Mit IBM Cognos Analytics 12.2.0 (November 2026) erweitert IBM seine Business-Intelligence-Plattform in zahlreichen Bereichen. Neben neuen Möglichkeiten für Dashboards und Reporting stehen insbesondere die Weiterentwicklung der KI-Agenten, zusätzliche REST-APIs sowie Verbesserungen bei Installation und Administration im Mittelpunkt.
Wir haben die wichtigsten Neuerungen zusammengestellt und erläutern, welchen praktischen Nutzen sie für Anwender, Berichtsentwickler und Administratoren bieten.
1. Dashboards – Neue Visualisierungen und Exportmöglichkeiten
Referenzlinien (Base Lines)
Mit der neuen Funktion Base Lines können horizontale Referenzlinien in Dashboard-Visualisierungen eingefügt werden. Damit lassen sich beispielsweise Zielwerte, Grenzwerte oder Benchmarks hervorheben.
So kann ein Umsatzdiagramm beispielsweise die tatsächliche Entwicklung zusammen mit einem definierten Umsatzziel darstellen. Abweichungen werden dadurch leichter erkennbar.
Wertebalken in Tabellen und Kreuztabellen
Tabellen und Kreuztabellen können jetzt um Wertebalken innerhalb einzelner Zellen erweitert werden. Numerische Werte werden dabei zusätzlich durch proportionale Balken visualisiert. Die eigentlichen Zahlen bleiben weiterhin sichtbar.
Folgende Eigenschaften lassen sich konfigurieren:
Horizontale oder vertikale Ausrichtung
Farbe und Transparenz
Abdeckung der Tabellenzelle
Anzeige des numerischen Wertes
Bidirektionale Balken für positive und negative Werte
Damit können beispielsweise Umsatzvergleiche, Abweichungen oder Rangfolgen unmittelbar innerhalb einer Tabelle dargestellt werden, ohne zusätzliche Diagramme erstellen zu müssen.
Markdown-Beschreibungen für Dashboards und Widgets
Dashboards und einzelne Widgets können jetzt mit formatierten Markdown-Beschreibungen versehen werden.
Ist für ein Widget eine Beschreibung hinterlegt, kann im Ansichtsmodus ein Informationssymbol angezeigt werden. Über dieses Symbol öffnet sich ein Bereich mit dem formatierten Beschreibungstext.
Im Bearbeitungsmodus stehen zusätzlich Funktionen zum Bearbeiten und Generieren dieser Beschreibungen zur Verfügung. Die Sichtbarkeit der Informationssymbole kann sowohl für das gesamte Dashboard als auch individuell für einzelne Widgets gesteuert werden.
Diese Funktion eignet sich insbesondere zur Dokumentation von Kennzahlen, zur Erläuterung komplexer Visualisierungen oder zur Bereitstellung fachlicher Hinweise direkt im Dashboard.
Dashboard-Export nach PowerPoint und Markdown
Dashboards lassen sich jetzt zusätzlich in zwei neue Formate exportieren:
Microsoft PowerPoint (.pptx) – zur Weiterverwendung in Präsentationen
Markdown (.md) – zur Übernahme in Dokumentationen und andere textbasierte Anwendungen
Beide Exportmöglichkeiten stehen sowohl im Ansichtsmodus als auch im Bearbeitungsmodus über den Teilen-Dialog zur Verfügung.
2. Reporting – Verbesserte Entwicklung und Berichtsverteilung
Modernisierter Ausdruckseditor (Expression Editor)
Der Ausdruckseditor im Cognos Reporting wurde modernisiert und basiert jetzt auf der Open-Source-Komponente Ace Editor.
Zu den Verbesserungen gehören:
Syntaxhervorhebung und farbliche Kennzeichnung
Vorschläge für Schlüsselwörter
Automatische Erkennung zusammengehöriger Klammern und Anführungszeichen
Drag-and-drop für Datenelemente, Funktionen und Parameter
Überarbeitete Funktionen zum Bearbeiten, Prüfen und Auswählen
Der neue Editor kann unter anderem für Abfrageberechnungen und die Bearbeitung entsprechender Eigenschaften verwendet werden.
Falls erforderlich, können Entwickler über eine Einstellung im Reporting-Debug-Menü weiterhin auf den bisherigen Editor zurückwechseln.
Burst-Schlüssel in E-Mail-Betreff und Dateinamen
Bei der Verteilung von Burst-Berichten kann der Burst-Schlüssel jetzt automatisch in den E-Mail-Betreff und in den Dateinamen des Anhangs aufgenommen werden.
Ein Bericht mit dem Namen „Umsatzbericht“ könnte beispielsweise folgende Ergebnisse erzeugen:
E-Mail-Betreff: Umsatzbericht Nord
Dateiname: Umsatzbericht Nord.pdf
Die Option Include burst key steht beim Ausführen eines Berichts sowie bei Jobs und Zeitplänen zur Verfügung.
Standardmäßig ist die Funktion deaktiviert. Bestehende Burst-Verteilungen bleiben daher unverändert, solange die neue Option nicht ausdrücklich aktiviert wird.
Die Erweiterung vereinfacht insbesondere die automatische Weiterverarbeitung und eindeutige Zuordnung von Burst-Berichten.
3. Agentic AI – Erweiterte KI-Unterstützung in Cognos Analytics
Ein Schwerpunkt von Cognos Analytics 12.2.0 liegt auf der Weiterentwicklung der agentenbasierten KI-Funktionen. IBM baut sowohl die Möglichkeiten zur Berichtserstellung als auch die dialogorientierte Datenanalyse aus.
Report Authoring Agent – Mehrstufige Berichtserstellung im Dialog
Der Report Authoring Agent wurde zu einem interaktiven, dialogorientierten Assistenten für die Berichtserstellung erweitert.
Anwender können einen vollständigen Bericht in natürlicher Sprache beschreiben. Der Agent kombiniert anschließend mehrere Arbeitsschritte miteinander:
Erstellen benötigter Datenobjekte
Aufbauen des Berichtslayouts
Anwenden von Formatierungen
Einrichten von Filtern
Schrittweises Überarbeiten des Berichts
Besonders interessant ist die Möglichkeit, Anforderungen im Dialog zu verfeinern. Der Agent kann seine Interpretation einer Anforderung zur Bestätigung vorlegen und nach einzelnen Arbeitsschritten weitere Vorschläge unterbreiten.
Damit entwickelt sich die KI-Unterstützung von einzelnen Aktionen zunehmend zu einem dialogorientierten Prozess für die Berichtserstellung.
Query Agent – Datenanalyse durch natürliche Sprache
Mit dem Query Agent stellt IBM eine dialogorientierte Oberfläche für die Datenanalyse bereit.
Anwender können Fragen zu ihren Daten in natürlicher Sprache formulieren, ohne selbst SQL schreiben zu müssen. Der Query Agent erzeugt daraus SQL-basierte Abfragen und liefert:
Antworten auf fachliche Fragestellungen
Automatisch erzeugte Visualisierungen
Zusammenfassungen wichtiger Erkenntnisse
Vorschläge für weiterführende Fragen
Als Datenquellen unterstützt der Query Agent Cognos-Datenmodule.
Der Query Agent ist damit insbesondere für Anwender interessant, die Daten flexibel analysieren möchten, ohne dafür eigene Berichte oder Dashboards erstellen zu müssen.
Sharing Agent – Integration von Microsoft Teams
Der Sharing Agent unterstützt jetzt neben E-Mail und Slack auch Microsoft Teams.
Berichte können über natürlichsprachliche Anweisungen im KI-Assistenten direkt an einen Microsoft-Teams-Chat oder -Kanal weitergegeben werden.
Verbesserte KI-Zusammenfassungen durch Markdown
Für die KI-basierte Zusammenfassung von Berichten verwendet Cognos Analytics jetzt ein strukturiertes Markdown-Format.
Dadurch bleiben wichtige Informationen wie Tabellenstrukturen, Überschriftenhierarchien und Zahlenformate erhalten.
Auch Diagramme und deren zugrunde liegende Datenzeilen können berücksichtigt werden. Das Sprachmodell erhält dadurch eine strukturiertere Datengrundlage für seine Zusammenfassungen.
Die Verarbeitung größerer Berichte wird verbessert, bleibt jedoch durch die verfügbare Kontextgröße des eingesetzten Sprachmodells begrenzt.
Konversationshistorie für den KI-Assistenten
Gespräche mit dem agentenbasierten KI-Assistenten werden jetzt sitzungsübergreifend gespeichert.
Anwender können frühere Unterhaltungen erneut öffnen, suchen, umbenennen, anheften oder löschen.
Die standardmäßige Aufbewahrungsdauer beträgt 30 Tage. Administratoren können die Speicherung der Konversationshistorie über die Systemadministration aktivieren oder deaktivieren.
KI-Antworten in die Zwischenablage kopieren
Textantworten der KI-Agenten lassen sich jetzt direkt über ein Kopiersymbol in die Zwischenablage übernehmen. Dabei wird ausschließlich der Textinhalt kopiert.
4. Installation und Administration
Framework Manager jetzt als native 64-Bit-Anwendung
Mit Cognos Analytics 12.2.0 steht der Framework Manager erstmals als native 64-Bit-Anwendung zur Verfügung.
Die 64-Bit-Architektur verbessert die Speicherverwaltung und kann insbesondere bei umfangreichen Modellen Performancevorteile bieten.
IBM gewährleistet weiterhin die Abwärtskompatibilität mit bestehenden 32-Bit-Installationen und Modelldateien.
Unterstützung des MongoDB Atlas SQL Connectors
Cognos Analytics unterstützt jetzt den MongoDB Atlas SQL Connector als Alternative zum bisherigen MongoDB BI Connector.
Voraussetzung ist mindestens der JDBC-Treiber mongodb-jdbc-3.0.8-all, der im Cognos-Treiberverzeichnis bereitgestellt werden muss.
Der bisherige MongoDB BI Connector hat laut IBM im September 2026 sein End-of-Life erreicht. Seine Unterstützung in Cognos Analytics soll in einer zukünftigen Version entfallen.
Verbesserter Passwortschutz beim Konfigurationsexport
Passwörter in exportierten Cognos-Konfigurationsdateien werden jetzt gehasht. Dadurch wird der Schutz sensibler Zugangsdaten beim Export von Konfigurationseinstellungen verbessert.
Eindeutige Dateinamen für Berichte im Cloud Storage
Über die neue erweiterte Einstellung Reporting.CloudFilenameTimeSuffix können Berichtsdateien beim Speichern in Cloud-Speichersystemen automatisch mit einem UTC-Zeitstempel versehen werden.
Ein möglicher Zeitstempel hat folgendes Format: _YYYYMMDD_HHMMSS_mmm.
Unterstützt werden Amazon S3, IBM Cloud Object Storage, Google Cloud Storage und Azure Blob Storage.
Die Funktion verhindert, dass mehrere Berichtsausführungen unter demselben Dateinamen gespeichert werden und vorhandene Dateien überschreiben. Sie ist standardmäßig deaktiviert.
Adoption Metrics für On-Premises-Installationen
Auch lokale Cognos-Installationen können jetzt sogenannte Adoption Metrics erfassen. Diese Kennzahlen liefern Informationen darüber, wie Cognos Analytics innerhalb einer Organisation genutzt wird.
Erfasst werden unter anderem:
Dashboard-Aufrufe
Täglich und monatlich aktive Anwender
Eindeutige Benutzerzahlen
Zugriffe auf KI-Agenten
Fehler bei der Nutzung von KI-Agenten
Die Daten werden unter anderem bei Neustarts und täglichen Kontrollpunkten gespeichert. Eine Übermittlung ist über das IBM License Metric Tool (ILMT) möglich.
Administratoren können die automatische Übermittlung der Nutzungsdaten über die Einstellung Automatically send adoption data deaktivieren.
Automatisierte VPN-Konfiguration für Cognos Analytics as a Service
Für Cognos Analytics as a Service auf AWS stellt IBM Skripte bereit, mit denen die Konfiguration von Site-to-Site-VPN-Verbindungen zwischen lokalen Netzwerken und der Cloud-Umgebung automatisiert werden kann.
Aktualisierte Systemvoraussetzungen
IBM stellt für Cognos Analytics 12.2.0 eine aktualisierte Übersicht der unterstützten Betriebssysteme, Datenquellen, Softwarekomponenten und Mindestanforderungen bereit.
Die aktuellen Angaben befinden sich auf der IBM-Seite Supported Software Environments.
5. REST APIs – Umfangreiche neue Möglichkeiten zur Automatisierung
Besonders interessant für Entwickler und Administratoren sind die zahlreichen neuen und erweiterten öffentlichen REST-APIs in Cognos Analytics 12.2.0.
IBM erweitert die Schnittstellen unter anderem in den Bereichen Reporting, Berichtsparameter, Administration, Lizenzen, Sicherheit, Datenquellen, Deployments und Source Control.
Neue APIs für Reporting und Berichtsparameter
Die neuen Endpunkte ermöglichen unter anderem das Auslesen von Berichtsparametern und die Verarbeitung von Prompt-Eingaben.
GET /reports/{id}/parameters – Parameterdefinitionen eines Berichts abrufen
POST /reports/collect_parameter_values – Parameterwerte und Prompt-Steuerelemente ermitteln
POST /reports/submit_prompt – Prompt-Auswahlen übertragen und den aktualisierten Zustand abrufen
POST /reports/tree_children – Untergeordnete Werte hierarchischer Prompts abrufen
GET /reports/my_parameters – Gespeicherte Parameterwerte des angemeldeten Benutzers abrufen
Diese Erweiterungen sind insbesondere für die Entwicklung eigener Anwendungen interessant, die Cognos-Berichte integrieren und dabei auch Parameterdialoge unterstützen sollen.
Neue APIs für Lizenzen und Benutzerberechtigungen
Über zusätzliche Schnittstellen lassen sich Lizenzinformationen und Benutzerberechtigungen programmatisch auswerten.
GET /licenses/details – Detaillierte Lizenznutzung pro Benutzer abrufen
GET /licenses/summary – Lizenzverbrauch nach Lizenzstufen ermitteln
GET /licenses/status – Lizenzstatus der Installation abfragen
GET /users/{id}/capabilities – Berechtigungen eines Benutzers abrufen
GET /groups/{id}/capabilities – Berechtigungen einer Gruppe abrufen
GET /roles/{id}/capabilities – Berechtigungen einer Rolle abrufen
Damit ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für die Automatisierung von Lizenzprüfungen, Berechtigungsanalysen und administrativen Auswertungen.
Weitere administrative REST-Schnittstellen
Die REST-API-Erweiterungen betreffen außerdem:
Aktivitäten und Zeitpläne: Laufende, abgeschlossene und geplante Aktivitäten auslesen, abbrechen oder verwalten
Deployments: Export- und Importvorgänge sowie Deployment-Archive programmatisch verwalten
Datenquellen: Datenquellen, Verbindungen und Sign-ons administrieren
Systemkonfiguration: Dispatcher, Servergruppen und weitere Konfigurationsinformationen abrufen
SMTP: E-Mail-Serverkonfiguration abrufen, aktualisieren und testen
Source Control: Git-Branches, Commits, Vergleiche, Pull- und Revert-Aktionen steuern
KI-Konfiguration: API-Key-Verbindungen verwalten sowie KI-Modelle auswählen und testen
Mandantenverwaltung: Tenant-Informationen und mandantenspezifische Konfigurationen verwalten
Die neuen APIs machen Cognos Analytics insbesondere für automatisierte Administrationsprozesse und die Integration in eigene Anwendungen flexibler.
Die vollständige Liste aller neuen Endpunkte und deren technische Beschreibungen ist in der IBM REST API Reference dokumentiert.
6. Welche Neuerungen sind besonders interessant?
Die Bedeutung der einzelnen Neuerungen hängt von den jeweiligen Einsatzszenarien ab. Aus unserer Sicht verdienen insbesondere folgende Bereiche Aufmerksamkeit:
7. Fazit und Download
Achtung. Es gibt wieder eine IBM Cognos Analytics Server with Premium Edition 12.2 und eine „normale“ IBM Cognos Analytics Server 12.2 Version. Die Premium AI Edition ist in den Certified Containers zu finden:
IBM Cognos Analytics 12.2.0 bringt eine Reihe interessanter funktionaler und technischer Erweiterungen mit.
Für Dashboard-Anwender stehen zusätzliche Visualisierungsmöglichkeiten, Markdown-Beschreibungen und der neue PowerPoint-Export im Vordergrund. Berichtsentwickler profitieren vom modernisierten Ausdruckseditor und den Verbesserungen beim Bursting.
Ein wesentlicher Entwicklungsschwerpunkt bleibt die agentenbasierte KI. Mit dem Query Agent und dem weiterentwickelten Report Authoring Agent baut IBM die Möglichkeiten aus, Datenanalysen und Berichte über natürlichsprachliche Dialoge zu erstellen.
Für Entwickler und Administratoren dürften vor allem die umfangreichen REST-API-Erweiterungen von Bedeutung sein. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für eigene Anwendungen, automatisierte Verwaltungsprozesse und eine tiefere Integration von Cognos Analytics in bestehende IT-Landschaften.
Welche KI-Funktionen in einer konkreten Umgebung genutzt werden können, hängt von den jeweiligen Lizenz- und Bereitstellungsvoraussetzungen ab. Diese sollten vor einem produktiven Einsatz separat geprüft werden.
Quelle: IBM Cognos Analytics 12.2.0 – Release Notes (November 2026)
