Das Signal ist stark. Warum ist das WLAN trotzdem langsam?
Der Client zeigt ?55 dBm. Die Heatmap ist grün. Die WLAN-Versorgung scheint perfekt.
Doch die Videokonferenz stockt, Downloads sind quälend langsam und Anwendungen reagieren verzögert.
Was läuft schief?
Möglicherweise ist nicht das Signal das Problem, sondern alles, was danach passiert.
Denn ein starkes Signal garantiert weder einen freien Funkkanal noch eine störungsfreie Datenübertragung. Wer WLAN-Probleme lösen will, muss deshalb mehr untersuchen als die Signalstärke.
Wenn sich zu viele Geräte die Funkzeit teilen
WLAN ist ein gemeinsam genutztes Funkmedium. Viele Geräte müssen sich die verfügbare Übertragungszeit teilen. Ist ein Kanal stark ausgelastet, kann selbst ein hervorragend versorgter Client ausgebremst werden.
Typische Ursachen sind:
Co-Channel-Interference: Mehrere Access Points nutzen denselben Kanal. Bei hoher Auslastung konkurrieren Übertragungen um die verfügbare Funkzeit.
Hohe Airtime-Auslastung: Der Kanal ist so beschäftigt, dass Daten nicht schnell genug übertragen werden können. Latenzen steigen, Anwendungen reagieren verzögert.
Retransmissions: Daten müssen erneut übertragen werden. Das kostet zusätzliche Funkzeit und reduziert den effektiv verfügbaren Durchsatz.
Hidden Nodes: Geräte können sich gegenseitig nicht zuverlässig hören. Dadurch können Übertragungskonflikte und Wiederholungen entstehen.
Das Tückische daran: Die Heatmap kann weiterhin vollständig grün sein.
Der Access Point ist nicht allein verantwortlich
Auch der Client beeinflusst die tatsächliche WLAN-Performance entscheidend. Ob Notebook, Smartphone, Scanner oder Industriegerät: Die Geräte unterscheiden sich bei Antennen, Funkfähigkeiten und ihrem Verhalten im WLAN.
Sie entscheiden unter anderem mit, welche Datenrate erreicht wird, welches Frequenzband sie nutzen und wann sie zu einem anderen Access Point wechseln.
Ein besonders anschauliches Beispiel ist das Roaming: Ein Mitarbeiter bewegt sich durch ein Gebäude, die Funkversorgung ist überall gut – und trotzdem bleibt sein Notebook zu lange am bisherigen Access Point oder die Verbindung stockt beim Wechsel.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr: „Ist hier WLAN verfügbar?“
Sondern: „Funktioniert das WLAN mit diesem Gerät in dieser Situation zuverlässig?“
Mehr Frequenzen lösen nicht automatisch jedes Problem
Wi-Fi 6E und das 6-GHz-Band eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für leistungsfähige WLAN-Netze. Doch mehr Kanäle allein garantieren noch keine bessere Performance.
Gebäudestruktur, Reichweite, Kanalbreite, Client-Unterstützung und die tatsächliche Netzwerkauslastung müssen zusammen betrachtet werden. Auch ein sorgfältig geplantes Funknetz kann sich im Betrieb anders verhalten als erwartet.
Von der grünen Fläche zur aussagekräftigen Messung
Heatmaps bleiben ein wichtiges Werkzeug für WLAN-Planung und Verifikation. Sie beantworten jedoch nicht jede Frage.
Bei Performance-Problemen können zusätzliche Untersuchungen notwendig sein – etwa zur Kanalauslastung, zu Interferenzen, Übertragungswiederholungen, Latenzen oder zum Verhalten einzelner Clients.
Entscheidend ist nicht, wie schön eine Heatmap aussieht, sondern ob die Messung die tatsächliche Ursache eines Problems sichtbar macht.
Damit stellt sich eine weitere Frage: Muss für jede Prüfung ein WLAN-Spezialist mit komplexem Messaufbau vor Ort sein? Oder lassen sich bestimmte Messungen standardisieren und an vielen Standorten reproduzierbar durchführen?
Darum geht es im nächsten Teil dieser Serie.
Mehr zu WLAN-Planung, Verifikation und professioneller Messtechnik: www.eudisa.com
Über EUDISA: Die EUDISA GmbH unterstützt Unternehmen mit Know-how, Messtechnik, Planung und Schulungen rund um professionelles WLAN und LAN.
Die EUDISA GmbH mit Sitz in Ottobrunn ist spezialisiert auf professionelle WLAN-Planung, Funkausleuchtung, Validierung, Optimierung und Fehlersuche. Das Unternehmen vertreibt die Lösungen von Ekahau und Sidos im deutschsprachigen Raum und unterstützt Unternehmen, Systemhäuser und Netzwerkintegratoren bei der Planung und dem Betrieb leistungsfähiger WLAN-Infrastrukturen. Ergänzt wird das Portfolio durch praxisnahe Workshops und Schulungen, die sich konsequent an den Anforderungen des täglichen Betriebs orientieren.
