Wohnimmobilien in Deutschland haben im zweiten Quartal 2026 real an Wert verloren. Das zeigt der Kaufpreisindex GREIX (German Real Estate Index), den das Kiel Institut für Weltwirtschaft am 6. August 2026 veröffentlicht hat. Inflationsbereinigt lagen alle drei Segmente unter dem Vorjahresquartal: Eigentumswohnungen um 2,1 Prozent, Einfamilienhäuser um 0,7 Prozent und Mehrfamilienhäuser um 5,9 Prozent. Nominal waren Eigentumswohnungen laut Index im selben Vergleich 0,4 Prozent und Einfamilienhäuser 1,9 Prozent teurer, Mehrfamilienhäuser dagegen 3,5 Prozent billiger. Die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen betreibt einen Marktplatz, auf dem Tippgeber Verkaufshinweise an geprüfte Makler weitergeben, und ordnet die Zahlen im November 2026 für private Verkaufsentscheidungen ein.
Wie der Kaufkraftverlust den nominalen Preisanstieg bei Wohnimmobilien aufzehrt
Der GREIX beruht auf notariell beglaubigten Kaufpreisen aus den Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse in 25 Städten und Regionen. Der Unterschied zwischen nominaler und realer Rechnung ist laut Kiel Institut mehr als eine Rechengröße. Bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern stiegen die Kaufpreise in Euro gegenüber dem Vorjahr, allerdings schwächer als die allgemeine Teuerung. Wer verkauft, erzielt nominal einen höheren Preis, kann sich von diesem Betrag aber weniger leisten als vor einem Jahr. Bei Mehrfamilienhäusern kommen beide Effekte zusammen; wegen der geringen Zahl an Verkäufen solcher Häuser ist die Aussagekraft nach Angaben des Instituts jedoch eingeschränkt.
Auch der Vergleich mit dem Vorquartal fällt laut GREIX gemischt aus. Nominal stiegen die Preise für Eigentumswohnungen im zweiten Quartal 2026 um 0,3 Prozent, real gaben sie um 0,9 Prozent nach. Einfamilienhäuser legten nominal um 1,8 Prozent und als einziges Segment auch real um 0,6 Prozent zu. Mehrfamilienhäuser verloren nach dem Index nominal 0,9 Prozent und real 2,0 Prozent.
„Ein Verkaufspreis, der auf dem Papier steigt und in der Kaufkraft sinkt, ist für Eigentümer eine unbequeme Nachricht. Gerade deshalb lohnt der nüchterne Blick auf den Zeitpunkt, statt auf die nächste Rekordzahl zu warten. Wer einen Verkaufswunsch im Bekanntenkreis kennt, hilft am meisten, wenn dieser Wunsch früh bei einem Makler ankommt, der den örtlichen Markt kennt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
Warum mehr Eigentumswohnungen verkauft werden, obwohl ihre Realpreise fallen
Die Zahl der Transaktionen steigt nach Angaben des Kiel Instituts seit mehreren Quartalen. Im ersten Quartal 2026 wechselten laut GREIX 9,3 Prozent mehr Wohnungen den Besitzer als ein Jahr zuvor, das Transaktionsvolumen lag um 12,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Bei Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern blieb die Marktaktivität weitgehend unverändert, Verkaufszahlen und Volumen lagen jeweils leicht unter dem Vorjahr. Die vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal 2026 sprechen laut Institut für einen weiteren Zuwachs bei Eigentumswohnungen, allerdings in merklich langsamerem Tempo.
Wie stark der Markt über Mengen statt über Preise reagiert, beschreibt das Kiel Institut in seiner Analyse GREIX Insight vom 19. August 2026. Zwischen Anfang 2022 und Mitte 2023 stieg der Hypothekenzins mit mehr als zehn Jahren Zinsbindung laut der Analyse von knapp 1,5 auf 3,9 Prozent. Zwischen dem vierten Quartal 2021 und dem ersten Quartal 2023 fiel die Zahl der Transaktionen nach GREIX um 30 Prozent, die Preise gaben im selben Zeitraum nur um rund 15 Prozent nach. Seit 2024 erholt sich der Markt bei praktisch unveränderten Zinsen, bleibt aber nach Angaben des Instituts unter dem Niveau von vor der Zinswende.
Welche großen Städte bei Eigentumswohnungen auseinanderlaufen
Fünf der acht größten Städte hatten laut GREIX zur Veröffentlichung am 6. August 2026 bereits Werte für das zweite Quartal gemeldet. Gegenüber dem Vorquartal veränderten sich die Preise für Eigentumswohnungen dort wie folgt:
Düsseldorf: plus 1,2 Prozent
Köln: plus 0,1 Prozent
Leipzig: minus 0,1 Prozent, nahezu unverändert
Frankfurt am Main: minus 0,6 Prozent
Stuttgart: minus 1,6 Prozent
Für Berlin, Hamburg und München lagen im August 2026 laut Kiel Institut noch keine aktuellen Werte vor. Außerhalb der großen Städte stiegen die Preise für Eigentumswohnungen nach dem Index in Bonn um 2,8 Prozent, in Münster um 2,1 Prozent und in Dortmund um 1,9 Prozent. In Bochum lagen sie laut GREIX 0,5 Prozent unter dem Vorquartal.
Was Verkäufer mit jedem neuen GREIX-Quartalswert im Blick behalten sollten
Als Frühindikator wertet der GREIX Preisanpassungen in Inseraten der VALUE-Marktdatenbank aus. Über 45 Quartale von 2015 bis 2026 zeigt sich laut Kiel Institut: Nehmen die Preisnachlässe in Inseraten gegenüber dem Vorjahr zu, fällt das jährliche Preiswachstum im folgenden Quartal meist schwächer aus. Vor der Zinswende passten nach der Analyse vom 19. August 2026 in allen Segmenten rund 14 Prozent der Anbieter ihren Angebotspreis während der Vermarktung an. Bis Ende 2023 stieg dieser Anteil laut GREIX Insight in den unteren drei Vierteln des Marktes auf 27 bis 29 Prozent, im obersten Viertel nur auf 22 Prozent. Im hochwertigen Segment fiel die Zahl der Transaktionen je Inserat laut GREIX Insight um 60 Prozent, im unteren Qualitätssegment um 47 Prozent.
Für Eigentümer, die einen Verkauf erwägen, folgt daraus eine praktische Reihenfolge. Sie vergleichen zuerst die eigene Preisvorstellung mit den Werten ihrer Stadt im GREIX, der seine Daten frei zugänglich veröffentlicht, und rechnen den Vorjahresabstand mit der Teuerung gegen. Danach zählt, wie lange vergleichbare Inserate bereits laufen und ob ihre Angebotspreise gesenkt wurden. Ob sich der reale Rückgang bei Eigentumswohnungen fortsetzt und ob die Preisnachlässe in den Inseraten weiter zunehmen, zeigen die jeweils nächsten Quartalswerte, die das Kiel Institut auf greix.de und in seinen Meldungen veröffentlicht.
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