Wenn niemand mehr glaubt, was er sieht – Deepfakes als neue Vertrauenskrise für Unternehmen

Wenn niemand mehr glaubt, was er sieht – Deepfakes als neue Vertrauenskrise für Unternehmen

Manipulierte Bilder, Stimmen oder Videos – Täuschung durch Desinformation ist zwar historisch gesehen kein neues Phänomen, jedoch eröffnet der rasante Fortschritt im Bereich Künstliche Intelligenz neue Dimensionen sogenannter Deepfakes. Die Bedrohung entsteht dabei vor allem durch die unkontrollierbare Verbreitung in den sozialen Medien. Eine neue Masterarbeit an der Hochschule Pforzheim zeigt, dass Deepfakes längst auch für Unternehmen zu einem realen und wachsenden Krisenrisiko geworden sind – und dass etablierte Modelle der Krisenkommunikation dem Phänomen nicht gewachsen sind.

Die Arbeit von Absolventin Anja Körnle mit dem Titel „Deepfakes auf Social Media als disruptive Vertrauenskrise in der Krisenkommunikation“ ist nach aktuellem Kenntnisstand die erste Studie, die Deepfakes systematisch als eigenständigen Krisentyp für Unternehmen analysiert. Während sich Informatik und Rechtswissenschaft bereits intensiv mit dem Thema befassen, hat die Kommunikationswissenschaft bislang nur zaghafte Fortschritte gemacht – eine Lücke, der sich die Autorin mit ihrer Forschung angenommen hat.

Das zentrale Ergebnis der Studie überrascht: Die größte Bedrohung geht nicht von einzelnen, besonders überzeugenden Deepfakes aus. Gefährlicher ist ein schleichender Effekt, den die Autorin als „disruptive Vertrauenskrise“ bezeichnet – die zunehmende Erosion des grundsätzlichen Vertrauens in Bild- und Videoinhalte insgesamt. Bedeutet also: Wenn Menschen prinzipiell nicht mehr sicher sein können, ob das, was sie sehen oder hören, echt ist, verändert das die Spielregeln der Unternehmenskommunikation grundlegend.

Die Grundlage der Untersuchung bildeten 14 Interviews mit Expert*innen aus der Krisenkommunikation in verschiedenen Branchen: Agenturen, Beratungsfirmen, Konzerne und mittelständische Unternehmen. Auf Basis dieser Experteninterviews entwickelte die Autorin daher ein eigenes Modell, das Ursachen, Folgen und strategische Handlungsansätze für Unternehmen systematisch beschreibt.

Was können Unternehmen jetzt tun?

Körnle sieht Potenzial an verschiedenen Stellschrauben: technologische Früherkennung – etwa durch Detektionssoftware für manipulierte Inhalte, strukturelle Vorbereitung – klare interne Prozesse und Verantwortlichkeiten für den Ernstfall, kommunikative Resilienz – Strategien, um im Krisenfall schnell und glaubwürdig zu reagieren und gesellschaftliches Engagement – aktive Aufklärung, um das Vertrauen in verifizierte Informationen langfristig zu stärken.

„Unternehmen müssen ihre bestehenden Konzepte zur Krisenprävention und -reaktion kritisch überdenken und strategisch weiterentwickeln“, sagt Körnle. Eine rein reaktive Haltung reiche angesichts der Geschwindigkeit und Unkontrollierbarkeit, mit der sich Desinformation über soziale Medien verbreite, nicht mehr aus.

Die Hochschule Pforzheim mit ihren drei Fakultäten – Gestaltung, Technik sowie Wirtschaft und Recht – genießt einen erstklassigen Ruf. Die Fakultäten verbinden Kreativität mit betriebswirtschaftlicher Ausbildung und technischer Präzision. Diese Kombination macht die Hochschule auch zu einem attraktiven Wissenschafts- und Forschungspartner für die regionale und überregionale Wirtschaft. Mit rund 6000 Studierenden ist Pforzheim eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg.