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Handlungsempfehlung 12. März 2021: Schwere Sicherheitslücken im Exchange-Server gefährden Ihren IT-Betrieb

Die remote ohne Authentisierung ausnutzbaren Sicherheitslücken (in allen Versionen von Exchange) sind inzwischen publiziert; bei Ausnutzung der Sicherheitslücken können alle Mails gelesen und Programme ausgeführt werden. Die 4 Sicherheitslücken werden von mehr als 10 kriminellen Unternehmen seit November 2020 gezielt ausgenutzt – seit Ende Februar automatisiert. Das BSI warnt vor den (Bedrohungsstufe 4 ‚Sehr hoch‘ eingestuften) Sicherheitslücken seit dem 3. März.

Was ist zu tun?

Unseren Kunden empfehlen wir die folgenden 9 Schritte:

1. Informieren Sie zeitnah die Unternehmensleitung über die Brisanz der Angriffe (offen sind etwa 25.000 Exchange Server in Deutschland – ca. 200.000 weltweit) und die möglichen Folgen – entsprechend den offiziellen BSI-Hinweisen[1][2]. Die Angriffe ermöglichen den Angreifern den Einbau von Backdoors nicht nur in Exchange sondern in allen Ihren Systemen. Zwar sind einige Backdoors bekannt – allerdings gibt’s weitere, die noch nicht veröffentlicht sind!

2. Überprüfen Sie den Update-Stand auf allen Ihren Systemen bzw. bringen Sie Ihre Systeme auf den jüngsten Stand. Dies ist Voraussetzung für alle weiteren Aktivitäten. Allerdings beendet das (unverzichtbare!) Patchen nicht den Angriff, wenn Backdoors eingebaut wurden.

3. Setzen Sie zeitnah beide Prüfroutinen[3] von Microsoft ein, um zu sehen, ob Sie angegriffen wurden. Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter die dazu notwendigen Zugriffs- und Ausführungsrechte erhalten. Diese Angriffsprüfung ist Pflicht für deutsche Behörden.

4. Trennen Sie bitte spätestens dann Ihre Systeme vom Internet, wenn die Prüfroutinen zeigen, dass die Sicherheitslücken bei Ihnen ausgenutzt wurden, d.h. dass Sie erfolgreich angegriffen wurden. Sie müssen davon ausgehen, dass seit November Backdoors in Ihre Systeme eingebaut wurden, die seitdem beliebig ausgenutzt werden konnten und zukünftig weiterhin können, ohne dass Sie es bemerken.

5. Setzen Sie zeitlich parallel Exchange-Server völlig neu auf und spielen Sie das jüngste Backup ein. Schalten Sie diese(n) Server ans Internet und nehmen den üblichen Betrieb auf. Damit erreichen Sie eine kleinst-mögliche Downtime.

6. Kontrollieren Sie unbedingt den ein- und ausgehenden Verkehr auf verdächtige Aktivitäten wie unberechtigte Kommunikation. Trennen Sie die IT-Systeme sofort wieder vom Internet, wenn sich Verdachtsmomente ergeben. Hier können die Scripte von Microsoft auch wiederholt eingesetzt werden sowie weitere[4].

7. Forensische Untersuchungen:
– Untersuchen Sie forensisch die Exchange-Server auf weitere Angriffsspuren.
-Untersuchen Sie alle IT-Systeme, die im Intranet mit den Exchange-Servern verbunden waren auf verdächtige Aktivitäten – insbesondere auf Backdoors.

8. Wir sind uns im Klaren darüber, dass durch das Abschalten erhebliche Kosten und ggf. Schadensersatzforderungen entstehen können – sind aber zu der Überzeugung gelangt, dass nur das Abschalten Manipulationen an Daten und Software (Sabotage) und Kopieren von Daten und Software (Spionage) verhindern kann. Informieren Sie Kunden, Partner und Mitarbeiter über diesen Schritt und begründen ihn. Stellen Sie sich ein auf intensive Diskussionen und halten Sie Ihre Unternehmensleitung informiert. Die Angreifer sind nicht die immer noch kolportierten Schüler und Studenten, sondern Unternehmen mit 20 bis über 100 ausgewiesenen Fachleuten; von dieser Art Unternehmen gibt es weltweit mehr als 200.

9. Beachten Sie die gesetzliche Meldepflicht nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gegenüber den Datenschutz-Aufsichtsbehörden. Soweit personenbezogene Daten betroffen sind und ein Risiko für die Rechte und Freiheiten von Betroffenen besteht, sind Sie gesetzlich verpflichtet, den Vorfall binnen 72 Stunden ab Kenntnisnahme an die zuständige Datenschutz-Aufsichtsbehörde zu melden. Soweit der Vorfall voraussichtlich zu einem hohen Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen führt, sind zudem die betroffenen Personen unverzüglich zu informieren. Bei Verstößen gegen diese Bestimmungen drohen erhebliche Geldbußen.

Irrelevant ist Identität und Nationalität der angreifenden Unternehmen! Dass die Angriffe Programm-gesteuert (automatisiert) durchgeführt werden, steigert allerdings die Wahrscheinlichkeit, zu den Opfern zu gehören.

Wir unterstützen Sie bei allen Sicherheitsfragen. Bitte sprechen Sie uns an.
Datenschutz: Dipl.-Jur. Karsten Böhm Geschäftsführer PRIVACY ONE GmbH Boehm@Privacy.ONE
Cybersecurity: Prof. Dr. Hartmut Pohl Geschäftsführer softScheck GmbH Hartmut.Pohl@softScheck.com

[1] https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Alle-Meldungen-News/Meldungen/Livestream_Exchange_Schwachstelle_110321.html
[2] https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Informationen-und-Empfehlungen/Empfehlungen-nach-Angriffszielen/Server/Microsoft-Exchange_Schwachstelle/schwachstelle_exchange_server_node.html
[3] https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Cyber-Sicherheit/Vorfaelle/Exchange-Schwachstellen-2021/MSExchange_Schwachstelle_Detektion_Reaktion.pdf?__blob=publicationFile&v=3
[4] https://checkmyowa.unit221b.com

Posted by on 15. März 2021. Filed under Management. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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