KI im Alltag: 54 Prozent der Deutschen haben Anwendungen mit künstlicher Intelligenz genutzt – bei Geldfragen lehnen 70 Prozent sie weiterhin ab

KI im Alltag: 54 Prozent der Deutschen haben Anwendungen mit künstlicher Intelligenz genutzt – bei Geldfragen lehnen 70 Prozent sie weiterhin ab

Künstliche Intelligenz ist in den Privathaushalten angekommen, das Vertrauen folgt ihr nur bis zu einer klaren Grenze. Die Postbank hat am 27. August 2026 ihre Digitalstudie 2026 vorgelegt, für die im Mai 2026 insgesamt 3.050 Einwohnerinnen und Einwohner Deutschlands befragt wurden. Laut dieser Studie haben 54 Prozent der Deutschen bereits KI-Anwendungen genutzt, sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr; weitere 16 Prozent planen es. Für Überweisungen, Geldanlagen oder Finanzberatung lehnen 70 Prozent den Einsatz von KI ab. Wofür sich die Werkzeuge im Haushalt tatsächlich eignen, zeigen Anwendungsbeispiele für Assistenzsysteme im Haushalt und unterwegs.

Sechs von zehn KI-Nutzenden prüfen die Antworten einer KI nur selten nach

Die Nutzung wächst schneller als die Kontrolle. Nach Angaben der Postbank überprüfen 60 Prozent der KI-Nutzenden die erhaltenen Informationen nur selten und vertrauen der Technik. Zugleich trauen sich nur 36 Prozent der Befragten zu, eine Manipulation durch KI zu erkennen.

Beide Erhebungen des Sommers 2026 lassen sich an fünf Werten festmachen:

54 Prozent der Deutschen haben laut Postbank Digitalstudie 2026 bereits KI-Anwendungen genutzt, 16 Prozent planen dies.

70 Prozent lehnen laut Postbank KI für Überweisungen, Geldanlagen oder Finanzberatung ab.

Drei Viertel der Befragten vertrauen nach Angaben der Postbank einer persönlichen Beratung mehr als einer KI.

74 Prozent der 18- bis 39-Jährigen nutzen laut Postbank bereits Sprachassistenten, etwa für Recherchen im Internet.

60,8 Prozent der 18- bis 69-Jährigen nutzen laut Splendid Research persönlich spezielle KI-Werkzeuge, 39,2 Prozent tun das nicht.

Die Altersgrenze verläuft bei 40 Jahren. Laut Postbank ist fast jeder zweite unter 40-Jährige offen dafür, KI für Finanzthemen einzusetzen; jeder vierte Nutzer unter 40 ist bei der Geldanlage bereits einer Empfehlung der KI gefolgt. Die Eingabe von Überweisungsdaten per Sprachassistent können sich 46 Prozent der unter 40-Jährigen vorstellen, bei den Älteren kommt das für 72 Prozent nicht infrage.

Warum KI-Werkzeuge zuerst privat und erst danach im Beruf ankommen

Der Weg der Technik führt vom Sofa ins Büro, nicht umgekehrt. Das Marktforschungsinstitut Splendid Research aus Hamburg hat für den Verlag HighText zwischen dem 18. und 26. Juni 2026 quotenrepräsentativ 1.000 Personen zwischen 18 und 69 Jahren befragt. Laut dieser am 1. Juli 2026 veröffentlichten Auswertung nutzen 35,5 Prozent der Befragten KI-Werkzeuge ausschließlich privat, weitere 20,7 Prozent privat und beruflich. Eine rein berufliche Nutzung nennen nur 4,6 Prozent.

Das Endgerät unterscheidet die beiden Welten. Nach Angaben von Splendid Research verwenden 62,5 Prozent der privaten KI-Nutzenden die Werkzeuge vor allem auf einem mobilen Gerät, 37,5 Prozent am PC oder Laptop. Im Beruf kehrt sich das Verhältnis um: Dort arbeiten 75,1 Prozent überwiegend am PC oder Laptop und nur 24,9 Prozent mobil.

Für KI im Alltag heißt das: Die typische Anfrage ist kurz, spontan und findet am Smartphone statt – eine Formulierung prüfen, einen Begriff übersetzen, ein Rezept anpassen, ein Produkt vergleichen. Welche Programme dafür auf Smartphone und Tablet infrage kommen, ordnet eine Auswahl von KI-Apps für Smartphone und Tablet ein.

„Die Menschen haben KI nicht im Büro gelernt, sondern am Küchentisch. Was dort funktioniert, nehmen sie mit zur Arbeit – und was ihnen dort zu riskant erscheint, lassen sie auch zu Hause bleiben. Bei Geld endet die Neugier, und das ist keine Technikfeindlichkeit, sondern eine Vorsichtsregel“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Welche Anbieter Privathaushalte im Sommer 2026 am häufigsten nutzen

Zwei Anbieter teilen sich den Alltag. Laut Splendid Research haben 44,8 Prozent aller Befragten und 73,7 Prozent der KI-Nutzenden ChatGPT in den vier Wochen vor der Befragung im Juni 2026 mehr als einmal genutzt. Google Gemini folgt mit 30,0 Prozent aller Befragten beziehungsweise 49,3 Prozent der Nutzenden. Claude, Copilot, DeepSeek, Grok oder Mistral bleiben nach Angaben des Instituts deutlich kleiner und spielen vor allem bei fortgeschrittenen Nutzergruppen eine Rolle.

Die Zahl der genutzten Werkzeuge steigt mit der Aufgabe. Im Durchschnitt nennen KI-Nutzende laut Splendid Research 2,24 verschiedene KI-Werkzeuge; wer KI zum Programmieren einsetzt, kommt auf 3,95. Übersetzungsdienste wie Google Translate und DeepL bleiben nach Angaben des Instituts im KI-Umfeld relevant, weil für viele Menschen die Grenzen zwischen Assistent, Suchmaschine und Übersetzer verschwimmen.

Beim Einkaufen hilft KI vor dem Kauf, nicht beim Bezahlen. Nach Angaben von Splendid Research haben 19,9 Prozent der Befragten KI-Werkzeuge in den vier Wochen vor der Befragung für Kaufentscheidungen, Produktauswahl, Preisvergleiche oder Inspiration beim Online-Einkauf genutzt; 17,4 Prozent haben sich über Produkte informiert. Den Bezahlvorgang haben nur 1,4 Prozent über eine KI abgewickelt, und 3,0 Prozent haben einen kompletten Einkauf an einen KI-Agenten übertragen, also an ein Programm, das Aufgaben selbstständig ausführt.

Wo das Vertrauen in KI-Empfehlungen im Herbst 2026 endet

Die Skepsis beim Geld ist keine Ablehnung des Digitalen. Laut der Postbank Digitalstudie 2026 erledigen mehr als drei Viertel der Deutschen ihre Bankgeschäfte online; 43 Prozent nutzen dafür inzwischen die Banking-App, 13 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2022. Das klassische Online-Portal verliert und wird nur noch von 34 Prozent genutzt, nach 45 Prozent vier Jahre zuvor.

Die Vorbehalte gegenüber KI richten sich auf Reife und Datenschutz. Nach Angaben der Postbank halten drei Viertel der Befragten die Technik für Finanzfragen noch nicht für ausgereift oder haben Datenschutzbedenken; hinzu kommen Sorgen vor Manipulation und mangelnder Transparenz. Bei den Schutzmechanismen sind die Nutzenden weiter: 55 Prozent verwenden laut Postbank die Zwei-Faktor-Authentifizierung, also eine zweite Bestätigung neben dem Passwort, und 41 Prozent biometrische Verfahren wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.

Die Postbank erhebt die Digitalstudie im Jahr 2026 zum zwölften Mal in Folge; nach diesem Rhythmus ist die nächste Ausgabe im Sommer 2027 zu erwarten. Bis dahin gilt der Stand vom 27. August 2026: Mehr als jeder Zweite nutzt KI, und sieben von zehn wollen sie vom eigenen Konto fernhalten.

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