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BearingPoint-Publikationsreihe Digital& Strategy / 5G: Netzbetreiber stehen unter Differenzierungszwang (FOTO)

Deutschland will 5G – doch für die Netzbetreiber, die den
Ausbau stemmen müssen, wird das teuer. Sie müssen jetzt neue Geschäftsmodelle
etablieren und ihr Leistungsportfolio grundlegend überdenken, um die
Investitionskosten zu kompensieren.

Um den hohen Investitionskosten für den Ausbau des 5G-Netzes in Deutschland zu
begegnen, müssen Netzbetreiber sich neu positionieren. Das ist das Ergebnis
eines Research Papers der Management- und Technologieberatung BearingPoint und
dem IIHD | Institut. Denn 5G weckt Erwartungen: Das Transformationspotenzial der
neuen Mobilfunk-Generation wird oft mit dem der Dampfmaschine, dem elektrischen
Strom oder dem Internet verglichen. Insbesondere Transport und Logistik sowie
Verkehr und Fertigung werden sich durch 5G grundlegend verändern (Fraunhofer
2019). Für 2035 wird eine auf 5G-Technologie basierte globale
Wirtschaftsleistung von 11,2 Billionen Euro prognostiziert.

In Deutschland wurde die 5G-Auktion im Juni erfolgreich beendet. Die
Netzbetreiber Telekom, Vodafone, Telefónica (O2) und Drillisch (1&1), die den
Zuschlag für die Funkfrequenzen erhielten, haben mit dem Ausbau der
5G-Infrastruktur begonnen – bislang allerdings nur punktuell. Die durch die
Bundesnetzagentur geforderte Abdeckung von 98 Prozent der deutschen Haushalte
wird vor 2027 voraussichtlich nicht erreicht (Bundesnetzagentur 2019). Dies
verdeutlicht ein Vergleich mit der Vorgängertechnologie 4G / LTE. Heute, knapp
zehn Jahre nach Einführung von 4G, liegt die Abdeckung bei knapp über 90 Prozent
der Haushalte, jedoch nur bei rund 65 Prozent der Fläche in Deutschland
(Speedcheck Mobilfunk Report 2019).

Massive Investitionen notwendig – Nationales Roaming weckt Interesse

Der 5G-Ausbau wird insbesondere durch die hohen notwendigen Investitionen in die
Infrastruktur ausgebremst, die die Auktionspreise von 6,5 Milliarden Euro für
die Funklizenzen um mehr als das Zehnfache übersteigen. Die bestehende
Technologie-Infrastruktur muss häufig nicht nur ergänzt, sondern zumindest
teilweise durch neue Technologien ersetzt werden. Dies betrifft u.a. die
Installation von Geräten für neue Frequenzbandbreiten, die Verlegung von
Glasfaserkabeln sowie die Entwicklung neuer Mobilfunkübertragungstechnik. Laut
Telefónica sind hierfür seitens der Netzbetreiber Investitionen in Höhe von 76
Milliarden Euro und der Bau von über 200.000 Mobilfunkstandorten notwendig
(Delhaes & Scheuer 2019).

Eine Möglichkeit, um der Herausforderung der hohen Investitionen zu begegnen,
ist die Kooperation von Netzwerkbetreibern im Zuge eines „nationalen Roamings“.
Lassen sich die Implementierungskosten nur geringfügig reduzieren und existieren
kaum Kostensenkungspotenziale im Ausbau der Infrastruktur, so erlaubt der
gemeinsame Aufbau eines 5G-Netzwerks die schnelle Umsetzung einer breiten
Netzwerkabdeckung mit 5G in Deutschland, bei gleichzeitig geringeren Kosten für
die einzelnen Anbieter. Eine Kooperation der Netzbetreiber bietet zudem die
Möglichkeit, neue Erlösmodelle aufzubauen, die insbesondere bei einer
Spezialisierung der Unternehmen auf die Bereitstellung der erforderlichen
Infrastrukturen für innovative 5G-Anwendungsfelder zur Realität werden.

Telekommunikationsunternehmen: Von der Bit-Pipe zum Service-Anbieter

Nicht nur die hohen Investitionen forcieren einen Differenzierungszwang der
Telekommunikationsunternehmen. Vielmehr resultiert eine zentrale Herausforderung
aus deren Positionierung als reine „Network Developer“. Die Unternehmen
fokussieren sich in ihrem Leistungsportfolio meist lediglich auf die
Bereitstellung der Infrastruktur sowie Basisdienste wie Messaging, Telefonie und
mobiles Internet, weshalb sie nicht selten als „Bit-Pipes“ bezeichnet werden.
Das Angebot wertschöpfender und konsumentennaher Services überlassen sie dabei
meist Anbietern wie Apple, Google und Co. Letztere nutzen die Infrastruktur der
Bit-Pipes, um Kunden digitale Services wie beispielsweise WhatsApp anzubieten,
die die klassischen Telekommunikationsdienstleistungen ersetzen.

Prognosen zufolge wird in diesem Jahr der weltweite Umsatzanteil der
Dienstleistungen wie FaceTime, Skype und WhatsApp im Bereich Nachrichten bereits
bis zu 63 Prozent betragen – mit steigender Tendenz (Mohr & Meffert 2017). Ein
ähnliches Bild ergibt sich im Bereich der Telefonie. So werden die Deutschen
2019 erstmalig mehr über neue Dienste telefonieren als über herkömmliche
Festnetze (Dialog Consult 2019). Die Folge: Das Kerngeschäft der
Telekommunikationsunternehmen erodiert.

Vom Connectivity-Profi zum Wertschöpfungschampion

„Um die hohen Investitionen in den Infrastrukturausbau kapitalisieren und im
Zeitalter von 5G nachhaltig erfolgreich sein zu können, sind
Telekommunikationsunternehmen gezwungen, sich neu zu positionieren. Sie müssen
sich von der Rolle des Network Developers lösen und selbst zum Service-Anbieter
werden. Die 5G-Technologie eröffnet den Netzbetreibern die Möglichkeit, durch
neue Geschäftsmodelle und -logiken tiefer in die Wertschöpfung vorzudringen und
sich dabei zu –Service Enablern– oder gar –Service Creatorn– zu entwickeln“,
sagt Prof. Dr. HSG Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des IIHD | Institut.
Differenzierungsmöglichkeiten ergeben sich dabei insbesondere in drei Bereichen:

1. Massive Machine Type Communication (MMTC)

MMTC beschreibt ein neues Kommunikationsparadigma, in dem eine Vielzahl von
Geräten direkt oder über das Internet miteinander verbunden sind und autonom,
also ohne menschliches Zutun, agieren. 5G erlaubt dabei durch hohe Bandbreiten
und niedrige Reaktionszeiten in der Datenübertragung eine ansteigende Qualität
der Verbindung und damit die Möglichkeit, eine deutlich höhere Anzahl an Geräten
miteinander verknüpfen zu können. MMTC entfaltet sein volles Potenzial
insbesondere im Produktionsbereich im Rahmen von „Smart Factories“. Ein
Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Kooperation der beiden Unternehmen
Mercedes-Benz und Telefónica, die in Sindelfingen den ersten
5G-Produktionsstandort „Factory 56“ geschaffen haben.

2. Enhanced Mobile Broadband (EMBB)

5G stellt die Grundlage für EMBB dar, eine Breitbandausprägung, die dem Nutzer
von jedem Ort aus jederzeit hohe Übertragungsraten für Internet-Anwendungen
ermöglicht – beispielsweise für mobile Multimedia- und Live-Streams mit hohen
Auflösungen, interaktive Videos, Internettelefonie und Internetfernsehen. Neu
ist, dass in Zeiten von 5G eine Vielzahl von Nutzern innerhalb eines kleinen
Radius gleichzeitig solche datenintensiven Anwendungen nutzen können. EMBB
ermöglicht Virtual- und Augmented Reality-Anwendungen – beispielsweise inmitten
eines Konzertes oder eines Sport-Events. Bei den Olympischen Winterspielen 2018
in Südkorea hat Huawei bereits das Potenzial von 5G und EMBB aufgezeigt.
Virtual-Reality-Live-Berichterstattungen erzeugten ein „hautnah-Erlebnis“, auch
für Zuschauer außerhalb der Austragungsstätten.

3. Ultra Reliable Low Latency Communication (URLLC)

5G ebnet den Weg für URLLC-Anwendungen, die auf eine robuste Kommunikation
(„Ultra Reliable“) sowie minimale Latenzzeiten im Bereich von maximal einer
Millisekunde („Low Latency“) angewiesen sind. Neben geringen
Ausfallwahrscheinlichkeiten und minimalen Latenzen zählen niedrige Fehler- und
Paketverlustraten sowie eine hohe Mobilität der Netzteilnehmer (Bewegung der
Objekte innerhalb oder zwischen Funkzellen) zu den zentralen Vorteilen von
URLLC. URLLC erschließt dabei eine komplett neue Klasse an Anwendungsfällen:
Dienste, die nicht ausfallen dürfen und kürzeste Antwortzeiten benötigen.
Zentrale Anwendungsfelder liegen dabei im Verkehrs- und Automobilsektor
(automatische Fahrassistenten und autonomes Fahren), in der Industrie
(„Predictive Maintainance“ von Industrieanlagen oder „Cloud Robotics“) sowie im
Gesundheitsbereich mit „Digital Health“ und ferngesteuerter Chirurgie
(Telemedizin).

Marcel Tietjen, Partner bei BearingPoint: „Netzwerkbetreiber stehen nun vor der
zentralen Entscheidung, welche Rolle sie in der 5G-Ära für sich beanspruchen
wollen. Verharren sie in der passiven Rolle des Erfüllungsgehilfen oder
ergreifen sie die Differenzierungspotenziale und werden zu einem aktiven
Gestalter? Entscheiden sie sich für ersteres, setzten sie langfristig ihre
Zukunft aufs Spiel. Wollen sie sich zu einem Wertschöpfungspartner für Konsument
und Industrie entwickeln, müssen sie jetzt handeln.“

Die vollständige Studie steht unter folgendem Link zur Verfügung:
http://ots.de/qxvsvr

Die Infografik anbei ist für redaktionelle Zwecke frei verwendbar, wir bitten um
Quellennachweis: Ericsson, BearingPoint

Über die Digital & Strategy-Publikationsreihe

Die Publikationsreihe Digital & Strategy von BearingPoint und dem IIHD |Institut
beleuchtet aktuelle und strategisch relevante Themen mit dem Schwerpunkt der
Digitalisierung. Sie hinterfragt bestehende Denkweisen, gibt neue Impulse und
zeigt Lösungswege in einer neuen, datengetriebenen und komplexeren Welt auf.

Über das IIHD Institut

Das IIHD Institut ist ein An-Institut der Hochschule Worms. Unabhängig und
eigenfinanziert versteht sich das IIHD Institut als Themenbildner und Partner
der Branchen Handel, Konsumgüter und konsumentennahe Services. Das IIHD Institut
verfolgt einen kontextgetriebenen, problemfokussierten & interdisziplinären
Forschungs- und Beratungsansatz. Es wendet sich damit von langwierigen,
isolierten Forschungsbestrebungen mit unklarem Praxisbezug ab. Vielmehr wird in
kooperativen Projekten Forschung mit direkter Wirkung in den Unternehmen
betrieben. Praxis- und anwendungsbezogene Forschung, Beratung und Weiterbildung
sind dabei in themenbezogene Competence Center gegliedert. Für weitere
Informationen: www.iihd.de

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit
europäischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei
Geschäftsbereichen: Der erste Bereich umfasst das klassische Beratungsgeschäft;
Business Services als zweiter Bereich bietet Kunden IP-basierte Managed Services
über SaaS hinaus; im dritten Bereich stellt BearingPoint Software-Lösungen für
eine erfolgreiche digitale Transformation, Advanced Analytics und regulatorische
Anforderungen bereit und entwickelt gemeinsam mit Kunden und Partnern neue,
innovative Geschäftsmodelle.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und
Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000
Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 75 Ländern und engagiert sich gemeinsam
mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

Pressekontakt:
Prof. Dr. HSG Jörg Funder,
Geschäftsführender Direktor
Tel.: +49 171 7619371
E-Mail: presse@iihd.de

Alexander Bock
Global Manager Communications
Telefon: +49 89 540338029
E-Mail: alexander.bock@bearingpoint.com

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/68073/4445799
OTS: BearingPoint GmbH

Original-Content von: BearingPoint GmbH, übermittelt durch news aktuell

Posted by on 21. November 2019. Filed under Allgemein,Information & TK. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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