Viele Unternehmen haben Strategien – aber kein klares Zukunftsbild

Viele Unternehmen haben Strategien – aber kein klares Zukunftsbild

Darmstadt – In vielen Unternehmen wird intensiv an Strategien, Kennzahlen und Maßnahmen gearbeitet. Dennoch erleben Führungskräfte im Alltag eine zunehmende Unsicherheit bei Entscheidungen. Ein wesentlicher Grund dafür liegt nicht im Mangel an Informationen, sondern im Fehlen eines klaren Zukunftsbildes.

„Strategien beantworten die Frage nach dem Wie“, sagt Tom Hill, Gründer der Darmstädter Strategie- und Kommunikationsberatung Viewfromthehill. „Ein Zukunftsbild beantwortet die Frage nach dem Wofür. Ohne diese Orientierung bleiben selbst gute Strategien im Alltag wirkungslos.“

Nach Beobachtung Hills verfügen viele Führungsteams über umfangreiche Analysen, Marktstudien und Zielsysteme. Was jedoch häufig fehlt, ist ein gemeinsam getragenes Bild davon, wie das Unternehmen in einigen Jahren aussehen soll – jenseits von Umsatzkennzahlen und Projektplänen. Entscheidungen werden dadurch komplexer, langsamer und konfliktreicher.

Ein Zukunftsbild unterscheidet sich dabei bewusst von klassischen Vision-Statements. Es ist kein Leitbild für die Website, sondern ein konkreter, anschlussfähiger Zielhorizont, der im Alltag Orientierung bietet. „Wenn mehrere Optionen möglich sind, hilft kein weiterer Report“, so Hill. „Dann hilft ein klares Bild davon, wofür man angetreten ist.“

Gerade im Mittelstand, wo operative Verantwortung und strategische Entscheidungen oft eng miteinander verwoben sind, kann ein fehlendes Zukunftsbild zu dauerhafter Überlastung führen. Führung wird reaktiv, statt gestaltend. Mitarbeitende verlieren Orientierung, obwohl fachlich vieles richtig gemacht wird.

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Zukunftsbild ist daher weniger ein Kreativprozess als ein Klärungsprozess. Sie zwingt Führungskräfte dazu, Prioritäten zu setzen, Annahmen zu überprüfen und Entscheidungen an einem gemeinsamen Maßstab auszurichten.