Microsoft treibt die Einführung phishing-resistenter Authentifizierung konsequent voran. Mit einer aktuellen Ankündigung stellt der Hersteller die bereitgestellten SMS- und Sprachanrufdienste für die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) in Microsoft Entra ID schrittweise ein. Passkeys rücken damit als bevorzugte Authentifizierungsmethode in den Mittelpunkt.
Für Unternehmen entsteht daraus mehr als eine technische Migrationsaufgabe. Die Umstellung ist ein guter Anlass, eine moderne Passkey-Infrastruktur zu begründen und gleichzeitig ein belastbares Benutzer-Onboarding aufzubauen. Denn eine sichere Authentifizierungslösung ist nur dann wirksam, wenn Mitarbeiter*innen sie registrieren, verstehen und im Arbeitsalltag zuverlässig nutzen können.
Warum Microsoft SMS und Sprachanrufe durch Passkeys ablöst
SMS-basierte MFA war lange eine deutliche Verbesserung gegenüber der reinen Kennwortanmeldung. Die Bedrohungslage hat sich jedoch weiterentwickelt. Phishing, SIM Swapping und Social Engineering zeigen, dass SMS und Sprachanrufe den heutigen Sicherheitsanforderungen nicht mehr genügen.
Microsoft verfolgt deshalb das Ziel, Unternehmen auf moderne, phishing-resistente Authentifizierungsmethoden umzustellen. Passkeys nutzen kryptografische Schlüssel statt geteilter Geheimnisse und schützen dadurch deutlich besser vor Identitätsdiebstahl und manipulierten Anmeldevorgängen.
Welche Authetifizierungsmethoden empfiehlt Microsoft?
Microsoft empfiehlt insbesondere:
Passkeys auf Windows, iOS und Android Geräten
Windows Hello for Business
FIDO2-Sicherheitsschlüssel
Weitere passwortlose und phishing-resistente Authentifizierungsmethoden in Microsoft Entra ID
Diese Verfahren reduzieren das Risiko erfolgreicher Phishing-Angriffe und machen Unternehmen unabhängiger von Mobilfunknetzen.
Was bedeutet die Änderung für Unternehmen?
Die Ankündigung betrifft nahezu jede Organisation, die Microsoft Entra ID für die Authentifizierung nutzt. Besonders relevant ist sie für Unternehmen mit vielen Benutzer*innen, externen Identitäten, gemeinsam genutzten Geräten oder Kundenportalen. Unternehmen können die Umstellung nutzen, um nicht nur einzelne Authentifizierungsmethoden zu ersetzen, sondern ihre Identitätsinfrastruktur strategisch weiterzuentwickeln.
Dabei sollten zwei Vorhaben parallel geplant werden:
Eine technisch tragfähige Passkey-Infrastruktur
Ein explizites Benutzer-Onboarding mit ausreichender Fehlertoleranz und Support-Kapazität
Daraus ergeben sich folgende Schritte:
Betroffene Benutzer*innen identifizieren
Prüfen Sie zunächst, welche Benutzer*innen aktuell SMS oder Sprachanrufe für MFA verwenden. Microsoft stellt hierfür entsprechende Auswertungsmöglichkeiten bereit.
Zusätzlich sollten Sie folgende Gruppen berücksichtigen:
Externe Benutzer*innen und Partner
Mitarbeiter*innen ohne kompatible Endgeräte
Benutzer*innen mit gemeinsam genutzten Arbeitsplätzen
Dienstleister und temporäre Zugänge
Konten mit besonderen regulatorischen oder betrieblichen Anforderungen
Eine belastbare Bestandsaufnahme bildet die Grundlage für die Budgetplanung, die Pilotierung und die spätere Erfolgskontrolle.
Passkey-Strategie entwickeln
Definieren Sie frühzeitig:
Welche Passkey-Technologien eingesetzt werden
Welche Geräteplattformen unterstützt werden
Ob FIDO2-Sicherheitsschlüssel für bestimmte Gruppen erforderlich sind
Welche Benutzergruppen zuerst migriert werden
Wie die Registrierung technisch und organisatorisch abläuft
Welche Fallback-Verfahren zulässig sind
Welche Anforderungen an Helpdesk, Identitätsprüfung und Wiederherstellung bestehen
Aus dieser Analyse lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten. Dazu gehören beispielsweise kompatible Hardware, FIDO2-Sicherheitsschlüssel, Konfigurationsleistungen, Testumgebungen, Kommunikationsmaterialien und zusätzliche Support-Kapazitäten.
Ein Pilotprogramm hilft, diese Anforderungen unter realen Bedingungen zu prüfen. Starten Sie mit einer repräsentativen Gruppe aus IT, Fachbereichen, externen Benutzer*innen und Personen mit unterschiedlichen Geräteplattformen. So werden technische Einschränkungen und Verständnisprobleme sichtbar, bevor die Umstellung breiter ausgerollt wird.
Benutzer-Onboarding als eigenes Programm aufsetzen
Die technische Aktivierung allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, ob Benutzer*innen den neuen Anmeldeprozess akzeptieren und sicher beherrschen.
Ein wirksames Onboarding-Programm sollte deshalb mindestens folgende Elemente enthalten:
Verständliche Kommunikation
Erklären Sie frühzeitig:
Warum SMS und Sprachanrufe abgelöst werden
Welche Vorteile Passkeys im Arbeitsalltag bieten
Was sich bei der Anmeldung konkret ändert
Welche Schritte die Benutzer*innen durchführen müssen
An wen sie sich bei Problemen wenden können
Die Kommunikation sollte zielgruppengerecht erfolgen, beispielsweise per E-Mail, Teams, Intranet und kurzen Anleitungen direkt im Anmeldeprozess.
Microsoft empfiehlt außerdem einen gestaffelten Kommunikationsansatz:
Bewusstsein schaffen
Vorteile erklären
Schritt für Schritt anleiten
An ausstehende Registrierungen erinnern
Die Ansprache sollte dabei auf die jeweils betroffene Benutzergruppe zugeschnitten sein. Eine allgemeine Information an das gesamte Unternehmen reicht häufig nicht aus. Wirksamer ist eine segmentierte Kommunikation, die sich an den tatsächlich betroffenen SMS- und Sprachanruf-Benutzer*innen orientiert.
Geführte Registrierung
Planen Sie registrierte Zeitfenster, digitale Sprechstunden oder betreute Einrichtungstermine ein. Besonders bei sicherheitskritischen Rollen und Benutzer*innen ohne kompatible Endgeräte ist persönliche Unterstützung sinnvoll.
Fehlertolerante Abläufe
Nicht jede Registrierung wird beim ersten Versuch erfolgreich sein. Berücksichtigen Sie deshalb:
Wiederholbare Registrierungsprozesse
Klare Hinweise bei Fehlermeldungen
Mehrere zulässige Authentifizierungsoptionen
Geregelte Wiederherstellungsprozesse
Eine zeitlich begrenzte, kontrollierte Übergangslösung
Testmöglichkeiten ohne Risiko für den produktiven Zugriff
Fehlertoleranz bedeutet dabei nicht, Sicherheitsanforderungen abzusenken. Sie sorgt dafür, dass Bedienfehler nicht unmittelbar zu Frustration, Umgehungslösungen oder Arbeitsunterbrechungen führen.
Ausreichende Support-Kapazität
Erhöhen Sie rund um Pilotierung und Rollout die Kapazitäten im IT-Support. Legen Sie vorab fest, wie Anfragen priorisiert werden und wie sich Benutzer*innen bei verlorenen Geräten, defekten Sicherheitsschlüsseln oder fehlgeschlagenen Registrierungen verifizieren.
Erfolgskriterien sollten messbar sein, zum Beispiel:
Anteil erfolgreich registrierter Benutzer*innen
Anzahl offener Registrierungen
Abbruchquote während der Einrichtung
Zahl der Support Anfragen
durchschnittliche Lösungszeit
Anteil der Anmeldungen ohne Fallback-Verfahren
So wird sichtbar, ob die Umstellung nicht nur technisch aktiviert, sondern im Unternehmen tatsächlich angenommen wird.
Sonderfälle bewerten
Einige Unternehmen benötigen aufgrund regulatorischer oder betrieblicher Anforderungen weiterhin SMS-basierte Authentifizierungswege. Für diese Szenarien kündigt Microsoft die Möglichkeit an, eigene Telekommunikationsanbieter über den Microsoft Security Store einzubinden. Weitere Informationen hierzu sollen ab September 2026 verfügbar werden.
Diese Option sollte jedoch nicht als Ersatz für eine Passkey-Strategie verstanden werden. Prüfen Sie zunächst, ob die betroffenen Benutzer*innen auf eine phishing-resistente Methode umgestellt werden können. Für unvermeidbare Sonderfälle sollten Sie dokumentieren, warum ein alternatives Verfahren erforderlich ist und wie die damit verbundenen Risiken reduziert werden.
Fazit: Mehr Sicherheit durch Passkeys in Microsoft Entra ID
Die Abkündigung von SMS und Sprachanrufen für die Multi-Faktor-Authentifizierung markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer passwortlosen und phishing-resistenten Identitätsstrategie. Unternehmen sollten die Übergangszeit nutzen, um ihre Passkey-Infrastruktur zu planen, ein repräsentatives Pilotprogramm aufzusetzen und die betroffenen Benutzer*innen systematisch zu onboarden.
Sicherheitstechnologien schaffen nur dann den erwarteten Nutzen, wenn die Einführung im Alltag funktioniert. Fehlertolerante Registrierungsprozesse, klare Kommunikation und ausreichende Support-Kapazitäten sind deshalb ebenso wichtig wie die technische Auswahl der passenden Authentifizierungsmethoden.
Wer heute mit der Planung beginnt, vermeidet Anmeldeunterbrechungen ab Februar 2027 und verbessert gleichzeitig das Sicherheitsniveau der gesamten Identitätsinfrastruktur.
