Steigende Logistikkosten, neue regulatorische Anforderungen durch die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) und wachsende Erwartungen der Verbraucher verändern die Rolle der Versandverpackung grundlegend. Was lange Zeit als notwendiges Mittel zum Zweck galt, entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen Instrument für Effizienz, Nachhaltigkeit und Markenwahrnehmung: Versandverpackung wird zum strategischen Hebel.
Genau diese Entwicklung stand im Mittelpunkt der Keynote „Optimal verpackt: Was wir für den Versand vom Maßanzug lernen können“, mit der Fabian Kraft, Product & Purchasing Director DACH bei RAJAPACK, in diesem Jahr auf mehreren Fachveranstaltungen – unter anderem auf der interpack in Düsseldorf. Sein Vortrag traf auch beim Procurement Summit einen Nerv der Branche und wurde mit dem Speaker Award ausgezeichnet.
Die zentrale Botschaft: Erfolgreiche Versandverpackungen müssen maßgeschneidert gedacht werden. Denn, Versandverpackungen im E-Commerce erfüllen heute weit mehr als eine Schutzfunktion. Sie beeinflussen Kostenstrukturen, Transporteffizienz, Kundenzufriedenheit, Markenimage und die Erfüllung regulatorischer Anforderungen gleichermaßen.
Warum Verpackung wie ein Maßanzug funktioniert
Die zentrale Idee des Vortrags war ebenso einfach wie einprägsam: Gute Verpackung funktioniert wie ein Maßanzug.
Ein Maßanzug sitzt perfekt, weil jemand genau zugehört, individuelle Anforderungen verstanden und präzise umgesetzt hat. Er steht für Qualität, Funktionalität, Komfort, ein gutes Gefühl und Image – Eigenschaften, die zunehmend auch moderne Versandverpackungen erfüllen müssen.
Kundinnen und Kunden merken sofort, ob eine Verpackung durchdacht, hochwertig, nachhaltig oder unnötig überdimensioniert wirkt. Spätestens, seitdem der E-Commerce zunehmend Brick-and-Mortar ablöst, wird die Versandverpackung zum ersten physischen Kontaktpunkt zwischen Marke und Kunde und somit zu einem entscheidenden Teil des Kundenerlebnisses. Denn, der erste Eindruck zählt und bleibt in Erinnerung – bei der Art und Weise wie ein Produkt versendet wird ebenso wie bei einer Person in einem gutsitzenden Anzug.
„Viele Unternehmen verschicken heute noch Millionen Produkte im falschen Anzug“, so Kraft während seines Vortrags.
Der Vergleich traf einen Nerv beim Publikum, weil er ein Problem beschreibt, das viele Unternehmen kennen: standardisierte Verpackungslösungen treffen auf immer individuellere Kundenerwartungen, Transportsicherheit und Warensicherung sowie auf gestiegene Logistikkosten.
Teure Luft im E-Commerce: Leerraum in Versandverpackung kostet Unternehmen jedes Jahr Millionen
Neben der Optik eines Pakets spielt auch die Volumenoptimierung eine wichtige Rolle – ebenso wie bei einem gutsitzenden Anzug darf weder zu viel noch zu wenig Material genutzt werden, um den perfekten „Sitz“ zu gewährleisten. Dabei ist Leerraum in Versandkartons im E-Commerce weit mehr als ein optisches Problem – er verursacht messbare wirtschaftliche und ökologische Folgen.
Kraft erläutert dazu „Die größten Verpackungsprobleme entstehen nicht im Lager, sondern dort, wo wir Standardlösungen für individuelle Erwartungen einsetzen. Ein alter Trugschluss ist, dass wenige Verpackungsmaterialien in einer Größe reichen würden, um alle Bestellungen zu verschicken und Materialkosten zu sparen.“
Doch die Studienlage zeigt klar: Überdimensionierte Verpackungen erhöhen Transportkosten, verursachen zusätzliche CO?-Emissionen und steigern gleichzeitig das Risiko von Produktschäden. Auch die Markenwahrnehmung durch Kundinnen und Kunden leidet unter unnötig großen Verpackungen.
Im Vortrag wurden unter anderem Zahlen einer Studie von DS Smith in Kooperation mit Forbes vorgestellt, nach denen:
rund 24 % des weltweiten Container-Volumens aus Leerraum bestehen,
jährlich Millionen Tonnen vermeidbarer CO?-Emissionen durch ineffiziente Verpackung entstehen,
und enorme finanzielle Einsparpotenziale durch passgenaue Verpackungslösungen möglich wären.
Die Schlussfolgerung war eindeutig: Die Reduzierung von Leerraum ist nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern auch ein wirtschaftlicher Hebel – und seit den gestiegenen Anforderungen der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) gesetzlich festgelegt.
Gerade angesichts steigender Logistikkosten und komplexerer Lieferketten benötigen Unternehmen zunehmend Verpackungskonzepte, die Effizienz, Produktschutz und Kundenerwartungen gleichzeitig erfüllen.
Verpackung ist Teil der Markenstrategie geworden
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die veränderte Rolle der Versandverpackung selbst.
Früher wurde Verpackung im E-Commerce häufig rein funktional betrachtet: Hauptsache, die Ware kommt sicher an. Eine One-Size-Fits-All-Lösung war der Standard. Hohlraum wurde bestenfalls mit Unmengen Füllmaterial ausgestopft oder einfach in Kauf genommen.
Doch, wie Fabian Kraft betonte, fällt gutes Verpackungsdesign oft gar nicht auf – schlechtes dagegen sofort. Spätestens dann, wenn durch schlechte Versandverpackung die Ware beschädigt ankommt, wird sie zum Retourentreiber.
Heute dagegen ist Verpackung ein wichtiger Teil des Markenerlebnisses.
Unboxing-Videos auf TikTok, Instagram und anderen Plattformen haben Verpackung zu einem Kommunikationsinstrument gemacht. Materialien, Farben, Haptik, Drucke, Einleger oder sogar Geräusche beeinflussen inzwischen maßgeblich, wie eine Marke wahrgenommen wird.
Laut Fabian Kraft muss Verpackung heute mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllen:
Funktionalität,
Nachhaltigkeit,
operative Effizienz,
und emotionale Wirkung.
Wie ein schönes Einstecktuch, eine Kette oder individualisierte Manschettenknöpfe – persönliche Kleinigkeiten machen das Outfit rund. Bei Versandverpackung bedeutet das: Schon kleine Details können die Kundenbindung und Markenwahrnehmung deutlich stärken. Personalisierte Botschaften, intelligente Kennzeichnungen, QR-Codes, wiederverwendbare Schutzmaterialien oder bewusst gewählte Oberflächen schaffen Mehrwert – oft mit minimalem Materialeinsatz.
Diese Entwicklung zeigt einen grundlegenden Wandel der Branche: Erfolgreiche Verpackungskonzepte werden immer ganzheitlicher und verbinden Logistik, Markenführung und Nachhaltigkeit miteinander.
Nachhaltigkeit und PPWR: Neue Standards für Verpackungen
Ein weiterer zentraler Bestandteil der Keynote war das Thema Nachhaltigkeit – insbesondere im Zusammenhang mit der europäischen Verpackungsverordnung PPWR.
Die neue Regulation wird Verpackungsdesign in Europa in den kommenden Jahren maßgeblich verändern. Unternehmen müssen sich künftig verstärkt mit folgenden Themen beschäftigen:
recyclingfähige Monomaterial-Lösungen,
Materialeffizienz,
Reduzierung unnötiger Verpackung,
neue Kennzeichnungspflichten,
sowie Design-for-Recycling-Prinzipien.
Fabian Kraft machte deutlich, dass Nachhaltigkeit heute kein optionales Marketingthema mehr ist, sondern regulatorische und operative Realität.
Gleichzeitig verändern sich die Erwartungen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Nachhaltige Verpackung wird zunehmend mit Qualität, Verantwortung und Markenwertigkeit verbunden. Nachhaltige Verpackungskonzepte werden häufig positiver wahrgenommen als überladene oder verschwenderische Lösungen.
Dadurch entsteht eine wichtige Chance: Nachhaltigkeit und Kundenerlebnis schließen sich nicht aus – sie können sich gegenseitig stärken.
Effizienz beginnt am Packplatz
Neben der Außenwirkung ging es im Vortrag auch um operative Prozesse hinter den Kulissen.
Verpackungsdesign beeinflusst nicht nur Transport und Markenauftritt, sondern auch Abläufe in Lager und Fulfillment. Lösungen wie höhenvariable Kartons, Automatikbodenkartons, integrierte Klebeverschlüsse oder ergonomisch gestaltete Packplätze können Prozesse deutlich effizienter machen und Mitarbeitende körperlich entlasten.
Gerade dieser praxisnahe Blick traf auf großes Interesse beim Fachpublikum, wo Themen wie Automatisierung, Prozessoptimierung und nachhaltige Lieferketten zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Learnings am Nerv der Zeit
Die Keynote stieß beim internationalen Publikum der interpack in Düsseldorf auf großes Interesse. Besucherinnen und Besucher aus zahlreichen Ländern verfolgten die Session und unterstrichen damit die wachsende Bedeutung strategisch durchdachter und nachhaltiger Verpackungslösungen im globalen Handel und E-Commerce. Beim Procurement Summit in Hamburg erlangte Fabian Kraft für den Vortrag den Speaker Award. Ein klares Zeichen dafür, dass Verpackungen und Emotionen Hand in Hand gehen können und den Nerv der Zeit treffen.
Fazit: Verpackung als strategische Chance
Die wichtigste Erkenntnis der Session lautete vielleicht: Verpackung darf heute nicht mehr als nebensächliches Betriebsmittel betrachtet werden. Im modernen E-Commerce beeinflusst sie gleichzeitig Kosten, Nachhaltigkeit, Logistikeffizienz, Markenwahrnehmung und Kundenbindung. Oder, wie es die zentrale Metapher des Vortrags zusammenfasst: Jedes Produkt verdient seinen Maßanzug. Dafür müssen Unternehmen nicht tief in die Tasche greifen und zum Maßschneider gehen; eine gute Beratung, die gemeinsam bisherige Prozesse durchleuchtet und Potenziale aufdeckt, kann langfristig enorme Kosten sparen und Kunden glücklicher machen.
Als einer der führenden europäischen Anbieter für Verpackungslösungen verbindet die RAJA-Gruppe praktische Erfahrung aus unterschiedlichen europäischen Märkten mit einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit, Digitalisierung und kundenorientierte Lösungen. Im Mittelpunkt des Vortrags stand dabei nicht Verpackung als Produkt, sondern Verpackung als Teil einer umfassenden Strategie für Effizienz, Kundenerlebnis und verantwortungsvollen Ressourceneinsatz.
RAJA Deutschland ist seit 1999 in Deutschland aktiv und hat seinen Sitz in Ettlingen bei Karlsruhe. Das Unternehmen ist Teil der europaweit agierenden RAJA-Gruppe, die im B2B-Versandhandel für Verpackungen, Bürobedarf sowie Lager- und Betriebsausstattung Marktführer ist. Aus ihrer Gründung in den 1950er Jahren in Paris heraus hat sich die Gruppe zu einem international tätigen aktiven Unternehmen entwickelt, das heute in 19 Ländern präsent ist und rund 4.700 Mitarbeitende beschäftigt. 2025 lag der Umsatz bei 1,7 Milliarden Euro. RAJA zeichnet die Begeisterung für seine Kunden aus: Das Unternehmen möchte bessere Arbeitsumfelder gestalten, echten Mehrwert schaffen und dabei verantwortungsvoll mit Ressourcen umgehen.