3D-Scanner in der Kulturgutdigitalisierung: Die Deutsche Digitale Bibliothek zählt über 51 Millionen Objekte von mehr als 700 Einrichtungen

3D-Scanner in der Kulturgutdigitalisierung: Die Deutsche Digitale Bibliothek zählt über 51 Millionen Objekte von mehr als 700 Einrichtungen

Die Digitalisierung von Kulturgut hat die Fläche verlassen. Wo lange gescannte Buchseiten und fotografierte Gemälde den Bestand ausmachten, kommen zunehmend Objekte hinzu, die sich nur räumlich sinnvoll erfassen lassen: Skulpturen, Gefäße, Werkzeuge, Bauteile. Laut der Deutschen Digitalen Bibliothek ist der Bestand seit dem Jahr 2014 auf über 51 Millionen Objekte von mehr als 700 Kultur- und Wissenseinrichtungen angewachsen.

Der technische Anspruch unterscheidet sich dabei deutlich von industriellen Anwendungen. Ein Messobjekt in der Fertigung muss maßhaltig erfasst werden, ein Kulturgut zusätzlich farbecht, oberflächengetreu und ohne Berührung. Entsprechend anders sind Scanner für die Digitalisierung von Kulturgütern aufgebaut: mit Farberfassung, diffuser Beleuchtung und ohne jeden Kontakt zum Objekt.

Deutlich wird der Unterschied im Vergleich mit Geräten zur Erstellung von CAD-Modellen. Diese sind auf Maßhaltigkeit ausgelegt und erfassen Farbe allenfalls als Beiwerk. Das Vergleichsportal der Provimedia GmbH stellt beide Klassen gegenüber.

Was das Portal über seinen Bestand angibt

Nach Angaben der Deutschen Digitalen Bibliothek stellt sich die Lage wie folgt dar:

Der Bestand ist seit der Gründung im Jahr 2014 auf über 51 Millionen Objekte gewachsen.

Beteiligt sind mehr als 700 Kultur- und Wissenseinrichtungen.

Eine halbe Million Digitalisate kommt über die gezielte Digitalisierungsförderung hinzu, darunter zahlreiche dreidimensionale Objekte.

Museen und Archive stellen dabei den stärksten Anteil der beteiligten Einrichtungen.

Der Bestand umfasst Bücher, Zeitungen, Bilder, Archivalien und dreidimensionale Objekte, die kostenfrei online abrufbar sind.

Warum ein Kulturgut andere Anforderungen stellt als ein Bauteil

In der Fertigung zählt die Maßabweichung. Ein Scanner, der ein Bauteil auf wenige Hundertstelmillimeter genau erfasst, gilt dort als geeignet, unabhängig davon, wie er die Oberfläche wiedergibt. Für ein Museumsobjekt kehrt sich die Gewichtung um: Farbe, Struktur und Glanzverhalten tragen einen Teil der Information, den ein reines Geometriemodell verliert.

Hinzu kommt die Beschränkung auf berührungslose Verfahren. Taktile Messtechnik, in der Industrie Standard für hohe Genauigkeit, scheidet bei empfindlichen Oberflächen aus. Damit bleiben optische Verfahren — und deren Grenzen liegen bei spiegelnden, transparenten und sehr dunklen Materialien.

„Ein dreidimensionales Modell ersetzt kein Original. Es macht ein Objekt aber überhaupt erst zugänglich, das sonst im Depot bleibt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Womit Einrichtungen bei der Planung beginnen sollten

Die halbe Million geförderter Digitalisate fließt fortlaufend in das Portal ein; Museen und Archive stellen dabei den stärksten Anteil der beteiligten Häuser. Die räumliche Erfassung wird damit von einem Sonderfall zu einem regulären Arbeitsschritt.

Für ein Haus, das eine Erfassung plant, ist die Reihenfolge damit vorgezeichnet: zuerst die Frage nach dem Material, dann nach dem Verfahren. Spiegelnde, transparente und sehr dunkle Oberflächen entscheiden über die Wahl des Geräts stärker als jede Angabe zur Genauigkeit. Prüfen lässt sich das vorab an einem einzelnen Stück — deutlich günstiger als nach der Anschaffung.

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