3D-Scanner in der Fertigung: Der Maschinenbauverband erwartet für 2026 wieder ein Umsatzplus von 3 Prozent in der europäischen Bildverarbeitung

3D-Scanner in der Fertigung: Der Maschinenbauverband erwartet für 2026 wieder ein Umsatzplus von 3 Prozent in der europäischen Bildverarbeitung

Die europäische Bildverarbeitungsindustrie rechnet für das Jahr 2026 mit einem Umsatzplus von 3 Prozent. Laut der Fachabteilung Machine Vision im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) wäre das die erste Zunahme nach drei Jahren mit rückläufigen Erlösen. Der Verband veröffentlichte die Prognose am 28. April 2026 auf Grundlage seiner jährlichen Marktbefragung. Bei 3D-Scannern entscheidet die Lichtquelle über die erreichbare Auflösung: Geräte mit Messtechnik auf Basis blauer Laserquellen arbeiten mit kürzerer Wellenlänge und reagieren weniger empfindlich auf Fremdlicht.

Woran sich die Entwicklung der Bildverarbeitung im Jahr 2025 ablesen lässt

Das abgelaufene Geschäftsjahr fiel nach Angaben des VDMA in den einzelnen Segmenten sehr verschieden aus. Die Investitionszurückhaltung in Europa belastete vor allem das Geschäft mit kompletten Anlagen, während Bauteile und Baugruppen bereits wieder gefragt waren. Die folgenden Werte stammen aus der aktuellen Verbandsumfrage:

Gesamtumsatz der europäischen Bildverarbeitungsindustrie 2025: minus 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Komponentenhersteller 2025: plus 4 Prozent

Machine-Vision-Systeme 2025: minus 6 Prozent

Absatzregion Europa: minus 6 Prozent

Absatzregion Nordamerika: plus 9 Prozent

Absatzregion Asien: plus 3 Prozent

Prognose für das Gesamtjahr 2026: plus 3 Prozent

Die Fachabteilung Machine Vision vertritt nach eigenen Angaben mehr als 120 Unternehmen, die Komponenten und Systeme für industrielle und nichtindustrielle Anwendungen liefern.

Warum Komponenten wachsen, während komplette Systeme verlieren

Komponenten und Systeme folgen unterschiedlichen Investitionsrhythmen. Kameras, Sensoren, Objektive und Beleuchtungen werden laufend nachgekauft und ausgetauscht; eine komplette Messzelle dagegen steht am Ende eines Investitionsprojekts, das ein Unternehmen verschieben kann. Genau dieser Unterschied erklärt laut VDMA die Spreizung zwischen plus 4 und minus 6 Prozent im Jahr 2025.

Für die dreidimensionale Messtechnik hat das eine praktische Folge. Wer ein bestehendes Verfahren um eine Erfassung der Geometrie erweitert, kauft zunächst Sensorik und Software, nicht eine neue Anlage. Der Einstieg verschiebt sich damit vom Großprojekt hin zur Ergänzung vorhandener Arbeitsplätze.

Die Robotik- und Automationsbranche in Deutschland steht dabei unter stärkerem Druck als die Bildverarbeitung insgesamt. Nach Angaben des VDMA-Fachverbands Robotik + Automation sank der Branchenumsatz 2025 um 7 Prozent; für 2026 erwartet der Verband ein weiteres Minus von 5 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Veröffentlicht wurde diese Prognose am 24. Februar 2026.

Wo dreidimensionale Erfassung heute außerhalb der Fabrikhalle stattfindet

Optische Messsysteme haben die Produktionshalle längst verlassen. Der VDMA verweist darauf, dass Bildverarbeitung zunehmend auch außerhalb des Fabrikumfelds eingesetzt wird, etwa in Logistik, Landwirtschaft und Bauwesen. Die Anforderungen ändern sich dabei grundlegend: Statt einer klimatisierten Messzelle steht das Gerät auf einer Baustelle, bei wechselndem Licht und ohne feste Bezugsebene.

Ein typischer Fall ist das Aufmaß bestehender Tragwerke. Wenn eine Stahlkonstruktion ergänzt oder ertüchtigt werden soll, weicht die gebaute Geometrie regelmäßig von der Planung ab, und jede Abweichung kostet in der Vorfertigung Zeit. Wie dreidimensionale Aufmaße im Stahlbau organisiert werden, hängt deshalb weniger am Gerät als an der Frage, wie die Punktwolke anschließend mit dem Konstruktionsmodell abgeglichen wird.

„Die Zahlen des Verbands beschreiben keinen Nachfrageeinbruch bei der Technik, sondern eine verschobene Reihenfolge. Erst wird ergänzt, was schon steht, und erst danach wird neu gebaut“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie sich die Genauigkeit von 3D-Scannern überhaupt vergleichen lässt

Herstellerangaben zur Genauigkeit sind ohne Prüfvorschrift nicht vergleichbar. Für optische Systeme mit flächenhafter Antastung gibt es dafür eine eigene Regel. Herausgegeben haben sie der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). Blatt 2 der Richtlinie VDI/VDE 2634 beschreibt Annahme- und Bestätigungsprüfungen samt der dafür nötigen Prüfkörper und gilt für Systeme, die nach dem Triangulationsprinzip arbeiten; die aktuelle Fassung stammt aus dem Jahr 2012.

Geprüft werden dabei nicht Marketingwerte, sondern nachvollziehbare Kenngrößen an definierten Körpern, etwa Abweichungen beim Antasten, beim Kugelabstand und bei der Ebenheit. Ein Wert ohne Angabe des Prüfverfahrens und des Messvolumens sagt daher wenig darüber aus, was ein Gerät im eigenen Einsatzfall leistet.

„Eine Genauigkeitsangabe ohne Prüfkörper und Messvolumen ist eine Zahl ohne Maßstab. Zwei Geräte mit identischer Angabe können im Betrieb weit auseinanderliegen“, ergänzt Weipprecht.

Was die Weltleitmesse in Stuttgart im Oktober 2026 zeigen soll

Die nächste Standortbestimmung der Branche steht kurz bevor. Die Messe Vision findet nach Angaben der Landesmesse Stuttgart vom 6. bis 8. Oktober 2026 statt und gilt als Weltleitmesse für Bildverarbeitung. Der VDMA verbindet mit dem Messejahr die Erwartung, dass die Investitionsbereitschaft in Europa der bereits positiven Nachfrage aus Nordamerika und Asien folgt.

Für Anwender bleibt der September 2026 damit ein guter Zeitpunkt, offene Anforderungen zu sortieren. Wer vor einer Anschaffung steht, klärt zuerst Material, Bauteilgröße und Messvolumen und erst danach die Bauart des Sensors. Welche Geräteklasse dazu passt, lässt sich auf der Messe im Oktober an denselben Prüfkörpern nachrechnen, die auch die Richtlinie vorsieht.

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