IT-Roadmap 2030: Zwischen KI, Cloud und Security die richtigen Prioritäten setzen

Wie planen Unternehmen ihre IT für die nächsten Jahre, wenn technologische Entwicklungen immer schneller voranschreiten? Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten, Cyberangriffe erhöhen den Handlungsdruck und Cloud-Entscheidungen beeinflussen die zukünftige Flexibilität. Gleichzeitig sind Budgets, Fachkräfte und Zeit begrenzt.

Unternehmen müssen deshalb entscheiden, welche Themen Vorrang haben – und welche Vorhaben warten können. Dr. Andreas Herch, Geschäftsführer der Netz16 GmbH und Teil der accompio Gruppe, beschäftigt sich mit IT-Strategien und der Weiterentwicklung von Unternehmensinfrastrukturen. Im Interview erklärt er, warum langfristige IT-Planung schwieriger wird, weshalb Cybersecurity die Grundlage bildet und warum Unternehmen bei KI vor allem Innovationsmut benötigen.

Das Wichtigste in Kürze

Cybersecurity ist die Grundlage: Unternehmen müssen ihre Systeme absichern, bevor sie sich auf weitere technologische Entwicklungen konzentrieren.

Langfristige Planung wird schwieriger: KI, neue Sicherheitsanforderungen und technologische Veränderungen verkürzen die Zeiträume, in denen IT-Entscheidungen verlässlich geplant werden können.

Cloud schafft strategische Wahlmöglichkeiten: Unternehmen sollten bewusst entscheiden, wo ihre Daten und Anwendungen betrieben werden.

KI verlangt Innovationsbereitschaft: Wer zu lange abwartet, riskiert, gegenüber Wettbewerbern ins Hintertreffen zu geraten.

Eine gute IT-Roadmap setzt Prioritäten: Nicht alle Ziele lassen sich gleichzeitig verfolgen. Entscheidend ist, Ressourcen gezielt einzusetzen und die Strategie regelmäßig anzupassen.

Warum klassische IT-Roadmaps an ihre Grenzen kommen

Früher konnten Unternehmen IT-Investitionen häufig über mehrere Jahre planen. Eine Software wurde eingeführt und sollte anschließend möglichst lange stabil laufen. Heute verändern sich die Rahmenbedingungen deutlich schneller.

Cybersecurity entwickelt sich zu einer immer wichtigeren Voraussetzung für den Geschäftsbetrieb. Gleichzeitig verändert KI sowohl die technische Infrastruktur als auch die Prozesse innerhalb von Unternehmen. Was heute als sinnvolle Investition gilt, kann in wenigen Jahren bereits neue Anforderungen mit sich bringen.

Für Dr. Andreas Herch bedeutet das nicht, dass langfristige Planung überflüssig wird. Unternehmen müssen vielmehr flexibler werden und ihre strategischen Entscheidungen regelmäßig überprüfen. Eine IT-Roadmap sollte Orientierung geben, darf aber nicht zu einem starren Plan werden, der neue Entwicklungen ignoriert.

Entscheidend ist, technologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die eigene IT so aufzustellen, dass Anpassungen möglich bleiben.

Cybersecurity zuerst, Cloud als Grundlage, KI als Innovationstreiber

Wenn Unternehmen ihre IT-Prioritäten festlegen, empfiehlt Herch eine klare Reihenfolge: Zunächst muss die Sicherheit der Systeme gewährleistet sein. Danach sollten Unternehmen ihre Infrastruktur und Cloudstrategie klären. Auf dieser Grundlage können sie sich stärker auf Innovationen durch KI konzentrieren.

Cybersecurity sichert die Geschäftsfähigkeit. Unzureichend geschützte Systeme können zu Angriffen, Ausfällen und erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen. Sicherheit ist daher kein optionales Zusatzprojekt, sondern eine Voraussetzung für den zuverlässigen Betrieb.

Die Cloudstrategie definiert die technische Grundlage. Unternehmen müssen entscheiden, wo ihre Daten und Anwendungen betrieben werden sollen. Möglich sind beispielsweise europäische Cloud-Angebote, internationale Hyperscaler oder lokale Rechenzentren. Die Entscheidung sollte sich an den Anforderungen des Unternehmens orientieren und bewusst getroffen werden.

KI eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten. Während Sicherheitsinvestitionen vor allem Risiken reduzieren, können KI-Anwendungen unmittelbar zur Optimierung von Prozessen, zur Entwicklung neuer Produkte und zur Steigerung des Geschäftsnutzens beitragen.

Diese Themen sollten nicht beliebig miteinander vermischt werden. Eine übermäßig lange Diskussion über Infrastruktur und Sicherheitsdetails darf nicht dazu führen, dass Unternehmen den Einstieg in neue Technologien unnötig verzögern.

Zwischen Sicherheit und Innovationsmut die richtige Balance finden

Gerade in Deutschland ist die IT-Planung häufig von einem starken Sicherheits- und Kontrollbedürfnis geprägt. Das ist nachvollziehbar: Unternehmen müssen Risiken bewerten, sensible Daten schützen und den zuverlässigen Betrieb ihrer Systeme gewährleisten.

Gleichzeitig kann ein übermäßig vorsichtiger Umgang mit neuen Technologien die Innovationsfähigkeit einschränken. Bei KI lässt sich heute noch nicht in allen Bereichen zuverlässig vorhersagen, welche Anwendungen und Geschäftsmodelle sich langfristig durchsetzen werden.

Herch plädiert deshalb für mehr Mut zum Ausprobieren. Unternehmen müssen bereit sein, neue Ansätze zu testen – auch wenn sich nicht jedes Vorhaben als erfolgreich erweist. Ein KI-Projekt kann beispielsweise zeigen, dass eine geplante Anwendung keinen ausreichenden Mehrwert liefert und eingestellt werden sollte. Auch diese Erkenntnis kann wertvoll sein.

Das Ziel ist nicht, Sicherheitsanforderungen zu ignorieren oder unkontrollierte Risiken einzugehen. Vielmehr sollten Unternehmen eine tragfähige Sicherheitsbasis schaffen und innerhalb dieses Rahmens gezielt experimentieren. So können sie Erfahrungen sammeln und neue Chancen nutzen, ohne jedes Vorhaben von Beginn an vollständig absichern oder langfristig festlegen zu müssen.

Warum Unternehmen auch bewusst auf Projekte verzichten müssen

Eine IT-Roadmap beschreibt nicht nur, was umgesetzt werden soll. Sie legt ebenso fest, welche Vorhaben zunächst keine Priorität haben.

Möchte ein Unternehmen neue Märkte erschließen, seine Infrastruktur modernisieren, interne Prozesse neu gestalten und gleichzeitig KI-Produkte entwickeln, konkurrieren diese Ziele um dieselben Ressourcen. Budget, Fachkräfte und Zeit lassen sich nicht beliebig vervielfachen.

Deshalb müssen Unternehmen zunächst ihre geschäftlichen Ziele klären. Erst dann lässt sich beurteilen, welche IT-Investitionen den größten Beitrag leisten und welche Projekte warten können.

Für die IT-Organisationen und CIOs bedeutet das, Zielkonflikte transparent zu machen und Entscheidungen konsequent zu priorisieren. Wer alle Vorhaben gleichzeitig verfolgt, riskiert hohe Kosten, überlastete Teams und eine langsame Umsetzung.

Empfehlung: Cybersecurity als erste Priorität behandeln, die notwendige Sicherheitsbasis gezielt herstellen und anschließend den Fokus stärker auf neue Technologien richten. Sicherheit bleibt dabei eine kontinuierliche Aufgabe – sie sollte jedoch nicht zu einem endlosen Projekt werden, das sämtliche Innovationsvorhaben blockiert.

Die IT der Zukunft muss stärker orchestrieren

Bis 2030 wird sich nach Einschätzung Herchs auch die Rolle klassischer IT-Organisationen verändern. Statt große Softwaresysteme einzuführen und darauf zu hoffen, dass diese über Jahrzehnte unverändert funktionieren, müssen Unternehmen zunehmend unterschiedliche Anwendungen, Schnittstellen und Prozesse miteinander verbinden.

Diese Fähigkeit zur Orchestrierung wird wichtiger: Neue Anforderungen von Kunden, Märkten und Mitarbeitenden müssen schneller in funktionierende Lösungen übersetzt werden können.

Dafür benötigen Unternehmen flexible Architekturen, leistungsfähige Prozesse und eine IT-Organisation, die Veränderungen aktiv gestaltet. Die IT-Roadmap wird damit weniger zu einem detaillierten Bauplan für einen langfristig unveränderten Systemzustand. Sie wird vielmehr zu einem strategischen Rahmen, der Prioritäten setzt und regelmäßige Anpassungen ermöglicht.

Fazit: Sicherheit schaffen, Infrastruktur klären, Innovation ermöglichen

Eine zukunftsfähige IT-Roadmap für 2030 braucht klare Prioritäten und die Bereitschaft, Entscheidungen an neue Entwicklungen anzupassen. Cybersecurity bildet die Grundlage für einen stabilen Geschäftsbetrieb. Die Cloudstrategie schafft Klarheit über Infrastruktur und Daten. Darauf aufbauend können Unternehmen KI gezielt einsetzen und neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen.

Dabei ist nicht entscheidend, jede technologische Entwicklung vorherzusagen. Wichtiger ist es, flexibel zu bleiben, Ressourcen sinnvoll einzusetzen und kontrolliert Neues auszuprobieren.

„Der erste Punkt ist das Thema Security safe machen. Der zweite Punkt ist die Infrastruktur, Cloud, und dann sich nur noch um das Thema KI kümmern.“ – Dr. Andreas Herch, Geschäftsführer bei Netz16 (Teil der accompio-Gruppe)