Künstliche Intelligenz hat den Sprung von der Zukunftsvision in den industriellen Alltag längst geschafft. Während KI zunächst vor allem in Bereichen wie Datenanalyse, Automatisierung oder Softwareentwicklung eingesetzt wurde, erreicht sie zunehmend auch die Konstruktion und technische Berechnung. Für viele Unternehmen stellt sich inzwischen nicht mehr die Frage, ob KI im Engineering genutzt wird, sondern wie.
Dabei geht es längst nicht nur um Effizienzsteigerung. Die eigentliche Herausforderung vieler Entwicklungsabteilungen liegt an anderer Stelle: Technisches Wissen ist vorhanden, steht aber oft nicht genau dann zur Verfügung, wenn es benötigt wird.
Wenn Wissen zum Engpass wird
In der Praxis werden Berechnungsprogramme häufig projektbezogen genutzt. Zwischen zwei Anwendungen liegen nicht selten Wochen oder Monate. Viele Konstrukteurinnen und Konstrukteure kennen die Situation:
Welche Norm ist in diesem Fall anzuwenden?
Welche Randbedingungen müssen berücksichtigt werden?
Wie war der korrekte Berechnungsablauf?
Welche Sicherheitsnachweise sind erforderlich?
Selbst erfahrene Ingenieure investieren regelmäßig Zeit, um sich erneut in Methoden und Werkzeuge einzuarbeiten. Gleichzeitig verändert sich die Erwartungshaltung einer neuen Generation von Fachkräften. Wissen wird zunehmend situativ abgerufen, statt dauerhaft auswendig gelernt.
Hier entstehen neue Anforderungen an Engineering-Software: Sie soll nicht nur rechnen, sondern auch beim Verstehen, Einordnen und Anwenden unterstützen.
KI als Wissensschnittstelle
Genau an diesem Punkt setzen moderne KI-Assistenten an. Anders als klassische Hilfesysteme liefern sie keine statischen Handbuchseiten, sondern beantworten konkrete Fragen direkt im Arbeitskontext.
Anstatt Dokumentationen zu durchsuchen oder Kollegen zu konsultieren, erhalten Anwender unmittelbare Unterstützung zu Normen, Berechnungsmethoden oder Softwarefunktionen. Das reduziert Einarbeitungszeiten, beschleunigt Arbeitsabläufe und schafft Freiräume für die eigentliche Ingenieurarbeit.
Besonders interessant wird dieser Ansatz dort, wo komplexe Regelwerke wie die VDI 2230, FKM-Richtlinie oder Druckgerätenormen zur Anwendung kommen. Gerade hier können KI-gestützte Assistenzsysteme helfen, Zusammenhänge verständlicher zu machen und typische Fehlerquellen frühzeitig zu erkennen.
Wissenssicherung wird zum strategischen Thema
Neben der täglichen Unterstützung rückt ein weiterer Aspekt zunehmend in den Fokus: der Erhalt von Wissen innerhalb von Unternehmen.
Viele Engineering-Abteilungen stehen vor einem Generationswechsel. Wertvolle Erfahrungswerte verlassen mit ausscheidenden Mitarbeitenden häufig das Unternehmen. Gleichzeitig werden Produkte, Prozesse und Normen immer komplexer.
KI-Systeme eröffnen hier neue Möglichkeiten. Sie können dazu beitragen, vorhandenes Wissen strukturiert nutzbar zu machen und langfristig verfügbar zu halten. Damit entwickeln sich Assistenzsysteme von reinen Hilfswerkzeugen zu strategischen Instrumenten des Wissensmanagements.
Datensicherheit als entscheidender Faktor
Mit der zunehmenden Nutzung von KI wächst allerdings auch die Bedeutung von Datenschutz und Datenhoheit. Besonders in der Industrie spielen sensible Entwicklungsdaten, Berechnungsergebnisse und Konstruktionsinformationen eine zentrale Rolle.
Deshalb setzen viele Unternehmen auf KI-Lösungen, die innerhalb bestehender Engineering-Umgebungen betrieben werden und auf validierten technischen Daten basieren. Nur wenn Herkunft, Qualität und Nachvollziehbarkeit der Informationen sichergestellt sind, kann KI im technischen Umfeld dauerhaft Akzeptanz finden.
Die nächste Entwicklungsstufe: Der Co-Engineer
Aktuelle KI-Assistenten unterstützen vor allem bei Verständnisfragen, Normenrecherche und der Bedienung von Software. Die Entwicklung geht jedoch deutlich weiter.
Künftig werden Systeme nicht nur Fragen beantworten, sondern aktiv bei der Vorbereitung von Berechnungen unterstützen, geeignete Modelle vorschlagen, Ergebnisse interpretieren und Ingenieure bei Entscheidungsprozessen begleiten.
Der Schritt vom digitalen Assistenten zum digitalen Co-Engineer ist damit keine theoretische Zukunftsvision mehr, sondern zeichnet sich bereits heute ab.
Praxisbeispiel: aiven in MDESIGN
Wie ein KI-Assistent bereits heute in der technischen Berechnung eingesetzt wird, zeigt aiven, der neue KI-Assistent innerhalb von MDESIGN. Der Chatbot unterstützt Anwender direkt bei Berechnungen, Normen und methodischen Fragestellungen und wurde seit seiner Einführung bereits tausendfach genutzt.
Der vollständige Fachbeitrag zeigt die technologischen Grundlagen, konkrete Anwendungsbeispiele sowie die Perspektiven KI-gestützter Engineering-Prozesse.
Zum vollständigen Artikel: Wie aiven Konstrukteure im Alltag unterstützt und warum KI-Assistenten die Zukunft des Engineerings prägen
