Trotz rückläufiger Opferzahlen bleiben Brandrisiken in Krankenhäusern sowie Pflege- und Senioreneinrichtungen in Deutschland weiterhin auf einem kritischen Niveau. Das zeigt die aktuelle Brandstatistik des bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e. V. für das Jahr 2025. Nach Einschätzung des Verbandes liegt die Hauptursache unverändert im mangelnden Einsatz automatischer Löschanlagen.
Auffällig: Nahezu alle Todesopfer befanden sich im unmittelbaren Brandentstehungsbereich. Genau dort fehlt in vielen Einrichtungen ein wirksamer technischer Schutz. Brandmeldeanlagen allein reichen nicht aus – sie erkennen Brände, bekämpfen sie aber nicht.
Zahlen belegen das Risiko
Im Jahr 2025 registrierte der bvfa bundesweit:
116 Brände in Krankenhäusern mit 4 Todesopfern und 129 Verletzten
149 Brände in Pflege- und Senioreneinrichtungen sowie im betreuten Wohnen mit 11 Todesopfern und 278 Verletzten
84 Brände in Wohnheimen und Sozialunterkünften mit 4 Toten und 139 Verletzten
Zwar ging die Zahl der Opfer insbesondere in Pflegeeinrichtungen gegenüber 2024 deutlich zurück, dennoch bleibt das Risiko hoch – insbesondere für mobilitätseingeschränkte Menschen.
Brände eskalieren schnell – ohne aktive Löschtechnik
Die häufigsten Brandursachen waren erneut Brandstiftung (rund 50 %) sowie technische Defekte an elektrischen Anlagen (etwa 30 %). Besonders kritisch: Brände entstehen häufig in Patientenzimmern oder Aufenthaltsbereichen und entwickeln sich dort innerhalb weniger Minuten lebensbedrohlich.
Ein Brand in der Geriatrie des Hamburger Marienkrankenhauses im Juni 2025 mit drei Todesopfern verdeutlicht dies eindrücklich. Trotz Brandmeldeanlage und schnellem Feuerwehreinsatz konnte die Ausbreitung von Feuer und Rauch nicht rechtzeitig gestoppt werden.
Sprinkler wirken – ab der ersten Minute
Automatische Sprinkleranlagen bekämpfen Brände unmittelbar am Entstehungsort und begrenzen deren Ausbreitung meist mit ein bis zwei Sprinklern. Sie reduzieren Rauchentwicklung, verschaffen Zeit für die Rettung und entlasten Personal sowie Einsatzkräfte. Internationale Studien bestätigen ihre hohe Wirksamkeit – insbesondere in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Personen.
Demografie verschärft den Handlungsdruck
Mit dem erwarteten starken Anstieg der Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen* wächst auch die Verantwortung, soziale Einrichtungen brandschutztechnisch neu zu denken. „Der vorbeugende Brandschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen muss konsequent auf aktive Löschtechnik setzen“, fordert bvfa-Geschäftsführer Dr. Wolfram Krause. „Gerade im Neubau gibt es heute keine fachliche Rechtfertigung mehr, auf Sprinkleranlagen zu verzichten.“
* Quelle: Ergebnis der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, Variante 2 moderate Entwicklung
https://www.demografie-portal.de/DE/Fakten/aeltere-bevoelkerung.html
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Der bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e. V. ist der maßgebliche Verband für vorbeugenden und abwehrenden technischen Brandschutz in Deutschland. In dem Verband sind die führenden deutschen Anbieter von stationärer und mobiler Brandschutztechnik sowie von Systemen des baulichen Brandschutzes vertreten. Der Verband, der gegenwärtig etwa 120 Unternehmen vertritt, wurde 1972 gegründet und hat seinen Sitz in Würzburg.
