Immobilienpreise driften auseinander: Eigentumswohnungen auf dem Land 3,6 Prozent teurer, Häuser in denselben Kreisen 0,8 Prozent billiger

Immobilienpreise driften auseinander: Eigentumswohnungen auf dem Land 3,6 Prozent teurer, Häuser in denselben Kreisen 0,8 Prozent billiger

Wer über den Verkauf einer Immobilie nachdenkt, findet in der amtlichen Statistik keine Antwort mehr auf die einfachste Frage. Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen die Preise für Wohnimmobilien im ersten Quartal 2026 um durchschnittlich 1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal; gegenüber dem Vorquartal betrug der Anstieg 0,3 Prozent. Veröffentlicht wurden die Zahlen am 25. Juni 2026.

Hinter diesem Mittelwert stehen gegenläufige Bewegungen. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen verteuerten sich Eigentumswohnungen um 3,6 Prozent, während Ein- und Zweifamilienhäuser in denselben Kreisen 0,8 Prozent an Wert verloren. Zwischen beiden Gebäudearten liegen dort 4,4 Prozentpunkte.

Für einen einzelnen Eigentümer heißt das: Der brauchbare Hinweis kommt selten aus einer Statistik und meist aus der Nachbarschaft. Die Provimedia GmbH aus Bietigheim-Bissingen betreibt dafür einen Marktplatz für Immobilien-Empfehlungen, auf dem Privatpersonen eine ihnen bekannte Verkaufsabsicht an geprüfte Makler weitergeben und bei einem Abschluss beteiligt werden.

Der Durchschnitt beschreibt keinen Markt mehr

Ein bundesweiter Index fasst Regionen zusammen, deren Immobilienpreise sich gegenläufig entwickeln. Bei Eigentumswohnungen legten die sieben größten Städte um 0,3 Prozent zu, kreisfreie Großstädte außerhalb dieser Gruppe dagegen um 2,9 Prozent. In dicht besiedelten ländlichen Kreisen gaben dieselben Objekte um 0,4 Prozent nach.

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern kehrt sich das Bild um: Dort führen die sieben Metropolen mit 1,4 Prozent, gefolgt von den kreisfreien Großstädten mit 1,2 Prozent. Wer aus dem Gesamtindex auf den eigenen Fall schließt, kann sich um mehrere Prozentpunkte irren — und zwar in beide Richtungen.

„Ein Eigentümer fragt nie, wie sich der Markt entwickelt hat. Er fragt, was sein Haus in seiner Straße wert ist — und genau darauf antwortet ein Bundesindex nicht“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was die Erhebung im Einzelnen ausweist

Laut der Pressemitteilung Nr. 219 des Statistischen Bundesamtes vom 25. Juni 2026 ergibt sich folgendes Bild:

Wohnimmobilien insgesamt: 1,4 Prozent über dem Vorjahresquartal, 0,3 Prozent über dem Vorquartal.

Eigentumswohnungen in dünn besiedelten ländlichen Kreisen: 3,6 Prozent über dem Vorjahresquartal.

Eigentumswohnungen in kreisfreien Großstädten außerhalb der sieben größten: 2,9 Prozent.

Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten: 0,3 Prozent, in dicht besiedelten ländlichen Kreisen minus 0,4 Prozent.

Ein- und Zweifamilienhäuser: 1,4 Prozent in den sieben größten Städten, 1,2 Prozent in kreisfreien Großstädten, minus 0,8 Prozent in dünn besiedelten ländlichen Kreisen.

Ein Index misst Verkäufe, keine Angebote

Der Häuserpreisindex beruht auf tatsächlich beurkundeten Kaufverträgen. Er sagt damit, was bezahlt wurde — nicht, was gefordert wird, und auch nicht, wie viele Objekte überhaupt am Markt waren.

Zu beachten ist außerdem eine methodische Änderung: Das Amt hat den Index im Juni 2026 auf das Basisjahr 2025 umgestellt. Solche Umstellungen erfolgen etwa alle zehn Jahre und verändern die Indexstände, nicht die Veränderungsraten.

Woran sich der eigene Fall bemisst

Die Werte für das zweite Quartal 2026 legt das Statistische Bundesamt im weiteren Jahresverlauf vor.

Für Eigentümer bleibt die Reihenfolge entscheidend: zuerst der Kreistyp, dann die Gebäudeart, dann die Lage in der Gemeinde. Wer nur den Bundeswert kennt, kennt die Richtung der Immobilienpreise, nicht aber die Größenordnung — und verhandelt wird über die Größenordnung.

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