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Neue Webanwendung zur Hochwasservorsorge für Sachsen

Wer schon einmal unmittelbar von einem Hochwasserereignis betroffen war, weiß, wie wichtig vorsorgender Hochwasserschutz ist. Um betroffene Bürger für diese Thematik zu sensibilisieren, bieten zuständige Fachbehörden umfangreiche Informationen – von Druckschriften wie Hochwasserschutzfibeln über Warnhinweise bis hin zu webbasierten Hochwassergefahrenkarten. In Sachsen geht man jetzt gemeinsam mit Tschechien noch einen Schritt weiter. Seit dem Jahr 2013 arbeitet das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) federführend mit dem Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. Dresden (IÖR) und zahlreichen weiteren Partnern im Forschungsprojekt STRIMA (Sächsisch-Tschechisches Hochwasserrisikomanagement) an einer bisher einmaligen Fachanwendung zur Hochwasservorsorge. Das Projekt wurde im Rahmen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Tschechien in zwei Phasen vom Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Entwicklung der Webanwendung FLOOD.Bi zur Hochwasservorsorge

Nachdem zunächst die Identifikation typischer Schadensbilder und die Ermittlung der Verletzbarkeit durch Hochwasser im Vordergrund standen, lag der Fokus danach auf der Identifizierung geeigneter Vorsorgemaßnahmen und der Entwicklung der interaktiven Webanwendung „Flood resilience: Information tool for Buildings“, kurz FLOOD.Bi. Seit Anfang April 2021 ist FLOOD.Bi online und für die Öffentlichkeit nutzbar. Damit wurde ein Werkzeug entwickelt, mit dem Eigentümer in Hochwasserrisikogebieten verschiedene objektbezogene Vorsorgeoptionen ausloten können. Grundlage dafür bildet der vom IÖR entwickelte Modellansatz zur Ermittlung von Hochwasserschäden mit seiner hohen räumlichen und kontextbezogenen Auflösung. Die wissenschaftliche Basis ist insbesondere durch die synthetischen Schadensfunktionen gekennzeichnet, die für relevante tschechische und sächsische Gebäudetypen erarbeitet wurden.

Dieser Ansatz wurde so erweitert, dass auch geplante bauliche Veränderungen am Gebäude abgebildet werden können. Mit der Fachanwendung FLOOD.Bi können sich Fachplaner, Eigentümer und Betroffene nun die Wirkung verschiedener Optionen zur Hochwasservorsorge über die vier Schritte „Gefahr, Gebäudetyp, Objektspezifik und Verletzbarkeit“ simulieren lassen. Auf Grundlage dieser Ersteinschätzung in Form eines exportierbaren PDF-Steckbriefs gilt es dann, nach einer baulichen Aufnahme vor Ort, die planerische Umsetzung weiter zu spezifizieren.

Webanwendung FLOOD.Bi wurde mit Datenanalyse-Software Cadenza umgesetzt

Um den kontinuierlichen Betrieb sicherzustellen, ist die vom LfULG betriebene Webanwendung FLOOD.Bi ebenso wie das Datenportal iDA (interdisziplinäre Daten und Auswertungen) in das Internetangebot des Landeshochwasserzentrums (LHWZ) eingebettet. Durch die enge Verzahnung war es naheliegend, FLOOD.Bi mit der Basistechnologie des iDA-Portals umzusetzen: mit der Datenanalyse-Software Cadenza, einem Produkt der Karlsruher Disy Informationssysteme GmbH. Die Erstellung der Softwarespezifikation, die Integration in die vorhandene IT-Infrastruktur und die Umsetzung der Fachanwendung erfolgte federführend von Disy und DigSyLand, dem Institut für Digitale Systemanalyse und Landschaftsdiagnose.

Für das grenzüberschreitende Projekt galt es, eine sprachliche Regelung zu finden. Um einheitlich auf die für iDA bestehende Infrastruktur aufsetzen zu können, wird die deutsche Cadenza-Version genutzt. Innerhalb der Fachanwendung selbst sind die Inhalte und Elemente der Bedienungsoberfläche je nach Einstieg in Deutsch oder Tschechisch umgesetzt. FLOOD.Bi kann über eine eigene URL oder direkt aus dem iDA-Portal aufgerufen werden und bietet neben den Daten für ganz Sachsen auch Daten für die tschechischen Bezirke Karlovy Vary, Ústí nad Labem und Liberec.

Modell für andere hochwassergefährdete Gebiete

Mit der Live-Schaltung von FLOOD.Bi Anfang April wurde ein wichtiges Zwischenziel in dem sehr anspruchsvollen Projekt erreicht. Die nächsten Schritte sind die Konsolidierung und die Vervollständigung um weitere Grundlagendaten sowie die Ergänzung des Portals um zusätzliche Gebäudetypen. Dadurch soll das Portal für einen größeren Nutzerkreis interessant werden und die Hochwasservorsorge in Sachsen und Tschechien wirksam gestärkt werden. Der innovative Ansatz des Projekts STRIMA kann außerdem ein Modell für andere hochwassergefährdete Regionen in Deutschland und Europa sein.

Posted by on 27. April 2021. Filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. You can leave a response or trackback to this entry

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