Juli 2026: Die EU „geht mit dem Digitalen Produktpass live“

Juli 2026: Die EU „geht mit dem Digitalen Produktpass live“

Münster, 19.01.2026 – Der Digitale Produktpass war lange ein politisches Vorhaben. Ein Rahmen. Eine Roadmap mit vielen offenen Variablen. Heute in nur 6 Monaten (!) am 19. Juli errichtet die Europäische Kommission das Register für den Digitalen Produktpass (DPP)!

Launch of the DPP Registry on July 19 2026

Was bürokratisch klingt, markiert einen fundamentalen Systemwechsel. In genau sechs Monaten existiert ein zentrales, operatives Register für Digitale Produktpässe. Kein Pilot, kein Whitepaper, kein Entwurf – sondern eine reale Infrastruktur.

Der Sprengsatz steckt jedoch vor allem anderer Stelle. In den offiziellen EU-Unterlagen heißt es unmissverständlich:

„Once the DPP exists and is registered in the DPP Registry, the product can be placed on the market.“

Das ist mehr als ein Satz. Es ist eine neue Marktzugangslogik. Und die Registrierung ist keine Formalität mehr. Sie wird zur Voraussetzung, um Produkte – in den jeweils betroffenen Kategorien – überhaupt in Verkehr bringen zu können. Und zwar indem sie sichtbar macht, ob es für ein Produkt einen gültigen Produktpass gibt und wo dieser liegt.

Konkret bedeutet das:

1. Produktpässe werden auffindbar

Jedes betroffene Produkt erhält eine eindeutige Kennung über zum Beispiel eine Produkt-ID und über diese Kennung kann das Registry beantworten:

_“Ja, für dieses Produkt existiert ein Digitaler Produktpass – und hier ist er zu finden.“_

Marktüberwachungsbehörden und Zollstellen können so prüfen, ob es für ein Produkt einen DPP gibt, dieser gültig ist und entsprechend in den Verkehr gebracht werden darf.

2. Produktpässe werden technisch prüfbar

Das Registry prüft nicht, die Inhalte selbst, sondern formale Aspekte sowie Authentizität und Integrität:

* Formale Aspekte: Existiert ein Produktpass überhaupt und ist dieser formal korrekt aufgebaut?
* Authentizität und Integrität: Ist er echt (also von einem berechtigten Unternehmen erstellt) und wurde er nachträglich verändert?

Was oft missverstanden wird: Die Registry speichert nicht den gesamten Produktpassinhalt. Der DPP selbst kann:

* beim Hersteller
* bei einem Service Provider
* oder in einer dezentralen Infrastruktur liegen

Ab dem Registry-Go-Live zählt nicht mehr, was Unternehmen sagen, sondern was ihre Systeme nachweisen können – und Nachhaltigkeit verlässt endgültig den Raum der Absichtserklärungen.

Ab Juli 2026 ist der Digitale Produktpass damit kein Konzept mehr, sondern ein System. Und Systeme stellen keine Fragen nach Haltung oder Absicht. Sie funktionieren – oder sie schließen aus.

Für Unternehmen bedeutet das: Der Spielraum, den man bisher hatte, um Nachhaltigkeit erklärend, berichtend oder narrativ zu behandeln, schrumpft drastisch. Es reicht nicht mehr, sagen zu können, dass man sich vorbereitet. Ab diesem Zeitpunkt wird sichtbar, ob Produkte überhaupt registrierbar sind. Ob Daten konsistent vorliegen. Ob Zuständigkeiten geklärt sind.

Der eigentliche Weckruf liegt nicht in einer neuen Pflicht, sondern in der Inbetriebnahme der Infrastruktur. Ab Juli 2026 entscheidet nicht mehr das Versprechen, sondern die Infrastrukturfähigkeit.

Und Infrastrukturfähigkeit bedeutet dabei weit mehr als einen vorhandenen Datensatz: Sie umfasst rollenbasierte Zugriffe entlang der Wertschöpfung, interoperable Daten- und Identifikationsstandards sowie die Fähigkeit, Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg aktuell zu halten.