Wenn in PARIS die bunten Papageien mit der KI…

Wenn in PARIS die bunten Papageien mit der KI…

Erinnert ihr euch noch an RIKO? Dieses große Projekt vom ITZBund, bei dem wir von virtual7 fleißig mitarbeiten und somit dafür sorgen, dass aus den enormen Warenströmen diejenigen Vorgänge herausgefiltert werden, bei denen eine Kontrolle besonders sinnvoll erscheint. Damit unterstützen wir das Zollkriminalamt bei der sogenannten Risikoanalyse und helfen dabei, Schmuggelware, Produktfälschungen oder andere verbotene bzw. gefährliche Waren aufzuspüren.

Ein bisschen romantisiert und bildlich heruntergebrochen: Stellt euch ein Zoll-Männchen (Heinz) vor, das in seinem Turm am Hamburger Hafen sitzt und auf dem Computer ganz viele Schiffe mit ganz vielen Containern verfolgt. Bei einem der Container (BLA U 123456 7) wird unser Heinzelmann mittels der Software darauf hingewiesen, dass hier ein erhöhtes Risiko vorliegt. Er geht also mit seiner Taschenlampe auf das Schiff, macht den Container auf und findet eine Tonne gefälschter Gucci-Taschen, die er beschlagnahmt. Erfolgreicher Arbeitstag, gut gemacht, Heinz.

Nun kann man sich fragen: Wäre es nicht schlau, mögliche Risiken schon zu erkennen, bevor die Ware überhaupt in Deutschland ankommt? Also die Informationen, die über eine Sendung bereits vor ihrer Ankunft vorliegen, automatisiert zu prüfen? Dann weiß Heinz im besten Fall schon frühzeitig, welche Sendungen besondere Aufmerksamkeit verdienen.

Stellt sich heraus: Genau dafür gibt es ein Projekt, das seit 2018 mit Unterstützung von virtual7 weiterentwickelt wird. Es nennt sich PARIS und steht für Pre Arrival Risk Analysis System – also ziemlich genau das, was wir eben angesprochen haben.

Puh, 2018, könntet ihr jetzt sagen, das ist aber lange her. Gibt es da nicht etwas Neues? Ja, richtig! Es ist ein neues Akronym entstanden. Es nennt sich ARAS und steht für Advanced Risk Analysis System. Das ist also was für Fortgeschrittene. Und so bunt die namensgebenden Papageien sind, so umfangreich ist die Leistung von ARAS.

Denn tatsächlich übernimmt ARAS PARIS nicht einfach 1:1, sondern erweitert die Risikoanalyse unter anderem um flexiblere Risikoregeln, phonetische Suche, ein Scoring mit einem Schadensmodell und einem neuronalen Netz.

Um das aufzuklären: Phonetische Suche bedeutet hier zum Beispiel, dass man nach einem Herrn Meier sucht, der sich dreisterweise immer anders schreibt. Mal steht da Maier, dann wieder Meyer oder Mayer. Eine reine Textsuche kann solche Varianten übersehen. Eine phonetische Suche erkennt dagegen, dass die Namen verdächtig ähnlich klingen, und kann einen entsprechenden Hinweis liefern.

Und dann kommt noch die KI ins Spiel. ARAS sucht nicht nur nach Auffälligkeiten, sondern kann auch bewerten, wie relevant ein Vorgang sein könnte. Dafür fließen die mögliche Schadenshöhe und die berechnete Wahrscheinlichkeit eines Risikos in ein Scoring ein (also Risiko = Schadenshöhe x Eintrittswahrscheinlichkeit). Bei der Wahrscheinlichkeitsberechnung kommt ein selbstlernendes neuronales Netz zum Einsatz. So können besonders kritische Vorgänge gezielter priorisiert werden.

Dass wir uns im weltweiten Handel inzwischen nicht mehr ausschließlich auf Heinz verlassen können, zeigen auch die Dimensionen, für die PARIS ursprünglich konzipiert wurde. Bereits bei der Einführung ging das Zollkriminalamt von rund 91 Millionen Einfuhrsendungen jährlich aus, die einer Sicherheitsrisikoanalyse unterzogen werden mussten. Ein Volumen, das sich nicht mehr manuell von nur einem Zoll-Männchen mit Taschenlampe bewältigen lässt.

Die KI nimmt Heinz seine Arbeit also nicht ab. Sie hilft ihm vielmehr dabei, in einer gewaltigen Menge von Vorgängen diejenigen zu finden, bei denen sich ein genauerer Blick lohnt. Die automatisierte Risikoanalyse und die Arbeit der Zoll-Männchen und -Frauchen ergänzen sich: Die Software filtert, bewertet und priorisiert – und der Mensch prüft, entscheidet und kontrolliert dort, wo es notwendig ist.

Und Heinz? Der kann sich währenddessen um die wirklich verdächtigen Container kümmern und muss nur die Batterien für die Taschenlampe hin und wieder aufladen. Akkus, natürlich. Gut gemacht, Heinz!