Intermine Solutions: Münchner Mining-Anbieter wächst fast ausschließlich über Empfehlungen

Intermine Solutions: Münchner Mining-Anbieter wächst fast ausschließlich über Empfehlungen

Die meisten Unternehmen entstehen aus einer Geschäftsidee. Die Intermine Solutions GmbH entstand aus Ärger.

Matthieu Winckel und Alexander Meier kennen sich von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg. Nach dem Studium trennten sich ihre Wege – Meier ging ins Banking, Winckel in E-Commerce. Was sie Jahre später wieder zusammenbrachte, war eine gemeinsame Erfahrung als Kunden: Beide hatten Rechenkapazität für Kryptowährungen bei externen Anbietern betreiben lassen, und beide waren mit dem Ergebnis unzufrieden.

„Bei meinem damaligen Anbieter hatte ich viele Probleme“, sagt Winckel. „Ich habe gemerkt, dass es vielen anderen Kunden ähnlich geht. Und uns war klar: Das können wir doch besser selber machen.“

Zunächst ging es nur um die eigenen Geräte und die von Bekannten. Doch die Nachfrage kam schneller als geplant: Der erste Standort war innerhalb eines Monats komplett ausgelastet – ohne Werbebudget, über Weiterempfehlungen. Bis heute läuft das Neukundengeschäft nach Unternehmensangaben fast ausschließlich über Empfehlungen.

Sogenanntes Mining – die Bereitstellung von Rechenleistung zur Absicherung von Blockchain-Netzwerken – rechnet sich in Deutschland wegen der Strompreise praktisch nicht. Intermine betreibt deshalb Standorte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Oman, in Äthiopien und in Finnland.

„Abu Dhabi wurde in den letzten Jahren zur sichersten Stadt der Welt gewählt – das ist ein großer Vorteil für uns und unsere Kunden“, sagt Winckel. „Gepaart mit günstigen Stromkonditionen und einem interessanten Strommix, in dem viel auf Solar gesetzt wird. In Äthiopien setzen wir stark auf Wasserkraft.“
Die Spannweite ist dabei bewusst gewählt: Finnland steht für kühle Umgebungstemperaturen und europäische Rechtssicherheit, die Golfregion für Energiekosten, Äthiopien für Wasserkraft. Für Kunden ist die Verteilung zugleich Risikomanagement – sie können ihre Geräte über mehrere Länder und Standorte streuen, statt alles an einen Ort zu hängen. Fällt an einem Standort Strom oder Internet aus, betrifft es nur einen Teil des Bestands. Die vereinbarten Stromkosten sind für die gesamte Vertragslaufzeit garantiert.

Während viele Rechenzentren erst ab mehreren hundert Kilowatt Anschlussleistung Gespräche führen, nimmt Intermine Kunden ab einem einzigen Gerät auf. Die Pauschale liegt bereits beim ersten Gerät unter 6,9 Cent pro Kilowattstunde und schließt Stellplatz, Wartung, Reinigung und Monitoring ein; mit steigender Stückzahl staffelt sie sich nach unten.

„Wir haben keine Mindestabnahmemenge“, sagt Winckel. „Der Kunde kann mit einer einzigen Maschine starten. Das ist ein Signal: Wir vertrauen auf unseren Service. Er kann klein anfangen und später erweitern.“

Welches Gerät sinnvoll ist, hängt dabei stark vom Einzelfall ab. „Es ist wie beim Auto“, erklärt Winckel. „Wer viel in der Stadt fährt, braucht ein anderes Auto als jemand, der Langstrecke fährt.“ Ein Betreiber einer Photovoltaikanlage, der seinen Strom nach geänderter Einspeisevergütung selbst verbrauchen will, komme zu einer anderen Wahl als jemand, der zum Marktpreis einkauft. Als freier Händler ohne Herstellerbindung führt Intermine Geräte von Bitmain, MicroBT, Canaan, IceRiver, Goldshell und weiteren Anbietern.

Was das Unternehmen von größeren Wettbewerbern unterscheiden soll, ist der direkte Draht. Support läuft über ein eigenes Dashboard, über das Kunden ihre Geräte in Echtzeit einsehen und Störungen direkt an die Techniker vor Ort melden können.

„Der Kunde bekommt einen Kaufvertrag und einen Hostingvertrag – deutsches Vertragswerk, schwarz auf weiß“, sagt Winckel. „Er bekommt die Seriennummern seiner Geräte. Er kann uns jederzeit anrufen. Für uns ist das nicht Kundenservice, das ist Partnerschaft, aber ohne Knebelklauseln“, so Winckel. „Wenn ein Kunde Probleme hat, setzen wir uns persönlich mit ihm zusammen und finden eine Lösung.“

Reparaturen vor Ort und auch in Deutschland statt Rückversand nach Asien

Intermine repariert Hashboards, Netzteile und Kühlsysteme auch in Europa – sogar an Geräten, die nicht beim Unternehmen gekauft wurden. Vor jeder Reparatur steht eine Diagnose mit verbindlichem Angebot, vor dem Rückversand eine Funktionsprüfung unter Last. Für Betreiber bedeutet das Ausfallzeiten von wenigen Tagen statt Wochen.

Das Ziel: größter deutscher Anbieter – ohne sich zu verändern

Die Ambition formuliert Winckel offen: „Wir wollen der größte Mining-Anbieter Deutschlands werden. Und wir sind auf einem guten Weg dahin. Aber wir wollen dabei so bleiben, wie wir sind.“

Was das heißt, macht er an einem ungewöhnlichen Punkt fest – der Bereitschaft, Geschäft abzulehnen: „Unser Ziel ist Qualität vor Wachstum. Wenn es nicht passt, lehnen wir auch Geschäfte ab. Denn wir stehen mit unserem Namen dahinter.“