Kommentar von Thomas Sonne, Channel Sales Director, Outpost24
Die Cyberkriminalität entwickelt sich nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ weiter: Cyberkriminelle nutzen wiederholbare, industrialisierte Angriffs-„Playbooks“, um ihre Ziele effizienter zu erreichen, und setzen zunehmend auf Identitätsdiebstahl und automatisierte Angriffe. Diese Entwicklung stellt die IT-Verantwortlichen und -Security vor neue Herausforderungen, die weit über klassische Cybersicherheitsstrategien hinausgehen.
Trends, Risiken und Handlungsschwerpunkte
Ransomware-Gruppen professionalisieren ihre Angebote im Rahmen von „Ransomware-as-a-Service“ (RaaS), um so vermehrt Opfer zu erreichen – inklusive Attacken, die Daten allein zu Erpressungszwecken entwenden, ohne unbedingt Verschlüsselung einzusetzen. Zugleich adaptiert eine neue Generation von Angreifern – junge, finanziell motivierte Gruppen – klassische Taktiken wie Social Engineering und Credential Abuse in großem Umfang.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die zunehmende Bedeutung von identitätszentrierten Angriffen und dem Verkauf gestohlener Zugangsdaten. Diese Credentials ermöglichen Angreifern Account Takeover, Session Hijacking und Folgeangriffe auf Unternehmensnetzwerke.
Diese Trends stellen die Praxis vor drei entscheidende Anforderungen:
-Resilienz statt reine Prävention: Unternehmen müssen davon ausgehen, dass Angreifer bereits im Netzwerk sind („assume breach“), und ihre Detektions- und Reaktionszeiten drastisch verkürzen.
-Identität und Zugriff als primäre Schutzebene: Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), kontinuierliche Überwachung von Zugriffsereignissen und konsequente Kontrollen bei Passwort- und Sitzungsänderungen werden zu zentralen Verteidigungsmaßnahmen.
-Schnelle Patch- und Schwachstellenreaktion: Die Zeit zwischen Bekanntwerden einer Schwachstelle und ihrer Ausnutzung schrumpft weiter – effektive Prozesse zur Priorisierung und Behebung von Schwachstellen sind Pflicht.
In der Praxis heißt das: Sicherheitsteams müssen ihre Strategien von reaktiven Ansätzen hin zu proaktiven, risikobasierten Modellen weiterentwickeln. Umfassende Sichtbarkeit über die gesamte digitale Angriffsfläche, automatisierte Risikoerkennung und eine stärkere Einbindung von durch Threat Intelligence gestütztem digitalem Risikomanagement sollten daher zu den Grundpfeilern der Cybersicherheit im Unternehmen gehören.
Ausblick: Sicherheit neu denken
2026 markiert einen Wendepunkt in der Cyberabwehr. Cyberkriminelle werden nicht nur intelligenter, sondern auch resilienter. Unternehmen, die diese Entwicklungen ignorieren, riskieren nicht nur Betriebsstörungen, sondern auch massive Reputations- und wirtschaftliche Schäden. Eine konsequente Ausrichtung auf Identitäts- bzw. Zugriffssicherheit, schnelle Reaktionsmodelle und fortlaufende Risikoanalyse wird daher in diesem Jahr essenziell sein.