Unternehmensnachfolge 2026: Jeder vierte Mittelständler erwägt die Stilllegung, bis Ende 2029 stehen jährlich rund 114.000 Geschäftsaufgaben an

Unternehmensnachfolge 2026: Jeder vierte Mittelständler erwägt die Stilllegung, bis Ende 2029 stehen jährlich rund 114.000 Geschäftsaufgaben an

Jedes vierte mittelständische Unternehmen in Deutschland erwägt nach dem Rückzug der Inhabergeneration eine bewusste Geschäftsaufgabe. Das geht aus dem Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 hervor, das KfW Research am 9. Januar 2026 auf Basis des KfW-Mittelstandspanels veröffentlicht hat. Bis Ende 2029 streben demnach rund 569.000 Unternehmen keine Fortführung an, das entspricht rund 114.000 Geschäftsaufgaben im Jahr; parallel verzeichnet die Studie jährlich rund 109.000 Nachfolgewünsche. Im Oktober 2026 läuft das letzte Quartal des Zeitraums, für den KfW Research rund 243.000 Stilllegungspläne bis Ende 2026 als sehr verlässlich einstuft. Was mit jeder dieser Aufgaben verschwindet, ist selten dokumentiert; welche Strategien den Wissenstransfer im Unternehmen sichern, beschreibt das Fachportal der Provimedia GmbH.

Die Altersstruktur erklärt den Druck. Laut KfW Research waren im Jahr 2025 mit 57 Prozent mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmerschaft 55 Jahre oder älter, drei Prozentpunkte mehr als 2024 und mehr als zwei Millionen Personen. Vor 20 Jahren lag dieser Anteil bei 20 Prozent. Wer eine kurzfristige Nachfolge bis Ende 2026 anstrebt, ist der Studie zufolge im Durchschnitt bereits 66,5 Jahre alt.

Worin sich eine geplante Stilllegung von einer gescheiterten Nachfolgersuche unterscheidet

Die Gründe für eine geplante Aufgabe verteilen sich nach dem Nachfolge-Monitoring 2025 auf wenige Faktoren. 52 Prozent der Unternehmen mit Stilllegungsplänen nennen das erreichte Rentenalter, 47 Prozent fehlendes Interesse in der Familie und 42 Prozent zu viel Bürokratie einschließlich Steuern und Recht. Der Bürokratiefaktor hat laut KfW Research im Jahresvergleich am stärksten zugelegt, von 30 auf 42 Prozent. Eine erfolglose Nachfolgersuche nennen dagegen nur 21 Prozent, eine zu aufwendige Suche 11 Prozent. Die Stilllegung ist damit in der Mehrzahl der Fälle eine Entscheidung, keine Notlösung.

„Wenn ein Betrieb bewusst geschlossen wird, geht das Erfahrungswissen nicht an einen Nachfolger, sondern an niemanden. Kundenhistorie, Lieferantenkonditionen und die Gründe für jede Sonderlösung liegen dann im Kopf einer Person, die den Schlüssel abgibt. Wer das Wissen vorher aufschreibt, hält sich beide Wege offen: verkaufen oder geordnet aufhören“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Wie weit die Vorbereitung in den Betrieben tatsächlich reicht

Eine regionale Befragung liefert dazu Zahlen aus der Praxis. Für die Studie „Unternehmensnachfolge 2026“ des Wirtschaftsmagazins Regio Manager, erstellt mit der National-Bank Vermögenstreuhand und einer Steuerberatungsgesellschaft aus Büren, haben 836 Unternehmer und Entscheider aus Nordrhein-Westfalen geantwortet. Befragt wurde zwischen dem 13. November und dem 1. Dezember 2025, die Auswertung erschien im Januar 2026. Vier Ergebnisse beschreiben die Ausgangslage:

56,2 Prozent der Befragten planen die Übergabe innerhalb der nächsten fünf Jahre, 14,6 Prozent innerhalb eines Jahres.

Nur 36,2 Prozent haben konkrete Schritte eingeleitet, 28,4 Prozent halten das Thema noch nicht für relevant.

23,0 Prozent bewerten ihr Unternehmen als sehr gut vorbereitet, 14,4 Prozent als schlecht ohne jede Vorbereitung.

39,7 Prozent nennen den fehlenden Nachfolger als größtes Hindernis, vor politischer Unsicherheit mit 26,4 Prozent.

Zwischen der Selbsteinschätzung und dem tatsächlichen Stand klafft nach Beobachtung der beteiligten Berater häufig eine Lücke, etwa bei fehlenden Vorsorgevollmachten und undokumentierten Prozessen. Wo ein Betrieb bei der Dokumentation seines Wissens steht, lässt sich mit einem Stufenmodell zum Reifegrad des Wissensmanagements einordnen, das das Fachportal der Provimedia GmbH erläutert.

Wer übernimmt und was der Kaufpreis über die Erwartungen verrät

Familieninterne Übergaben bleiben nach beiden Erhebungen die Wunschlösung, obwohl das Interesse der Angehörigen oft fehlt. In Nordrhein-Westfalen favorisieren 47,6 Prozent die Nachfolge in der Familie, 27,4 Prozent sind noch unentschieden, 25 Prozent nennen einen Verkauf an eigene Mitarbeiter. KfW Research beobachtet bundesweit, dass Management-Buy-outs wieder häufiger geplant werden, während der Verkauf an Externe und die Familienübergabe die Rangfolge weiter anführen. Der durchschnittlich angestrebte Kaufpreis liegt laut Nachfolge-Monitoring für Übergaben zwischen 2025 und 2029 bei rund 499.000 Euro, das entspricht dem 1,2-Fachen des Jahresumsatzes; preisbereinigt sind die Vorstellungen seit 2019 um 9,5 Prozent gestiegen. Für Übernehmer ist dokumentiertes Wissen ein Teil dieses Werts, denn ein Betrieb, dessen Abläufe nur der Altinhaber kennt, verliert nach der Übergabe an Substanz.

Was bis zur nächsten Erhebung im Januar 2027 zu tun bleibt

KfW Research veröffentlicht das nächste Nachfolge-Monitoring erfahrungsgemäß im Januar, die Zahlen für 2026 dürften damit im Januar 2027 vorliegen; das zugrunde liegende KfW-Mittelstandspanel erscheint jeweils im Herbst. Inhaberinnen und Inhaber, die eine Übergabe für 2027 oder 2028 planen, haben nach der Erfahrung der Berater aus Nordrhein-Westfalen zwei bis drei Jahre Prozessdauer vor sich. Der erste Schritt kostet kein Honorar: Kundenkontakte, Lieferantenvereinbarungen, Kalkulationsgrundlagen und wiederkehrende Sonderfälle so aufzuschreiben, dass ein Nachfolger sie ohne Rückfrage versteht.

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