Übergangs zu elektrischer und intelligenter Mobilität kamen Automobilhersteller, Zulieferer und Forschende aus China und Europa in Wien zusammen, um über die Zukunft der Antriebstechnologien zu diskutieren. Parallel zum 47. Wiener Motorensymposium (VMS) fand das erstmals ausgerichtete China SAE Global Mobility Forum (CGMF) statt, an dem über 270 Branchenakteure – darunter Vertreterinnen und Vertreter von OEMs, Hochschulen und politischen Institutionen – teilnahmen. Bei der von der China Society of Automotive Engineers (China SAE) und der Österreichischen Gesellschaft für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK) gemeinsam ausgerichteten Veranstaltung wurde ein technischer Konsens angestrebt und nach gemeinsamen Lösungen für nachhaltige Antriebe gesucht.
Gemeinsamer Appell für offene Zusammenarbeit im Automobilsektor
Professor Bernhard Geringer, Präsident der ÖVK, äußerte sich ausgesprochen zuversichtlich über die Vertiefung der technischen Zusammenarbeit zwischen China und Europa. Hou Fushen, Vizepräsident und Generalsekretär der China SAE, skizzierte die aktuelle Lage und die sich abzeichnenden Chancen im chinesischen Automobilsektor. „Die Bedeutung des CGMF liegt nicht darin, eine einseitige Geschichte zu erzählen, sondern darin, als gleichberechtigte Partner an der globalen technischen Regulierung mitzuwirken“, erklärte er. „Unsere Aufgabe hier besteht darin, Erkenntnisse zu teilen, von fortschrittlichen globalen Erfahrungen zu lernen und gemeinsam nach Lösungen für die nachhaltige Transformation der Automobilindustrie zu suchen.“
Als Reaktion auf den globalen Wandel mobilisierte die China SAE mehr als 2.000 Branchenexperten, um die „Technologie-Roadmap für Energieeinsparung und New-Energy-Fahrzeuge 3.0“ (Roadmap 3.0) zu erarbeiten. Dieser im Oktober 2025 veröffentlichte maßgebliche Leitfaden bietet der chinesischen Automobilindustrie bis 2040 einen strategischen Orientierungsrahmen, der auf folgenden Kernperspektiven beruht:
?Festgelegter Zeitplan für die Dekarbonisierung: Die CO?-Emissionen des chinesischen Automobilsektors werden voraussichtlich um das Jahr 2028 ihren Höchststand erreichen. Bis 2040 wird eine Reduzierung um mehr als 60 % gegenüber diesem Höchstwert angestrebt.
?Marktexpansion und Ziele für intelligente Mobilität: Bis 2040 werden Chinas jährliche Automobilproduktion und -verkäufe voraussichtlich 41 Millionen Einheiten erreichen. Die Marktdurchdringung von New-Energy-Fahrzeugen dürfte im Pkw-Bereich über 85 % und im Nutzfahrzeugbereich über 75 % liegen. Darüber hinaus ist die flächendeckende Einführung von autonomer Fahrtechnologie der Stufe 4 (L4) in Neufahrzeugen vorgesehen.
?Bekenntnis zu vielfältigen technologischen Pfaden: Die Roadmap betont, dass Verbrennungsmotoren während des Branchenwandels eine wichtige Antriebsquelle bleiben werden. Bis 2040 dürften Modelle mit Verbrennungsmotor noch etwa ein Drittel aller neu verkauften Pkw ausmachen.
Technischer Einblick: Experten diskutieren die neuesten Entwicklungen in der Antriebstechnik
Den Vorsitz des Forums hatte Professor Xu Xiangyang von der Beihang-Universität inne, während Professor Uwe Dieter Grebe von der TU Wien als Co-Vorsitzender fungierte.
Professor Xu Xiangyang von der Beihang-Universität gewährte einen eingehenden Einblick in die technischen Durchbrüche, die in Chinas „Roadmap 3.0“ für hocheffiziente Antriebe dargelegt sind. Dr. Stephan Neugebauer, Vorsitzender von ERTRAC, unterstrich die strategische Notwendigkeit von „Technologieneutralität“ als Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Aus industrieller Perspektive präsentierte Zhu Yongqing, Chefingenieur von GWM, den skalierbaren Hi4-Antrieb für alle Einsatzszenarien, während Lukas Walter, COO von AVL List, die Auswahllogik für globale Antriebslösungen analysierte. Den Abschluss bildete Zhang Guiqiang, Senior Director von Li Auto, der die neueste Range-Extender-Plattform der nächsten Generation seines Unternehmens vorstellte.
Während der von Professor Grebe moderierten Podiumsdiskussion erörtete Wang Ruiping, Senior-Vizepräsidentin der Geely Auto Group, gemeinsam mit den weiteren Referentinnen und Referenten eingehend die technologischen Unterschiede und industriellen Synergien zwischen China und Europa.
Konsenspunkte: Bekenntnis zu Technologieneutralität und KI-gestützter Effizienzsteigerung
Die Fachleute waren sich einig, dass Technologieneutralität und ein breites Spektrum technologischer Ansätze unabdingbar für einen reibungslosen globalen Übergang sind. Gestützt auf die „Roadmap 3.0“ strebt die chinesische Automobilindustrie an, Referenzlösungen für die weltweite Dekarbonisierung bereitzustellen. Zudem vereinbarten beide Seiten, Künstliche Intelligenz gezielt zur Effizienzsteigerung einzusetzen und der Kreislaufwirtschaft Vorrang einzuräumen, um ein geschlossenes Geschäftsökosystem zu etablieren.
Förderung langfristiger Zusammenarbeit für eine nachhaltige Zukunft
Die strategische Positionierung des CGMF ist klar und eindeutig: Es ist keine einseitige Werbeplattform, sondern vielmehr eine Brücke für den globalen Technologiedialog, der auf Augenhöhe und offen geführt wird. Seine Mission besteht darin, die chinesische und die europäische Automobilindustrie im Kontext des Übergangs zur Klimaneutralität zu komplementären Stärken und gemeinsamem Erfolg zu führen.
Über die China Society of Automotive Engineers (SAE)
Die 1963 gegründete China SAE fungiert als wichtige Brücke zwischen der chinesischen Industrie und dem globalen Innovationsnetzwerk, indem sie strategische Forschung betreibt, die Politikgestaltung unterstützt und den wissenschaftlichen Austausch, gemeinsame Innovation sowie die Normungsarbeit fördert.
