Ein zentraler Baustein für die digitale Souveränität künftiger Luftkampfsysteme ist in staatlicher Hand: Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat den Quellcode des „Mission Operating System Bundeswehr“ (MissionOSBw) von Helsing entgegengenommen. Die Software bildet den Kern des Vorhabens Combat Fighter System of Systems Nucleus (CFSN). Die offene und modulare Architektur soll unbemannte Kampfflugzeuge, Sensoren und Missionsmodule vernetzen und ihr Zusammenwirken in gemeinsamen Operationen ermöglichen.
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hatte dem Forschungs- und Technologievorhaben CFSN im Juli 2026 zugestimmt. Das Vorhaben mit einem Volumen von mehr als 220 Millionen Euro umfasst neben MissionOSBw unter anderem zwei experimentelle unbemannte Kampfflugzeuge „BALU“ („Basisplattform für Autonomen Luftkampf Unbemannt“) sowie zwei Bodenkontrollstationen. Helsing entwickelt den Softwarekern gemeinsam mit weiteren Unternehmen der deutschen Industrie.
Nur wenige Monate später liegt mit MissionOSBw nun ein zentrales Ergebnis des Vorhabens vor. Der entscheidende Unterschied zu klassischen, weitgehend geschlossenen Systemarchitekturen: Neue Sensoren, Algorithmen oder Autonomiefunktionen sollen nicht jedes Mal aufwendig in ein Gesamtsystem integriert werden müssen. MissionOSBw schafft dafür eine gemeinsame, offene Softwarebasis. Missionsmodule – etwa Radar-, Sensorverarbeitungs- oder Autonomiefunktionen – können unabhängig voneinander entwickelt, getestet, integriert und weiterentwickelt werden. So können neue Fähigkeiten schneller in bestehende und künftige Luftkampfsysteme einfließen.
Die Software folgt den Prinzipien des international etablierten Modular Open Systems Approach (MOSA). Offene Schnittstellen und eine modulare Architektur ermöglichen es, einzelne Komponenten auszutauschen oder weiterzuentwickeln, ohne das Gesamtsystem neu aufbauen zu müssen. Damit können Luftkampfsysteme über ihren Lebenszyklus hinweg in deutlich kürzeren Entwicklungszyklen aktualisiert werden. MissionOSBw wird als sogenannte Government Open Source Software betrieben: Der Quellcode liegt beim Bund. BAAINBw und Bundeswehr können ihn für künftige Waffensysteme bedarfsgerecht nutzen, anpassen und weiterentwickeln – und bleiben damit unabhängiger von einzelnen Herstellern.
Mit MissionOSBw wird „Software Defined Defence“ konkret: Fähigkeiten werden nicht mehr allein durch eine Plattform bestimmt, sondern zunehmend durch Software, offene Schnittstellen und schnell integrierbare Missionsmodule. Der übergebene Quellcode wird im Rahmen von CFSN weiterentwickelt und mit den experimentellen Plattformen erprobt. Ziel ist eine souveräne, herstellerübergreifend nutzbare Softwarebasis für künftige Luftkampfsysteme der Bundeswehr.
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