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Design Thinking? Unbedingt, aber bitte richtig!

1. Juni 2021 – Das Schlagwort „Design Thinking“ weckt oft falsche Erwartungen. Komplexe Probleme, so die Suggestion, könne die Methode rasend schnell lösen. Ganz so einfach ist es aber nicht. Design Thinking braucht Zeit.

Von Tom Pauly*

Zu den vielen Technologien und Methoden, die durch das allgegenwärtige Digitalisierungs-Buzzword-Bingo unter die Räder kommen, zählt auch Design Thinking. So preisen Veranstalter immer wieder ihre „Design-Thinking-Workshops“ an und suggerieren, innerhalb kürzester Zeit die Lösung eines Problems herbeizuführen. Entstanden sind diese Workshops vermutlich aus dem hohen Innovationsdruck heraus, unter dem Unternehmen heute stehen – und der von den Medien noch zusätzlich angeheizt wird.

Ganz so einfach ist es aber nicht. Design Thinking ist ein Mix aus Mindset und Methoden, die Unternehmen und Entwickler konsequent anwenden müssen, um am Ende erfolgreich zu sein. In einem einzigen Workshop lassen sich maximal wenige Etappenziele des gesamten Design-Thinking-Prozesses erreichen. Die Teilnehmer können beispielsweise Meinungen zusammenführen, Ideen auswählen oder Bewertungen vornehmen; aber sicher sind sie nicht in der Lage, den kompletten Problemlösungsprozess zu verstehen, geschweige denn umzusetzen. Diese Art losgelöste „High Speed“-Workshops sind deshalb – mit Verlaub – blanker Unsinn.

So sollten die Beteiligten zunächst erst einmal Zeit in das Problemverständnis investieren. In den allermeisten Fällen wissen sie zu Beginn nämlich noch sehr wenig über die komplexen Zusammenhänge ihres Vorhabens. Treffen sie gleich zu Beginn Entscheidungen, ohne die mehrdeutige Natur ihres Problems zu kennen, laufen sie Gefahr, falsche Entscheidungen zu treffen. Sie sind dann oft richtungsweisend, schwer zu korrigieren und verursachen hohe Kosten. Um das zu verhindern, sind bei der Einordnung und Formulierung des Problems Sorgfalt und Tiefe erforderlich – und durchaus wiederholte Anläufe.

Ein weiterer entscheidender Aspekt des Design Thinking ist Empathie. Die Beteiligten müssen ein Problem in aller Regel aus mehreren Perspektiven betrachten – etwa aus den Blickwinkeln der unterschiedlichen Stakeholder heraus. Diese Empathie muss entwickelt werden und das braucht Zeit – mehr Zeit als ein Zwei-Stunden-Workshop.

Dasselbe gilt für Iterationen. Im Design Thinking gelten Ideen als weder gut noch schlecht, solange Unternehmen sie nicht validiert haben. Für eine neue Softwarelösung beispielsweise sollten sie deshalb einen Prototypen erstellen und von echten Usern testen lassen. Dadurch haben sie die Chance, rechtzeitig Indikatoren dafür zu erhalten, wenn sie mit ihrer Idee auf dem Holzweg sind, sich deshalb von ihr verabschieden und noch einmal neu ansetzen sollten. Auch das nimmt natürlich Zeit in Anspruch. Und es verlangt Offenheit und die Bereitschaft loszulassen. Diese Fähigkeit bringen von Haus aus nur die allerwenigsten mit. Sie müssen sie erst lernen.

Design Thinking bietet ein riesiges Potenzial. Das gilt vor allem für das Lösen von mehrdeutigen Problemen, auf die es mehrere Blickwinkel gibt. Dieses Potenzial lässt sich aber nur ausschöpfen, wenn man das Mindset und die Methoden des Design Thinking richtig anwendet. Das bedeutet ein notweniges Investment. Mit ein paar Stunden ist es nicht getan.

*Tom Pauly ist Digital Transformation Director @ Client Innovation EMEA bei Pegasystems

Dieser Kommentar kann auch unter www.brandmacher.de/presseinformationen/2 abgerufen werden.

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