Zwischen Beratung und Bytes: Der angehende Unternehmensberater Sebastián Brenner über den KI-Wettlauf der Tech-Giganten

Zwischen Beratung und Bytes: Der angehende Unternehmensberater Sebastián Brenner über den KI-Wettlauf der Tech-Giganten

Sebastián Brenner hat sein Praktikum bei der classix Software GmbH in Hamburg genutzt, um die Praxis hinter dem KI-Hype kennenzulernen. Im Interview erklärt der angehende Unternehmensberater, warum ihn das aktuelle Tempo des KI-Wettlaufs der großen Tech-Konzerne beunruhigt.

Sebastián Brenner steuert beruflich klar Richtung Unternehmensberatung. Gerade aus dieser Außenperspektive beobachtet er die aktuelle KI-Dynamik in der Tech-Branche – und äußert im Gespräch eine deutliche Sorge: Das Tempo des KI-Wettlaufs zwischen den großen Tech-Konzernen könnte am Ende mehr schaden als nützen.

Ein Blick hinter die Kulissen: KI-Praxis statt Marketing-Hype

Einen Teil seiner Einschätzung verdankt Brenner seiner Zeit bei classix, einem Hamburger Anbieter von ERP- und Business-Software für den Mittelstand. Dort hat er nach eigener Aussage direkt miterlebt, wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz im Unternehmensalltag tatsächlich eingesetzt werden – „jenseits des reinen Marketing-Hypes“, wie er es selbst formuliert. Diese Erfahrung aus erster Hand prägt seine grundsätzliche Einschätzung zur aktuellen KI-Dynamik in der Tech-Branche mit. Sein Praktikum bei classix war dabei kein Pflichtprogramm: Brenner hat sich bewusst dafür entschieden, um neben seinem Studium praktische Erfahrung an der Schnittstelle von Business und Technologie zu sammeln – eine Perspektive, die seine Einschätzung zur Branche zusätzlich einordnet.

Steigender Druck auf Programmierer

Als Student der Betriebswirtschaft sieht sich Brenner als Softwareentwickler nach eigener Aussage nicht – ihm fehle dafür der technische Deep-Dive, sein beruflicher Fokus liege klar auf der Unternehmensberatung. Die Entwicklung in der Software-Branche beobachtet er dennoch genau, und sie beunruhigt ihn: „Die Dynamik ist enorm: Der Druck auf Programmierer steigt massiv“, sagt er im Interview.

Als Beispiel nennt Brenner den Fall Anthropic. Er verweist dabei auf einen LinkedIn-Beitrag des Karriereberaters Sanyam Sareen, in dem dieser behauptet, Anthropic stelle Softwareentwickler für Spitzengehälter ein, obwohl das Unternehmen gleichzeitig davon ausgehe, dass KI-Modelle mittelfristig genau diese Entwickler-Tätigkeiten automatisieren könnten – bis hin zu einer Stellenausschreibung mit dem Hinweis, die Rolle könne es in zwölf Monaten möglicherweise nicht mehr geben.

Sorge vor überhasteter Regulierung von KI

Grundsätzlicher fällt Brenners Kritik am aktuellen Tempo der Branche aus: „Der aktuelle KI-Wettlauf der Tech-Giganten wirkt sowieso viel zu überhastet.“ Seiner Einschätzung nach kommen Produkte auf den Markt, „bevor sie regulatorisch oder gesellschaftlich wirklich reif sind.“

Seine größte Sorge gilt dabei nicht der Technologie selbst, sondern dem politischen Umgang damit: Werde erst nach einem gravierenden Zwischenfall regulatorisch reagiert, könnten überhastete Gesetze aus seiner Sicht die weltweiten Investitionen in Künstliche Intelligenz massiv ausbremsen – im Extremfall sogar den Großteil des Marktes gefährden.

Wenn KI praktisch statt plakativ eingesetzt wird

Brenners Beobachtungen werfen ein Schlaglicht auf eine Frage, die derzeit viele mittelständische Unternehmen beschäftigt: Wie lässt sich der tatsächliche Nutzen von Künstlicher Intelligenz von kurzlebigem Hype unterscheiden? Bei classix, wo Brenner sein Praktikum absolvierte, zeigt sich dieser Ansatz unter anderem im Produkt KLIO – einem KI-Chat, der Antworten konsequent mit Quellenangabe versieht, um nachvollziehbar statt pauschal zu bleiben. Auch in Produkten wie GESTIN, PYTHIA und HESTIA fließen Automatisierung und Datenanalyse gezielt in konkrete betriebliche Abläufe ein – etwa bei der Stichprobeninventur, bei der Prüfung von Geschäftskontakten gegen internationale Sanktionslisten oder in der Lagerverwaltung. Nicht als Selbstzweck, sondern als Werkzeug für messbare Effizienzgewinne im unternehmerischen Alltag.

Dass es ausgerechnet ein angehender Unternehmensberater und nicht ein Informatiker ist, der diese Einschätzung trifft, zeigt: Die Diskussion um Tempo und Regulierung von Künstlicher Intelligenz reicht längst über die IT-Branche hinaus und betrifft die gesamte Wirtschaft.

Die im Interview vertretene Meinung ist Sebastián Brenners ganz persönliche Sicht als aufmerksamer Beobachter der Branche – nicht die Haltung von classix. Wir danken ihm für die interessanten Einblicke zu diesem Thema; das Gespräch fand im Spätsommer 2026 statt.

Sebastián Brenner absolvierte im Sommer 2026 ein Praktikum bei der classix Software GmbH in Hamburg und studiert „Business Administration: Management“ sowie Sport Management an der University of Massachusetts Amherst.