Die Weichen für die Versorgung der Landwirtschaft im kommenden Frühjahr werden in den nächsten Monaten gestellt. Die angekündigte Auszahlung der Mittel als Hektarprämie entfaltet aus Sicht des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) jedoch nicht die notwendige Lenkungswirkung für frühzeitige Düngemittelkäufe. Für die Betriebe bleibt es deshalb entscheidend, ihren Düngemittelbedarf für das nächste Frühjahr rechtzeitig abzusichern. Denn die Krise kann die Energie- und Düngemittelmärkte weiter belasten und im Frühjahr zu höheren Kosten führen. Frühzeitige Einlagerungen und Vorkontrahierungen helfen, Preis- und Versorgungsrisiken zu begrenzen. Die deutschen und europäischen Hersteller können die dafür erforderlichen Mengen bereitstellen.
Die Erfahrungen des vergangenen Jahres zeigen, wie wichtig frühzeitige Kaufentscheidungen in geopolitisch unsicheren Zeiten sind. Als die Schließung der Straße von Hormus die Märkte verunsicherte, waren bereits rund 80 Prozent der benötigten Düngemittelmengen verkauft oder vorkontrahiert. Dadurch konnten europäische Produzenten die Landwirtschaft zuverlässig versorgen und stabilisierend auf den Markt wirken.
Für die kommende Saison sprechen die Signale erneut für frühzeitige Vorsorge. Der weitere Aufbau europäischer Gasreserven dürfte die Energiemärkte zusätzlich belasten. Für die energieintensive Düngemittelproduktion bedeutet dies steigende Kosten und ein erhöhtes Risiko höherer Düngemittelpreise im Frühjahr.
„Die Ankündigung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, die EU-Düngemittelhilfen als Hektarprämie auszuschütten, entfaltet nicht die notwendige Lenkungswirkung. Damit wird das ursprüngliche Ziel des europäischen Fertiliser Action Plan verfehlt, Landwirte beim Kauf von Düngemitteln zu unterstützen. Für die Betriebe bleibt es deshalb wichtig, ihren Bedarf für das nächste Frühjahr frühzeitig abzusichern. Dafür wäre jetzt eine Finanzhilfe für den direkten Kauf sinnvoll. Denn die Krise kann die Kosten für Energie und Düngemittel weiter erhöhen“, erklärt IVA-Hauptgeschäftsführer Frank Gemmer.
Viele landwirtschaftliche Betriebe verfügen derzeit nicht über die notwendige Liquidität, um Düngemittelbestände für die kommende Saison rechtzeitig aufzubauen. Genau hier hätte eine zielgerichtete Düngemittelhilfe ansetzen können. Unabhängig von der Entscheidung bleibt es für die Betriebe wichtig, frühzeitig einzukaufen und sich auf mögliche Kostensteigerungen und Marktverwerfungen vorzubereiten.
Nach Auffassung des IVA hätten die knappen Mittel der Agrarreserve dort eingesetzt werden sollen, wo sie die größte Wirkung für die Versorgung der Landwirtschaft im nächsten Frühjahr entfalten: bei der Unterstützung frühzeitiger Düngemittelkäufe und Einlagerungen. Die deutschen und europäischen Düngemittel-Hersteller sind bereit und in der Lage, die Nachfrage der Landwirtschaft zu bedienen. Entscheidend ist nun, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Betriebe die Versorgung ihrer Flächen für das Frühjahr frühzeitig planen können.
Der Industrieverband Agrar e. V. (IVA) vertritt die Interessen der Hersteller von Betriebsmitteln für einen nachhaltigen Pflanzenbau in Deutschland. Die 46 Mitgliedsunternehmen engagieren sich in den Bereichen Pflanzenschutz, Pflanzenernährung, Pflanzenzüchtung, Biostimulanzien und Schädlingsbekämpfung. Die vom IVA vertretene Branche bietet innovative Produkte für eine moderne Landwirtschaft, professionellen Gartenbau und verantwortungsvolle Privatanwendung.
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