Detmold – Viele Coaching-Unternehmen haben Marketing, Vertrieb und Kundenbetreuung in den vergangenen Jahren digitalisiert. Nach Einschätzung des Unternehmers und Funnelbox-Gründers Jesko Becker beginnt nun die nächste Entwicklungsstufe: Statt einzelne Aufgaben mit Software und Automationen zu verbinden, sollen spezialisierte KI-Agenten zunehmend komplette Arbeitsabläufe übernehmen.
„Die entscheidende Veränderung besteht nicht darin, dass Unternehmen jetzt ChatGPT verwenden können“, sagt Becker. „Spannend wird es dort, wo KI nicht mehr nur auf Fragen antwortet, sondern Informationen aus verschiedenen Unternehmensbereichen versteht, Entscheidungen vorbereitet und konkrete Aufgaben übernimmt.“
Vom Software-Stack zum System aus KI-Agenten
Gerade bei wachsenden Coaching-Unternehmen entstehen laut Becker häufig ähnliche Engpässe. Neue Leads müssen qualifiziert, Verkaufsgespräche vorbereitet, Interessenten nachverfolgt, Kundentermine ausgewertet und bestehende Kunden betreut werden. Gleichzeitig wächst mit jedem zusätzlichen Mitarbeiter die Zahl der Übergaben und internen Kommunikationswege.
KI-Agenten könnten künftig einzelne Rollen innerhalb dieser Prozesse übernehmen. Ein Agent kann beispielsweise Informationen zu einem Interessenten aus dem CRM zusammenführen und einem Vertriebsmitarbeiter die wichtigsten Punkte vor einem Gespräch bereitstellen. Andere Systeme können Gesprächsinhalte auswerten, Folgeaufgaben erkennen oder den Fortschritt bestehender Kunden dokumentieren.
Becker sieht darin vor allem einen Unterschied zu klassischen Automationen. Während diese meist nach festen Wenn-dann-Regeln funktionieren, sollen KI-Agenten zusätzlich unstrukturierte Informationen wie Gesprächstranskripte, Nachrichten oder Dokumente interpretieren können.
Erfahrung aus dem eigenen Coaching- und Softwaregeschäft
Becker beschäftigt sich seit 2015 mit digitalen Geschäftsmodellen. Er baute zunächst ein eigenes B2C-Coaching-Unternehmen auf und erzielte damit Umsätze im siebenstelligen Bereich. Für seine Verkaufsleistung wurde er in die Digistore24 Hall of Fame aufgenommen.
Später verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Beratung und technologische Infrastruktur anderer Coaching- und Online-Unternehmen. Aus den dabei beobachteten Herausforderungen entstand Funnelbox, eine Plattform für Marketing, Vertrieb, CRM und Kundenkommunikation, die insbesondere auf die Anforderungen von Coaches und digitalen Dienstleistungsunternehmen ausgerichtet ist.
Die Entwicklung von klassischer Marketing-Automatisierung hin zu KI-Agenten bezeichnet Becker als konsequente Fortsetzung dieser Arbeit.
„Ein Coaching-Unternehmen hat nicht automatisch ein Skalierungssystem, nur weil es zwanzig verschiedene Softwaretools verwendet“, erklärt Becker. „Entscheidend ist, ob Informationen durch das Unternehmen fließen und ob daraus zuverlässig die richtigen nächsten Schritte entstehen.“
Unternehmenswissen wird zur Grundlage
Eine zentrale Voraussetzung für leistungsfähige KI-Agenten ist nach Beckers Einschätzung die Qualität des verfügbaren Unternehmenswissens. Ein Agent könne nur dann sinnvoll handeln, wenn er beispielsweise Angebote, Zielgruppen, Vertriebsprozesse, interne Richtlinien und Kundenhistorien im richtigen Kontext berücksichtigen könne.
Deshalb gehe die Entwicklung zunehmend in Richtung eines zentralen „Company Brain“: einer strukturierten Wissensbasis, auf die unterschiedliche spezialisierte Agenten zugreifen können.
Für Coaching-Unternehmen könnte dadurch eine neue technische Infrastruktur entstehen. Statt jede weitere Wachstumsstufe hauptsächlich durch zusätzliche Mitarbeiter und zusätzliche Software abzubilden, könnten wiederkehrende Wissens-, Analyse- und Koordinationsaufgaben zunehmend durch KI-Systeme übernommen werden.
Becker erwartet, dass sich dadurch auch die Rolle von Unternehmern verändert: „KI ersetzt nicht die strategische Verantwortung des Unternehmers. Sie kann aber einen erheblichen Teil der operativen Informationsarbeit übernehmen. Genau dort liegt für wachsende Coaching-Unternehmen ein großer Hebel.“
